Blühwiesen auf Zeit

von Redaktion

Die Firma Netzsch wandelt Vorhalte-Flächen um und geht damit auch ein Risiko ein

Waldkraiburg – Die Firma Netzsch wird Vorhalte-Flächen auf ihrem Firmengelände an der Geretsrieder Straße, die sie erst in einigen Jahren bebauen will, vorübergehend in Blühwiesen auf Zeit verwandeln. Das teilt Hans Vetter mit.

„Wir machen das“, sagt der Leiter des Qualitätsmanagements des Unternehmens nach weiteren Gesprächen mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und vom Landschaftspflegeverband Mühldorf. Fast 10000 Quadratmeter ihrer Fläche, für die bereits Baurecht besteht, stellt die Firma für die ökologische Aufwertung auf Zeit zur Verfügung.

Fläche mit fast 10000 Quadratmetern wird zur Blühwiese

Das Unternehmen, das im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Gewerbeentwicklung im Gewerbe- und Industriegebiet nördlich der Daimlerstraße in der Kritik steht, ist laut Vetter bereits mit einem lokalen Landwirt im Gespräch, der die Wiese mäht und das Heu presst und weiterverkauft. Im nächsten Frühjahr soll die Fläche gepflügt, gefräst und dann Samenmischungen aus der Region ausgebracht werden. „Das wird in den nächsten fünf Jahren so bleiben. So lange haben wir keinen Bedarf an den Flächen“, so Vetter.

Die Entscheidung ist dem Unternehmen nicht ganz leicht gefallen. Denn eine schriftlich fixierte Vereinbarung mit der Naturschutzbehörde, die das Unternehmen angestrebt hatte, um Planungssicherheit zu haben, ist in dieser Angelegenheit nicht möglich.

Ein Restrisiko, dass sich auf den Blühwiesen auf Zeit doch seltene Tierarten ansiedeln, bleibt. Denn während der gesetzliche Biotopschutz bei Biotopen, die nach Inkrafttreten eines Bebauungsplanes entstanden sind, nicht greift, ist das beim Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten anders. Das Bundesnaturschutzgesetz kennt beim Artenschutz keine Ausnahme. Es können also sehr wohl Konfliktsituationen entstehen, wenn die Firma das Gelände bebauen will.

Um diese so unwahrscheinlich wie nur möglich zu machen, folgt das Unternehmen den Empfehlungen der Fachleute, eine Magerwiese anzulegen, die über keine Funktion für streng geschützte Arten verfügt. Im konkreten Fall heißt dies, dass es auf dem Areal kein Totholz oder andere Elemente geben wird, die Zauneidechsen anlocken könnten, die in der Nähe vorkommen.

Andere Unternehmen in Waldkraiburg haben ebenfalls Interesse angemeldet, unbebaute Reserveflächen vorübergehend naturnah zu gestalten. Ob sie sich dem Beispiel von Netzsch anschließen, ist laut Vetter, der dem Vorstand der Industriegemeinschaft Waldkraiburg-Aschau angehört, offen.

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