„Ja, ich will!“ – es lebe das Klischee

von Redaktion

Theaterstück Schüler des Gymnasiums Gars meistern besondere Reifeprüfung

Gars – Ein knappes Jahr vor dem Abitur absolvieren die Schüler des Gymnasiums Gars immer eine besondere Reifeprüfung: Sie bringen ein Theaterstück auf die Bühne. Dieses Mal meisterten sie eine besonders schwierige Aufgabe: Die Abiturienten haben quasi einen Blick in ihre eigene Zukunft geworfen. In ihrem Stück geht es um eine Hochzeit.

Katastrophenhochzeit auf der Bühne

Ihre Faszination des Themas drücken die Jugendlichen aus, indem sie eine Katastrophenhochzeit auf die Bühne bringen: Das Stück beginnt damit, dass sämtliche Gäste keifend aufeinander losgehen. In unterschiedlichen Rückblenden wird gezeigt, wie es dazu gekommen ist.

Eigentlich scheinen sie das perfekte Paar zu sein: Der extrem coole Pablo (Daniel Böddecker) und die theatralische Magdalena (Lisa Körmeier). Beide bieten tolle schauspielerische Leistungen. Doch zwischen ihren Familien und Freunden knistert es gewaltig. Magdalenas Familie ist erzkonservativ, vom gemütlich grinsenden Kirchgänger Horst (Korbinian Schreier) bis zur steifen Oma Rosalie (Elsa Baumgartner), die zwar kaum noch gehen, dafür aber umso besser granteln kann, unterstützt von Magdalenas Mutter Elisabeth (Chiara Kölsch).

Misstrauisch beäugen sie die schrecklich liberale Familie von Pablo, vor allem das Lesbenpaar Michaela (Klara Numberger) und Stella (Lea Hundmeyer), die einen Eklat heraufbeschwören, der in wüsten Beschimpfungen mündet – vor allem geht es darum, dass die jeweils andere Seite den völlig falschen Erziehungsstil praktiziert hat. Doch auch unter den Freunden kracht es: Trauzeugen sind Lena (Paula Holbl) und Alex (Michael Grohmann), die sich ständig an ihre gescheiterte Kurzzeitbeziehung erinnern – vor allem Lena wird immer wieder ausfällig. Kein Wunder, wie Rückblenden zeigen, in denen Alex’ Untreue thematisiert wird. Bei Emma (Sybille Sonner), einer Freundin der Braut, versucht er prompt auch noch sein Glück.

Die ohnehin geladene Stimmung wird von der herrlich schrillen Hochzeitsplanerin (Lea Lipp) immer weiter angeheizt, sodass es nach einem Feuerwerk witziger Einlagen schließlich zur Katastrophe kommt.

Dabei hatte der freundliche Pater Florian (Christoph Koitka) doch immer wieder versucht Frieden zu stiften, allerdings gerät er nach dem Konsum eines Joints selbst ebenfalls etwas aus der Spur.

Stephan Jahn

führt Regie

Die Jugendlichen geben selbst zu, dass sie mit Klischees spielen, doch sie tun das so gekonnt, dass das Publikum aus dem Lachen kaum herauskommt. Unter der Regie von Stephan Jahn, in kleinen, aber äußerst witzigen Nebenrollen unterstützt von Anna Fluhrer, Hannah Metzger und Milena Löhnert, an der Technik begleitet von Jonas Mirwald und Philip Ege, zeigt das Q12-Theater, dass die Klischees sicher längst verschwunden wären, wenn sie nicht doch einen wahren Kern hätten.

Natürlich wollen alle trotzdem ein Happy End, das den Zuschauern dann auch geboten wird. Schließlich wird seit Shakespeares Zeiten im Theater gespielt, „was ihr wollt“. red

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