Niemand will Schützenkönig werden

von Redaktion

„Gemütlichkeit Guttenburg“ sagt für 2020 deshalb den Schützenball ab

Guttenburg – Stell Dir vor, es ist Königsschießen und keiner geht hin. Vor dieser Situation steht der Schützenverein Gemütlichkeit Guttenburg. Die Beteiligung war zuletzt so gering, dass Vorsitzender Robert Adamhuber in der Jahreshauptversammlung mitteilte, dass der Vorstand den Wettkampf heuer abgeblasen hat. „Ohne Schützenkönig gibt es auch keinen Schützenball“, so Adamhuber.

Im Dezember wird der König gekürt. So ist es Tradition beim Schützenverein Gemütlichkeit Guttenburg. Doch in den vergangenen Jahren hat sich um den einst begehrten Titel kaum noch jemand gerissen. Das Königsschießen wurde zu einer Veranstaltung im kleinsten Kreis, wie der Vorsitzende auf Anfrage bestätigt. Dass nur noch der erweiterte Vorstand mitmachte, auch das habe es schon gegeben. „Die Vorstandsmitglieder waren alle schon Schützenkönig.“ Dabei hat der Verein 100 Mitglieder, darunter 20 bis 25 aktive Schützen und sechs Jugendliche.

Gauschützenmeister: Den Modus ändern

Warum sich die Mitglieder zieren? Das habe wohl verschiedene Gründe, glaubt Adamhuber. So recht verstehen kann er es nicht. Denn die Verpflichtungen halten sich mittlerweile doch in Grenzen. Vier Bälle muss ein Guttenburger Schützenkönig besuchen. Und einen Taler für die Kette stiften, die Beschriftung zahlt der Verein.

Das Interesse am Königsschießen habe in einigen Vereinen tatsächlich nachgelassen, bestätigt Gauschützenmeister Erich Jungwirth. Dass aber nahezu niemand mehr mitmacht, sei „ungewöhnlich“. Denn der Aufwand für einen König sei heute tatsächlich geringer als früher. „Manche Vereine sind auch davon abgekommen, dass der Schützenkönig einen Taler für die Kette stiftet.“

Und einige behelfen sich laut Jungwirth mit einer Änderung des Modus. So gibt es Vereine, die aus der Jahreswertung das beste Blattl verwenden, um den König zu küren. „Dann ist jeder dabei.“ Andere haben ein attraktives Ereignis aus dem Königsschießen gemacht. In Niederbergkirchen etwa werde der König an einem Tag mit der Armbrust ausgeschossen. Das habe die Beteiligung enorm gesteigert.

Am Schützenkönig hängt der vereinseigene Schützenball, der schon ein Jahr vorher vorbereitet werden muss. Einen Ball, zu dem andere Könige, aber kein eigener geht, kann sich Robert Adamhuber beim besten Willen nicht vorstellen. Schon seit einigen Jahren habe der Vorstand angekündigt, das Königsschießen auszulassen, wenn es mit der Beteiligung nicht besser wird. „Jetzt haben wir Tatsachen geschaffen“, sagt der Vorsitzende. Der Ball für 2020 wurde abgesagt. „Das soll ein Weckruf sein, ein Versuch, die Mitglieder wach zu rütteln.“

Denn endgültig abgeschrieben hat der Vorstand des Vereins Schützenkönig und Schützenball noch nicht. Am Ende der Saison, im Frühjahr 2020, soll es einen neuen Anlauf zum Königsschießen geben. Wenn sich dann doch mehr Mitglieder beteiligen, hätte der Verein Planungssicherheit für einen Ball Anfang 2021. Ansonsten gibt es auch 2021 keinen Ball.

Dabei ist der Verein recht aktiv. Zum Gartenfest kamen viele Gäste. Die Gemütlichkeit-Schützen waren bei der Josefifeier, beim Volksfestauszug in Kraiburg und beim Schützen- und Trachtenzug in Mühldorf. Beim Asphaltturnier der Stockschützen holten sie den Ortsmeistertitel.

Im vergangenen Jahr wurden einheitliche Westen angeschafft. Der Kassenbericht von Dieter Hofmann zeigte ein deutliches Plus auf. Der Ertrag bei der Christbaumversteigerung erlaubte es, für die Jugend ein weiteres Jugendgewehr zu kaufen.

Sportwart Hubert Bernhart erinnerte an 15 Schießabende, an den Sieg im Vergleichsschießen mit den Hubertusschützen Ensdorf und den zweiten Platz in der Gauklasse Pistole.

Neuer Versuch im Frühjahr 2020

Bei den Wahlen wurden der Vorsitzende Robert Adamhuber, sein Stellvertreter Günther Sojer, Kassier Dieter Hofmann, Schriftführer Georg Bollner, Sportleiter Hubert Bernhart und Damenleiterin Christa Reiter einstimmig bestätigt. Auch Chronistin Rosmarie Fürstenberger und die Kassenprüfer Rita Bollner und Sepp Binsteiner bleiben im Amt. Jugendleiter Alexander Adamhuber legte nach zwölf Jahren sein Amt nieder, Matthias Hochreiter junior ist sein Nachfolger.

Das Amt des ersten Fähnrichs übernimmt Stefan Fürstenberger von Georg Bollner, der nach 28 Jahren aufhört. Stellvertreter bleibt Christian Zieglgänsberger. Weil der Verein beim Gartenfest immer Glück mit dem Wetter hat, schlug Adamhuber vor, eine Dankeswallfahrt nach Altötting zu unternehmen. Die Schützen könnten sich auch der Pfarrverbandswallfahrt anschließen, findet Sepp Binsteiner.

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