Waldkraiburg – Die Schweißperlen auf der Stirn von Joachim Grytzky, Sprecher der Steuerungsgruppe „Fair trade“, wären eigentlich gar nicht nötig gewesen. Denn die Bürger und Besucher von Waldkraiburg zeigten sich am Samstag ziemlich kauflustig, als es darum ging, die „Fairtrade-Stadt“ zu unterstützen.
Waldkraiburg erhielt im Herbst 2017 erstmals das Fair-trade-Siegel. Jetzt wurde die Stadt re-zertifiziert, was keine Selbstverständlichkeit ist, wie Grytzky hervor hob. Der Zertifizierungsfeier auf dem Sartrouville-Platz ging eine kleine Wette voraus. Die drei Pfarrer der christlichen Kirchen, also Pater Bernhard Stiegler von der katholischen Kirche, Lars Schmidt von der evangelischen Kirche und Benjamin Klammt von der Freikirche zeigten keine Scheu, als sie um 8.45 Uhr aufgefordert wurden, sich öffentlich auf eine Waage zu stellen.
247 Kilo entsprechen Waren im Wert von 741 Euro
Insgesamt wiegen die Herren 247 Kilo. Jedes Kilo wurde mit drei Euro bemessen, so dass die Zahl 741 heraus kam. Und diese Zahl galt es zu schlagen. Die Steuerungsgruppe „Fair trade“ setzte folgende Wette an: Sie glauben, die Mitglieder der Kirchenleitungen würden es nicht schaffen, innerhalb von zwei Stunden durch den Verkauf fair gehandelter Produkte das Gewicht der Pfarrer in Euro aufwiegen zu können. Doch da machte die Steuerungsgruppe „Fair trade“ die Rechnung ohne den Wirt.
Frauen und Männer der Kirchenleitungen verkauften nämlich nicht nur am Stand fleißig fair gehandelte Waren, sie schwärmten auch noch mit voll bepackten Körben in der Stadt aus. Das Ergebnis des Engagements erfüllte alle Beteiligten mit Stolz: Sage und schreibe wurden zwischen 9 und 11 Uhr fair gehandelte Produkte im Wert von 1186 Euro verkauft.
„Da haben wir ja haushoch verloren“, schmunzelt Grytzyk, der sich mit seinem Team darüber natürlich freut, den fairen Handel als Wettsieger feiern zu können.
Ein fair gehandelter Ball für jede
Kindertagesstätte
Außerdem gewinnen auch noch Waldkraiburgs Kinder, denn der Wetteinsatz war je ein fair gehandelter Ball für alle neun Kindertagesstätten in Waldkraiburg. Sechs Vertreterinnen von Kindertagesstätten erschienen am Samstag gleich persönlich zur Übergabe des bunten Balles.
Bewirbt sich eine Stadt um das Siegel „Fair trade“, so muss sie mehrere Kriterien erfüllen: Bürgermeister und Stadtrat trinken fair gehandelten Kaffee, in einem Ratsbeschluss wird die Unterstützung des fairen Handels festgelegt, eine Steuerungsgruppe koordiniert Aktivitäten und Veranstaltungen, in Geschäften und in der Gastronomie sind Produkte aus fairem Handel erhältlich.
Im Rathausfoyer läuft nur fair gehandelter Kaffee aus den Automaten. Das Fair-trade-Siegel muss sich eine Stadt also regelrecht verdienen.
Kampf gegen Kinderarbeit und Ausbeutung
Es sind immer wieder neue Anstrengungen nötig, um die Auszeichnung zu erhalten. Waldkraiburg geht hier mit gutem Beispiel voran. Joachim Grytzyk und seine Frau Elsbeth machen sich seit Langem mit dem gesamten Team der Initiative für fairen Handel stark. Sie kämpfen so gegen Kinderarbeit, Ausbeutung und für mehr Gerechtigkeit in der Welt.
Der Sprecher der Steuerungsgruppe hatte am Samstagvormittag dann auch noch die schöne Aufgabe, Bürgermeister Robert Pötzsch die Urkunde zu überreichen, die bestätigt, dass Waldkraiburg Fairtrade-Stadt bleiben darf.
Der Rathauschef meinte, eine Auszeichnung zu erhalten sei die leichtere Disziplin, diese aber wieder zu erlangen, dazu gehöre schon sehr viel mehr. „Ich bin sehr stolz auf diese Re-Zertifizierung. Ein großer Dank geht dabei an die Steuerungsgruppe, die immer wieder Veranstaltungen und Aktionen anbietet.“ Bürgermeister Robert Pötzsch versprach, die Stadt Waldkraiburg werde weiterhin den fairen Handel auf lokaler Ebene fördern.