Waldkraiburg – Der Wald nördlich der Daimlerstraße soll erhalten bleiben – und zwar in seiner gesamten Breite. Diese Forderung erhebt die Bürgerinitiative „Waldkraiburg – Stadt im Grünen“ und hat deshalb gestern einen Bürgerantrag mit 344 Unterschriften Bürgermeister Robert Pötzsch vorgelegt.
Wie und vor allem wo kann sich die Stadt Waldkraiburg in den kommenden Jahren weiterentwickeln – mit Gewerbe, aber auch mit Wohnbebauung? Eine Frage, die schon länger oben auf der Agenda steht, aber mit der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße noch mal Fahrt aufgenommen hat.
Mit der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets sollen fast 1,8 Hektar Wald umgewandelt werden, übrig würde nur ein 50 Meter breiter Wald westlich der Schilcherlinie bleiben. Anwohnern ist das zu wenig, weshalb sich vor Kurzem eine Bürgerinitiative um Irmi Pöschl-Moser gegründet hat. Seitdem wurden fleißig Unterschriften gesammelt. Insgesamt 344 sind es, die Irmi Pöschl-Moser mit Sylvia Keil, Jutta Klein, Mathilde Binder und Marianne Gößl im Rathaus übergeben hat.
Geplante
Erweiterung stoppen
„Es ist uns ernst und deshalb haben wir gezwungenermaßen diesen Schritt tun müssen“, sagte Irmi Pöschl-Moser bei der Übergabe. Es gebe Leute in der Stadt, die auch später hier leben und sich im Grünen aufhalten wollen. Eine gesunde und lebenswerte Atmosphäre gehe unwiderbringlich verloren, wenn der Wald abgeholzt werde. „Nicht alle haben einen eigenen Garten.“
Für die Bürgerinitiative ist klar: Die geplante Erweiterung des Industriegebiets nördlich der Daimlerstraße muss gestoppt werden – so steht es auch im Bürgerantrag. Das gesamte Waldgebiet müsse wegen seiner besonderen Bedeutung für den lokalen Klima-, Immissions- und Lärmschutz sowie für die Erholung der Bevölkerung erhalten bleiben.
Es werde Kompromisse brauchen, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch. „Das muss allen klar sein.“ Doch in welche Richtung gehen sie? Für Irmi Pöschl-Moser und ihre Mitstreiterinnen war klar: „Ein Kompromiss muss in Richtung der Anwohner gehen. Die wissen nicht, was auf sie zukommt.“ Sie befürchten, dass sie stärker Lärm ausgesetzt seien, wenn der Wald auf eine Breite von 50 Metern schrumpft. Auch die Angst vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen trieb sie um.
Die Bürgerinitiative wolle nicht behindern: „Es sollten möglichst alle zufriedengestellt werden, aber nicht zulasten einiger“, sagte Irmi Pöschl-Moser. Anderswo würde sich ein ruhiges Wohngebiet entwickeln, während nördlich der Daimlerstraße mit mehr Lärm und Verkehr zu rechnen sei.
Das soll nicht passieren, sagte Pötzsch. Denn die Industrie müsse Werte zum Immissionsschutz einhalten – und die sind zum Beispiel entlang der Schilcherlinie überall gleich. Um die Belastung durch den Verkehr gering zu halten, könne die Zufahrt zum geplanten Gewerbegebiet über die Staatsstraße erfolgen. Ein Kompromiss, mit dem die Anwohner leben können, aber erst noch geprüft werden muss. Bereits eingangs hatte Pötzsch zugesichert, dass sich der Stadtrat noch mal mit dem Thema befassen wird. Dies hatte er bereits bei der Podiumsdiskussion vor zwei Wochen im Haus der Kultur angekündigt, dass die Stadt die Anregungen aufnehmen will.
Ob Wohnbebauung oder Gewerbe, die Stadt muss sich für die Zukunft aufstellen: „Wo sollen wir uns weiterentwickeln?“ Viele Möglichkeiten in der Stadt gibt es laut Pötzsch nicht, Widerstand ist auch dann zu erwarten, wenn es um eine mögliche Bebauung im Westen der Stadt geht.
Eine Perspektive für die Entwicklung
Stillstand ist für ihn keine Alternative: Die innerstädtische Entwicklung hängt von einem neuen Standort für die Firma Atoma ab, eine neue Wohnbebauung wird dann möglich, wenn die Firma Netzsch zwei Standorte zusammenlegt. „Das ist ein komplexes Thema, das schrittweise umzusetzen ist.“ Die Stadt habe auch nicht die Absicht, neue Firmen in Waldkraiburg anzusiedeln, sondern will nur den bestehenden Unternehmen eine Perspektive zur Entwicklung geben.
344 Bürger haben den Bürgerantrag unterzeichnet. Mindestens ein Prozent der wahlberechtigten Einwohner sind nötig. Der Stadtrat muss nun innerhalb von vier Wochen über dessen Zulassung entscheiden, danach hat die Stadt drei Monate Zeit, den Antrag zu prüfen.