Waldkraiburg – „Lies doch einfach vom Blatt ab“, schlägt Susanne Boehm ihrer Schauspielkollegin Elisabeth Weisgerber bei der Theaterprobe vor. Aber davon will die 90-Jährige nichts wissen. Sie sagt ihr Gedicht aus dem Gedächtnis auf und erntet dafür nicht nur von Spielleiter Mike Sobotka anerkennenden Applaus.
Das erste Programm wird am 10.
Oktober präsentiert
Seit Juli gibt es im Adalbert Stifter Seniorenwohnen eine kleine Theatergruppe, die sich „Buntes Brettl“ nennt. Dass Bewohner eines Heimes nicht gelangweilt in einer Ecke sitzen müssen, zeigt das Haus mit verschiedenen Projekten immer wieder aufs Neue. „Wir gehören zur Stadt und sind ein Teil der Gesellschaft“, betont Heimleiter Hubert Forster, dem Außenkontakte wichtig sind.
Der jüngste Plan, Senioren geistig auf Trab zu halten und zeitgleich der Bevölkerung zu zeigen, was auch im fortgeschrittenen Alter noch möglich ist, kommt künstlerisch daher. Bei den regelmäßigen Proben sind die Mitglieder der Theatergruppe mit Feuereifer bei der Sache. Die älteren Semester blühen so richtig auf, stellt Mike Sobotka von Woche zu Woche fest. Auch von kleinen Patzern lässt sich die Gruppe keinesfalls unterkriegen. Schließlich soll am kommenden Donnerstag, 10. Oktober, wenn das Wohnheim zwischen 18 und 21 Uhr zum offenen Abend einlädt, ein pfiffiges Programm präsentiert werden.
Die Idee, eine Theatergruppe ins Leben zu rufen, stammt von Hubert Forster, der den Schauspieler Mike Sobotka engagierte, der jetzt als Verantwortlicher mit den Seniorinnen und Senioren zweimal in der Woche je eine Stunde lang Texte und Musikstücke einübt.
Die kreative Geschichte ist zwar noch im Aufbau begriffen, doch Fortschritte lassen sich bereits erkennen. Susanne Boehm und Elisabeth Weisgerber zeigen mit Kurt Hommel, Waldemar Hermann und Jaruslav Selinger, was sie auf der Bühne so alles drauf haben. Volker Rohra mischt in der Truppe ebenfalls mit, obwohl er nicht im Heim lebt und auch noch mehrere Jahre jünger ist. „Da unsere Einrichtung einen Draht nach außen hat, kann jeder mitspielen, der das Theatergen in sich spürt“, erklärt Forster.
Nach dem Motto „Komm, ich zeig dir meine Welt“, experimentieren die Hobby-Schauspieler mit verschiedenen Genres wie Kabarett und Improvisationstheater. Das fertige Programm besteht aus einzelnen Sequenzen und wird mit flotter Musik aus der Mundharmonika untermalt.
Projekt mit Schule
und Kleinkunstbühne
im Gespräch
Die Herren Kurt Hommel und Waldemar Hermann verstehen sich nämlich prächtig auf das Mundharmonika-Spielen. Aus diesem Grund machen sie gerne in der Theatergruppe mit. Jaruslav Selinger bezeichnet sich selbst als alten Grantler, sagt jedoch: „Ich liebe Komödien und deshalb bin ich hier dabei.“ Wie Mike Sobotka verkündet, ist später sogar eine generationenübergreifende Theaterarbeit in Planung. Wie es heißt, haben Kinder aus dem Hort an der Graslitzer-Schule vor, mit den älteren Herrschaften schauspielmäßig in Kontakt zu treten. Außerdem ist es Hubert Forsters Bestreben, den Saal im Adalbert Stifter Wohnheim generell als Kleinkunstbühne zu nutzen.
Sein Angebot: „Leute von außen können gerne bei uns auftreten. Wir leben hier nicht in Isolation. Vielmehr verstehen wir uns als aktiven Part in der Waldkraiburger Bevölkerung.“