Waldkraiburg – Der Saal in der Taverne Korfu war voll. Organisatorin Irmi Pöschl-Moser freute sich, dass wirklich viele Bürger den Weg zur Gründungsveranstaltung der Bürgerinitiative Waldkraiburg – Stadt im Grünen gefunden hatten. Nicht nur Anwohner, sondern auch viele Bürger, denen der Wald als Naherholungsgebiet dient und Umweltschützer waren gekommen.
Konkret geht es um den Erhalt der Waldfläche nördlich der Daimlerstraße. Dort soll das Gewerbegebiet erweitert werden. (Wir berichteten). Nur die sogenannte „Schilcherlinie“ mit rund 50 Metern Breite zu erhalten, ist den Bürgern zu wenig. Sie wollen die ganzen zwei Hektar Wald aus altem Bestand erhalten.
Lisa Sieber aus Aschau unterstützt die Bürgerinitiative. Die Initiative sei parteifrei, sagte sie. Es ginge nur darum, das Waldstück zu erhalten. Sie stellte das Prozedere des Bürgerantrags vor, der gestellt werden wird. Die Formalitäten dafür sind erfüllt, so Sieber. Nun käme es darauf an, dass ein Prozent der Wahlberechtigten in Waldkraiburg unterschreibt. Die Stadt hat dann vier Wochen Zeit, den Antrag zu prüfen und drei Monate Zeit, ihn zu behandeln. „Wenn die Stadt zustimmt, hätten wir gewonnen“, sagte Sieber. „Wenn nicht, wäre die nächste Option, ein Bürgerbegehren zu beantragen.“
Als Begründung für den Bürgerantrag gibt die Bürgerinitiative die besondere Bedeutung des Waldes in seiner Vielfältigkeit an: Klimaschutz, Reinhaltung der Luft, Schutz der Artenvielfalt, Wasserschutz, Hitzeschutz, Lärmschutz, Naherholungsgebiet und Schutz vor Wertverlust der Wohnimmobilien werden im Einzelnen ausgeführt.
Als weitere Unterstützerin der Bürgerinitiative sprach Monika Ott, die sich ebenfalls dafür einsetzte, dass Waldkraiburg „wieder die Stadt im Grünen wird“. Sie führte den Bürgern vor Augen, dass die Luftverschmutzung steigt, wenn CO2 nicht mehr gebunden wird. Dennis Uzon fand es absurd, dass zugunsten der Industrie vor Ort der Wald weichen solle. Für ihn machte es mehr Sinn, „den Leerstand in der Innenstadt zu bekämpfen und brachliegende Flächen zu bebauen, als neue Gewerbegebiete zu erweitern“. Mensch und Natur standen für ihn im Vordergrund.
Peter Moser, der Ehemann der Organisatorin Irmi Pöschl-Moser, wies noch einmal darauf hin, dass die Bürgerinitiative sich nicht als politische Organisation verstehe. „Wir sind unterschiedliche Leute, die sich zusammengefunden haben und wir wollen nur ein Stückchen Wald“, sagte Moser und rief dazu auf, die Listen für den Bürgerantrag zu unterschreiben.
Bei der anschließenden, lebhaften Diskussion, warf Simone Burkhardt aus dem Publikum die Frage auf, ob das Ansinnen der Firmen sei, auf dem geplanten Gewerbegebiet Arbeitsplätze zu schaffen. Irmi Pöschl-Moser sagte, die Antworten, die sie diesbezüglich bekommen habe, seien jedes Mal anders und unklar. Eine Dame aus dem Publikum wusste, dass die Stadt „massiv und aktiv um Firmen wirbt.“ Lisa Sieber sagte, dass das Landwirtschaftsamt das Waldgebiet zur Erhaltung empfohlen hat.
Dr. Andreas Zahn warf die Frage auf, „wie groß soll denn Waldkraiburg werden?“ Das müsse man gesamtgesellschaftlich diskutieren. Er würde es von Seiten des Bund Naturschutz kritisch begleiten. Richard Fischer, Zweiter Bürgermeister meldete sich zu Wort und erinnerte an die Diskussion am Donnerstag, 12. September, im Haus der Kultur. Er fand „die Umweltschutzaktivitäten wichtig und wie wir mit unserem Wald umgehen, manchmal müssen wir darauf gestoßen werden.“ Die Podiumsdiskussion ist am Donnerstag 12. September, um 19 Uhr im Haus der Kultur mit Bürgermeister Robert Pötzsch, Irmi Pöschl-Moser, Dennis Uzon sowie Vertretern aus Industrie und Wirtschaft.