„Ebi“ stößt in Ebing auf große Skepsis

von Redaktion

Vielen Bürgern des Ortsteils ist touristischer Erlebnispfad eine Nummer zu groß

Waldkraiburg-Ebing/Mühldorf – Er soll ein attraktives Ausflugsziel für die ganze Familie werden: der Ur-Erlebnisweg Ebing, der an einzigartige paläontologische Funde im Flussbett des Inn erinnern und für die Natur sensibilisieren will. In einer Bürgerinformation hat das Büro Pronatour im Haus der Kultur das Konzept dafür vorgestellt. Nicht zuletzt wegen der hohen Kosten von insgesamt mehr als 700000 Euro meldeten Ebinger Bürger erhebliche Bedenken an. Ihnen ist das Projekt eine Nummer zu groß.

Kein Disneyland, sanfter Tourismus

Dabei, das stellten die Macher des Konzepts und die Vertreter der Stadt heraus, soll in Ebing kein Disneyland, kein Freizeitpark entstehen. „Sanfter Tourismus“ ist das Schlagwort, unter dem sie die Studie präsentierten. 5000 bis 10000 Besucher sollen der Erlebnispfad und die zugeordneten Attraktionen im Jahr anlocken.

Auf die Kinder ist die Inszenierung des Pfades zugeschnitten, wie Pronatour-Geschäftsführer Werner Stark und Projektleiter Michael Auer erläuterten. An die kleinen Besucher wendet sich die Geschichte vom Hauerelefanten „Ebi“, der zusammen mit seiner Freundin „Kraia“ Kinder und Familien auf eine Reise, eine Schatzsuche in die Urzeit mitnimmt.

An 14 Stationen mit Infotafeln, Fotos, Spiel- und Rätselelementen und vielem mehr tauchen die Besucher in diese Zeit und die Natur ein. Sie erfahren dabei nicht nur mehr über das Gomphoterium (Mastodon) oder das Deinotherium (Hauerelefant), die in diesem Raum einmal gelebt haben und deren Knochen in der Nähe gefunden wurden. Sie erkunden mit allen Sinnen die Düfte, die Laute, die Spuren der Tiere des Waldes und deren Lebensraum. Und entdecken dabei einen immateriellen Schatz, die intakte Natur. Eine begleitende App macht den Weg zum interaktiven Erlebnis.

Ergänzt wird der Pfad durch einen großen „urzeitlichen Erlebnis-Spielplatz“, unter anderem mit Relaxstationen für die Erwachsenen und einem großen Sandkasten, wo die Kinder „Urzeitfunde“ freischaufeln und -baggern können.

Rund um die Geschichte von „Ebi“ und „Kraia“ gibt es Ideen für Merchandise-Artikel vom Geschichts- und Malbuch über den Forscherrucksack bis zum Kuschel-Hauerelefanten, die im Gasthaus erworben werden können.

So naturverträglich wie möglich soll der Weg gestaltet werden. Darauf besteht schon die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt, die so wie das Wasserwirtschaftsamt eine Wegführung zu den Fundstätten der Skelette am Inn ausgeschlossen hatte.

Mehr Parkplätze und Verkehrsberuhigung

„Wir bleiben oberhalb der Hangkante“, sagte Carsten Schwunck, Leiter der städtischen Bauabteilung. Im Wesentlichen verläuft der rund 1,5 Kilometer lange Erlebnispfad auf bereits existierenden zwei Wegen im Wald oberhalb der Hangkante.

Gut die Hälfte der Besucher werde mit Auto oder Bus kommen, so die Einschätzung Schwuncks. Der bestehende Parkplatz der Ebinger Alm reicht dafür nicht. 33 Stellplätze braucht es zusätzlich und Wendemöglichkeiten für Busse. Ein Teil der Fläche, die bereits wegen Borkenkäferbefalls geschlagen, aber noch nicht gerodet ist, wird dafür genutzt werden.

Aus Sicherheitsgründen braucht es auf der Gemeindeverbindungsstraße auf Höhe der Ebinger Alm sowohl von Mühldorf wie von Waldkraiburg her verkehrsberuhigende Maßnahmen, eine Verkehrsinsel etwa, eine Aufpflasterung, Warntafeln. Schwunck: „Einfach per Schild auf Tempo 30 reduzieren, das ist ausgeschlossen.“ Die verkehrssichere Gestaltung des Fußgängerüberwegs vom Parkplatz zum Rundweg wird laut Bürgermeister Robert Pötzsch noch genau zu erarbeiten sein.

