Waldkraiburg – Das Gymnasium Waldkraiburg gehört zum bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Prominenter Pate des Projekts ist Peter Maffay. Bei einer Feier hat Naim Balikavlayan, Vertreter des Netzwerks, gestern die Urkunde an die Schule übergeben.
Es ist ein Auftritt, wie es zu einem Rockstar passt, auf den alle schon längst gewartet haben: Kaum biegt Peter Maffay hinter der Bühne ums Eck, brandet Applaus und Jubel unter den rund 690 Schülern des Gymnasiums auf. „Peter, wir lieben dich“, schreit einer der Schüler nach vorne. Zur Begrüßung spielt die Big Band mit „Nessaja“ einen älteren Song von Peter Maffay.
Einen würdigen
Paten gefunden
Mit Lederhose, Bikerstiefeln und lässigem Hemd betritt er die Bühne. Er komme gerade aus Oldenburg von einem Videodreh, daher sein Outfit, wie man ihn als Rockmusiker kennt. „Die müssen sich vertan haben“ – das war sein erster Gedanke, als die Anfrage kam, ob er Pate werden will für das Projekt am Gymnasium Waldkraiburg. Seine Zeugnisse seien ja nicht sonderlich überzeugend gewesen. „Aber es geht hier weniger um Noten, Zeugnisse oder Fehlstunden“, sagt er. Es gehe um die Haltung und um ein beeindruckendes Projekt.
„Großartig, was ihr auf die Beine gestellt habt“, lobt er die AG Miteinander, die das Ziel verfolgt, die Wertebildung an der Schule mitzugestalten und somit das Schulprofil zu entwickeln. 15 Schüler engagieren sich aktuell in der AG, die auch vorangetrieben hat, dass das Gymnasium eine Fairtrade-Schule ist. Nun ist das Gymnasium auch eine „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“.
Notwendig war dazu ein Bekenntnis zu den Courage-Zielen, das mindestens 70 Prozent der Schulgemeinschaft unterschreiben. 85 Prozent sind es am Gymnasium. Gebraucht hat es auch einen Paten: Vorbild sollte er sein und einen Bezug zu Waldkraiburg haben, wie Shkurte Rexhepi, Jennifer Schesler und Julia Takacs von der AG sagten. Einen besseren Paten als Peter Maffay hätten sie sich nicht vorstellen können. Der Rockstar engagiert sich sozial mit seiner Stiftung, hat sich klar gegen rechts positioniert. „Er ist ein würdiger Pate.“
Peter Maffay musste nicht lange überlegen, Pate zu sein. Er nimmt die Schüler in die Pflicht: „Dieser Titel ist keine Auszeichnung für Geleistetes. Es ist ein Siegel für Selbstverpflichtung.“ In einer Schulfamilie würde man sich gegenseitig unterstützen, sich akzeptieren. Aber auch in einer Familie könne es Reibungen geben. „Reibung erzeugt Wärme und Wärme erzeugt Feuer. Ihr brennt für eine bessere Welt“, schlägt er den Bogen auf die Fridays-for-Future-Bewegung. Eine friedliche Revolution hätten die Jugendlichen in Gang gesetzt, die ihre Rechte fordern. „Die muss man ihnen zugestehen.“ Den Respekt von ihm und der Umgebung würden sie haben. Man müsse die Erde vor weiterer Ausbeutung schützen.
Auch als Musiker habe er die Möglichkeit, ein Bewusstsein zu schaffen. „Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir jetzt handeln. Es gibt keinen Aufschub.“ Er glaubt an die Jugend und deren Kraft, dass sie die Risse kitten können, die durch die Gesellschaft gehen. Dem Gymnasium wünscht er, dass es die Idee lebendig halte und die Energie für „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ habe.
Landrat Georg Huber und Bürgermeister Robert Pötzsch würdigen anfangs der Veranstaltung das Engagement der Schule und der „AG Miteinander“. Die Auszeichnung als „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ sei keine Auszeichnung, sondern eine große Verantwortung und Verpflichtung. Schulleiter Helmut Wittmann versicherte, dass die Schule zu den Zielen der Auszeichnung stehe.
Bevor Naim Balikavlayan die Urkunde an das Gymnasium überreicht, redet er den Schülern ins Gewissen, ohne Verunsicherung auslösen zu wollen. „Gibt es eine Schule ohne Rassismus, eine Schule mit Courage?“ Werde hinter dem Rücken eines schwulen Mitschülers gekichert, könne ein schwules Pärchen über den Pausenhof gehen oder ein Mädchen ein Kopftuch tragen, ohne dass sie lächerlich gemacht werde?
Leise hört man im Hintergrund vereinzelt ein „Nein“ von den Schülern. Sein Appell: Das Engagement gegen Rassismus ist eine „never ending story“. Dazu wünscht er eine starke Sensibilität und Herzlichkeit für eine rassismusfreiere Schule.
Autogramme auf Gipsarm und LP
Am Ende der Veranstaltung hält es die Schüler nicht mehr auf ihren Sitzen. Sie wollen die Chance nutzen und sich ein Autogramm von Peter Maffay sichern: Auf dem Gipsarm, auf einem kleinen Stück Zettel oder der alten LP „Steppenwolf“. Der Rockstar nimmt sich Zeit für die vielen Schüler, wechselt ein paar Worte mit ihnen oder grinst mit ihnen für ein Selfie in die Handy-Kamera.