Waldkraiburg – Das „Brosch“ und das „Chablis“. Beide Lokale stehen für die Waldkraiburger Tages- und Nachtcafé-Tradition, hatten früher einmal Kultstatus. Jetzt sind sie zu. Innerhalb von zwei Wochen haben beide Betriebe aus unterschiedlichen Gründen dicht gemacht. Ein Dauerzustand wird das nicht bleiben, sagen die Eigentümer. Es soll, es wird weitergehen.
„Macht’s ses guad!“ Mit einem Gruß und Dank an die treuen Gäste hat sich Sebastian Mayerhofer mit seinem Team verabschiedet. Seit Anfang des Monats hängen die wehmütigen Zeilen auf weißem DINA4-Papier in den Fenstern des Café Brosch, wo nur noch die Bäckerei von Katharina Liess geöffnet ist. Die selbstständige Franchise-Nehmerin der Elsaß-Bäckerei ist Untermieterin. Sie würde gerne langfristig weitermachen und hofft auf eine Lösung, die ihr das gestattet.
Der Wirt musste Insolvenz anmelden. Mayerhofer hat auf vielen, viele sagen zu vielen, Hochzeiten getanzt. Noch vor einigen Jahren, zu besseren Zeiten, hat er zwei weitere Lokale am Chiemsee und in Mühldorf betrieben, von denen er sich aber längst getrennt hat. Von heute auf morgen hat er jetzt das Brosch am Waldkraiburger Stadtplatz zugemacht. Hausgemachte Fehler, zuletzt gesundheitliche Probleme kamen zusammen. „Es ging nicht mehr. Ich kann nicht mehr weiterkämpfen“, sagt Mayerhofer, der zum Schluss mangels Personal „hundert Stunden in der Woche“ arbeitete. „Brosch – das heißt Öffnungszeiten von 7.30 bis 23 Uhr. Die kannst du nicht kürzen.“
„Centrale“-Wirt bestätigt Interesse
Und jetzt: Wie geht es weiter mit dem Café, das er vor sechs Jahren übernommen hatte? Sicher ist: Das Lokal, das seinen Eltern gehört, wird verkauft. „Es gibt mehrere Interessenten.“ Entschieden sei noch nichts.
Einer, der auf Anfrage sein Interesse bestätigt, ist der direkte Nachbar: Serhad Yazici, Mitinhaber des „Centrale“. „Ein tolles Lokal mit Perspektiven.“ Das „Brosch“ habe Nostalgiestatus, findet er und warnt davor, Konzept und Charakter zu ändern. „Der Name steht für ein alteingesessenes Café, wie es in jede Stadt in der Größe Waldkraiburgs gehört. Da passt kein Schnellimbiss hin.“
Ein Schnellimbiss ist auch für das „Parkcafé Chablis“ nicht im Gespräch. Das Lokal an der Ecke Ludwig-Ganghofer-/Siemensstraße sucht ebenfalls einen neuen Wirt, seit Pächterin Rita Huber im August zusperrte, drei Monate vor Ablauf des dreijährigen Pachtvertrags.
Schon im Mai hatte sie gekündigt, um andere Konditionen mit dem Eigentümer auszuhandeln. Die gelernte Hotelfachfrau und Küchenchefin, die bereits mehrere Lokale, unter anderem in Freising, Ingolstadt und Eggenfelden erfolgreich führte, steigt aus der Gastronomie endgültig aus. Das Geschäft werde immer schwieriger, die Ansprüche der Gäste immer größer, die Kosten immer höher.
„Chablis“ sucht
neuen Pächter
Die letzte Station in Waldkraiburg hat sie im Streit mit dem Vermieter quittiert. Man wird sich wahrscheinlich vor Gericht wieder sehen. Mit Verweis auf das laufende Verfahren wollen beide Seiten nichts über die Details des Streits in der Zeitung lesen.
Für Eigentümer Joe Riedl steht fest: Ob ein Lokal erfolgreich ist, „das steht und fällt mit dem Pächter“. Seit 1982 habe er das Lokal mit seiner Frau 25 Jahre betrieben.
„Das war eine sehr erfolgreiche Zeit.“ Das „Chablis“, dieser Name hatte weit über Waldkraiburg hinaus einen guten Klang. „Die erste Verpachtung war noch ein Selbstläufer.“ Zuletzt lief es nicht mehr rund. Er habe „jede Menge Interessenten“, sagt Riedl, der die Suche nach dem Richtigen nicht aufgeben will.
Eins steht für ihn jedenfalls fest: Die Schließung der beiden Lokale innerhalb so kurzer Zeit sei kein Indiz dafür, dass Gastronomie in Waldkraiburg nicht erfolgreich möglich ist. „Man muss sich doch nur umschauen“, sagt er. Es gebe Beispiele genug für Lokale, die prima laufen, allen voran das „Centrale“ am Stadtplatz, aber auch das „Patini“ im Süden oder das „Mephisto“ am Goetheplatz.
Und die Zukunft der Wiesn-Partyhütte?
Offen ist nicht nur, wer das „Brosch“ und das „Chablis“ übernimmt, sondern auch, wer das Partyzelt auf dem Waldkraiburger Volksfest betreibt. Sebastian Mayerhofer, der vier Jahre Wirt des „Almrausch-Stadl“ war, will sich auf Anfrage dazu derzeit nicht äußern. Man sei mit Mayerhofer noch im Gespräch, sagt Bürgermeister Robert Pötzsch. Die Stadt brauche Planungssicherheit und deshalb in den nächsten Wochen eine Entscheidung, wie es mit dem Partyzelt weitergeht.