Die Umsetzung des Verkehrskonzepts verschlingt einen Großteil der Gesamtkosten des Projekts. Rund 400000 Euro sind nach vorläufigen Schätzungen dafür angesetzt. Gut 270000 Euro entfallen auf die Stationen des Weges und den Spielplatz. Ein weiterer größerer Posten ist die Aufbereitung und Anlage der Wege mit 43000 Euro.

Ohne die Werbemaßnahmen – 33000 Euro, die möglicherweise ganz vom Tourismusverband abgedeckt werden – summieren sich die Kosten auf eine Größenordnung von rund 720000 Euro. Es sei realistisch, dass die Hälfte durch Fördermittel abgedeckt werden kann, so Stefan Süße, Leiter Bürgermeisterbüro. Abzüglich Spenden und einem Anteil des Tourismusverbandes bleiben 335000 Euro, die zu gleichen Teilen die Stadt Waldkraiburg und die Stadt Mühldorf tragen müssen. An jährlichen Folgekosten für Unterhalt, Mäharbeiten, Müllentsorgung fallen für beide noch einmal je 11000 Euro an.

Jetzt sind die Stadträte am Zug. In Waldkraiburg steht das Thema vermutlich in der Sitzung am 15. Oktober auf der Tagesordnung.

Hans Straßer aus Ebing hat sich schon entschieden: „Ich hoffe, dass der Stadtrat das ablehnt“, sagte er im Blick auf die hohen Kosten und Belastungen für Steuerzahler und Natur. Auch Richard Göppenhammer beklagte den Eingriff in „intaktes Waldgebiet“. Der Platz sei dafür „unpassend“. Carsten Schwunck gab zu bedenken, „dass man die Natur auch ins Bewusstsein der Menschen rücken muss“. Der Erlebnisweg sei ein Umweltbildungsangebot für alle Sinne. Und Stefan Süße betonte erneut, dass bestehende Wege in diesem Waldstück genutzt würden.

Hans Auer bemängelte, dass bei der Ausschreibung noch von Kosten in Höhe von 250000 Euro die Rede gewesen sei. „Jetzt haben wir das Dreifache erreicht.“ Dazu der Bürgermeister: Es sei immer klar gewesen, dass über den Erlebnispfad und den Spielplatz hinaus weitere Kosten anfallen.

Die Frage Auers nach dem Einverständnis der Grundstücksbesitzer bejahte Stefan Süße. Es gebe schriftliche Vereinbarungen. „Alle tragen das mit.“ In Sachen Spielplatz, der in unmittelbarer Nähe der Ebinger Alm geplant ist, laufen Gespräche mit zwei Grundstücksbesitzern.

Mehr als 700000

Euro Kosten

Nur vereinzelt wurde Kritik am Konzept des Büros laut, das nach eigenen Angaben fast 500 ähnliche Projekte vor allem im Alpenraum verwirklicht hat. Judith Harrison bemängelte, dass die Zielgruppe Radfahrer und Erwachsene nicht berücksichtigt würden. Die Erfahrung zeige, dass über die Kinder die ganze Familie angesprochen werde, so Werner Stark von Pronatour. Die Inhalte seien wissenschaftlich korrekt, aber kindgerecht und verständlich aufbereitet. Stark stellte klar, dass die Gestaltung der Stationen noch nicht endgültig, sondern offen für Anregungen sei.

Claudia Anzinger fehlen Toilettenanlagen. Sie macht sich Sorgen wegen Vandalismus. Eine Toilettenanlage am Parkplatz ist laut Carsten Schwunck nicht zu vertretbaren Kosten realisierbar. Die Gastwirtschaft ist zudem nicht weit.

Monika Rödig fragte an, wer die Pflege übernehmen solle, die Stadt komme schon jetzt nicht mehr mit der Grünpflege nach. Eine Fremdvergabe sei möglich, so Schwunck.

Nach den vielen kritischen Stimmen fragte Max Anzinger unter Beifall, welche Möglichkeiten die Ebinger haben, um das Projekt zu verhindern, und brachte eine Unterschriftenaktion oder ein Bürgerbegehren ins Gespräch.

Das zuständige Entscheidungsgremium sei der Stadtrat, betonte der Bürgermeister, der das Votum der Ebinger berücksichtigen und verantwortlich entscheiden werde. Aus diesem Grund habe die Stadt schon vor zwei Jahren erstmals die Bürger informiert, um Anregungen mitzunehmen und einzuarbeiten.

Das Votum vieler Ebinger fasste Jürgen Roller zusammen: „Da wird viel Geld eingesetzt, das woanders besser angelegt wäre. Der Fundort des Elefanten ist ganz woanders, der Elefant ist ganz woanders (im Paläontologischen Museum in München; Anm. d. Red). Und die Untere Naturschutzbehörde hat Bauchschmerzen bei diesen Plänen. Ist das nicht der total falsche Ort?“

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