Kirche muss politisch sein, weil die Botschaft Jesu politisch ist

von Redaktion

Interview Ruth-Maria Stamborski, Provinzoberin der Garser Missionsschwestern, unterstützt „Fridays for Future“-Bewegung

Waldkraiburg – Dürfen Vertreter der Kirche an „Fridays for Future“-Demos teilnehmen? Oder soll sich Kirche aus der Politik heraushalten? Für Ruth-Maria Stamborski, Provinzoberin der Garser Missionsschwestern in Stadl, ist das keine Frage. Kirche muss politisch sein, weil auch die Botschaft Jesu „in sich politisch“ ist. Die 55-Jährige, die lange im Pfarrverband Waldkraiburg als Gemeindereferentin arbeitete, hat in Waldkraiburg mitdemonstriert, „weil ich nicht verantworten konnte, den weiten Weg nach München zu fahren“.

Warum haben Sie an der Demonstration in Waldkraiburg teilgenommen?

Weil das Thema Schöpfung uns alle angeht. Weil ich bemerkenswert finde, dass die jüngeren Generationen uns auf etwas aufmerksam machen, wo wir uns seit vielen Jahren durchmogeln. Die Bibel beginnt in der Genesis mit dem Blick auf die Schöpfung, darauf dass Gott in dieser Schöpfung anwesend ist. Papst Franziskus mahnt uns mit der Enzyklika „Laudato Si“, dass wir die Sorge für dieses eine Menschenhaus wirklich annehmen und Veränderungen umsetzen.

Was bedeutet das konkret für Ihre Gemeinschaft? Was tun Sie für den Klimaschutz?

Wir haben uns intensiv mit der Frage nach den Konsequenzen für unseren Lebensstil als Gemeinschaft und in den einzelnen Hausgemeinschaften beschäftigt. In Stadl können wir leider nicht auf Autos verzichten. Aber wir können zum Beispiel regional und in großen Behältern einkaufen, um möglichst auf Plastik zu verzichten. Oder unserenFleischkonsum einschränken. In vielen Hausgemeinschaften geschieht das bereits. Und wir sind dabei, in Stadl auch die Energieversorgung umzubauen und klimafreundlicher zu machen.

Am Rande der Klimaschutzdemonstration in Waldkraiburg haben Sie die Frage gestellt: „Wo bleiben die Kirchen?“ Sie hätten sich eine größere Beteiligung von Christen gewünscht?

Ich erhoffe mir, von uns als Kirche und Kirchen, dass wir uns einsetzen für die benachteiligten Menschen und für die Schöpfung. Daraus folgt für mich tatsächlich eine sichtbare Beteiligung bei solchen Veranstaltungen.

Bischof Stefan Oster, der Jugendbischof der Bischofskonferenz hat sich in Passau ebenfalls in die „Fridays for Future“-Demo eingereiht und dafür heftige Kritik einstecken müssen. Was sagen Sie dazu?

Die Botschaft Jesu ist in sich politisch, nicht parteipolitisch. Jesus ist für die Bedürftigen eingetreten, für die Menschen am Rande und hat auf Missstände aufmerksam gemacht. Er hat damit klar Position bezogen, so wie viele Christen in seiner Nachfolge. Ich denke an Pater Rupert Mayer oder Bischof von Galen im Dritten Reich, die für Wahrheit und soziale Gerechtigkeit eingetreten sind. Das ist politisch.

Aus der Politik, zum Beispiel der Jungen Union, kam die Forderung, Kirche habe sich aus der Politik herauszuhalten.

Da kommen wir als Kirche nicht umhin. Die Botschaft vom Reich Gottes hat Sprengkraft. Wir haben vom Evangelium her etwas dazu zu sagen, wenn die Schöpfung gefährdet ist oder zum Beispiel Menschen im Mittelmeer ertrinken. Das kann uns doch nicht gleichgültig sein.

Der „Fridays for Future“-Bewegung wird vorgeworfen von politischen Parteien unterwandert, instrumentalisiert zu werden. Was sagen Sie dazu?

Bei der Veranstaltung in Waldkraiburg sind mir auch parteipolitische Äußerungen aufgefallen. Da müssen wir als Kirche aufmerksam und wachsam wirklich die Anliegen im Blick zu haben. Das muss unser Part sein. Wir stehen für die Themen, respektvoll, aber klar.

INterview: Hans Grundner

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