Waldkraiburg – Der Stadtrat hat zwar das letzte Wort. Doch die befristete Steuerbefreiung für Hunde, die aus einem Tierheim übernommen werden, ist wohl beschlossene Sache. Einstimmig hat sich der Haupt- und Finanzausschuss dafür ausgesprochen, die Hundesteuer von 100 Euro für einen Zeitraum von zwei Jahren zu gewähren. Doch kaum war diese Diskussion beendet, brachte Susanne Engelmann (SPD) gleich einen neuen Härtefall ins Gespräch. Es geht um „pensionierte“ Rettungshunde, Hunde wie die neunjährige „Aileen“.
Vermisstenrettung: Einmal war Aileen die Heldin des Tages
Jürgen Zabelt ist stolz auf seine Golden Retriever-Appenzeller-Mischlingshündin. Der geprüfte Rettungshund, der seit 2014 für die BRK-Hundestaffel im Einsatz war, hat seine gute Nase wiederholt bewiesen. „Aileen“ und ihr Herrchen haben seit 2011 viel Zeit investiert. Etwa zehn Stunden pro Woche, sieben Jahre lang, habe er mit dem Hund trainiert, sagt Zabelt, und etwa 20 bis 25 Einsätze jährlich geleistet, seit „Aileen“ 2013 die erste Prüfung bestand. Zwei weitere folgten im Eineinhalb-Jahres-Rhythmus. „Sie ist eine der wenigen Hunde, die nie durchgefallen sind.“
Und einmal, im Sommer 2017, wurde die Hündin aus Waldkraiburg sogar zur Heldin des Tages, als sie einen demenzkranken Rentner, der sich beim Spazierengehen in der Hochrunstfilze, einem Moor bei Raubling, verirrt hatte, nach neuneinhalb Stunden Vermisstensuche mit ihrer feinen Nase aufspürte.
Seit 2013 ist Jürgen Zabelt für Aileen von der Hundesteuer befreit. So steht es in Paragraph 2 der städtischen Satzung. Von „Rettungshunden a. D.“ steht dort nichts. Und deshalb muss Zabelt bald wieder Steuer für den Vierbeiner bezahlen, der 2018 als Rettungshund mit allen Ehren verabschiedet wurde. Zabelt wollte damals, dass „Aileen noch ein paar Jahre Hund sein kann“, und hat sie deshalb aus dem aktiven Dienst genommen. Die Beschwerden, die das Tier heute hat, eine Kreuzbanddehnung sowie ein Krebsgeschwür am Auge, geben ihm Recht.
Bescheid: Ab 2020 wird die Hundesteuer wieder fällig
Das ändert allerdings nichts daran, dass die Steuer 2020 wieder fällig wird. Im September hat ihn die Stadtverwaltung deshalb angeschrieben, seit Mittwoch hat er seinen Hundesteuerbescheid. Am 1. März 2020 und danach jedes Jahr wird die Zahlung fällig.
Rückwirkend für 2019 hat die Stadt „kulanterweise“ keine Forderung erhoben. Enttäuscht ist Zabelt trotzdem. Er wünscht sich auch für Rettungshunde a. D. eine Befreiung. „Mir geht es nicht ums Geld“, stellt er klar. Die Tierarztrechnungen seien im Moment viel höher. „Mir geht es um die Wertschätzung.“
Aileen hätte sich das verdient, findet er. Jahrelang sei er mit dem Hund mitten in der Nacht in fremden Waldgebieten herumgerannt, mit hohem Verletzungsrisiko. Friedrich Schiller kommt da dem Hundehalter in den Sinn. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan…“
Der Hund habe für die Gesellschaft viel getan. Zabelt hofft auf eine Satzungsänderung, die das berücksichtigt. Susanne Engelmann hat das Thema in den Ausschuss eingebracht. Kämmerer Rainer Hohenadler gab zu bedenken, dass ein Hund, der mit fünf oder sechs Jahren aus dem aktiven Dienst genommen werde, noch über ein Jahrzehnt steuerfrei bleiben könnte. Eine Steuerbefreiung sollte deshalb an eine bestimmte Anzahl von Dienstjahren gekoppelt werden. Zabelt schlägt vor, die bestandene Rettungshundeprüfung, für die es etwa drei Jahre intensiver Vorbereitung braucht, als Voraussetzung anzusetzen.
Anfang dieses Jahres ist ein ähnlicher Vorstoß der SPD, pensionierten Rettungshunden einen Rabatt zu gewähren, in Neumarkt-St.Veit im Stadtrat gescheitert. Ausdiskutiert wurde das Thema im Waldkraibrger Haupt- und Finanzausschuss noch nicht.
Steuerbefreiung für Hunde aus dem Tierheim beschlossen
Einig waren sich die Stadträte aber im Hinblick auf die befristete Steuerbefreiung für Hunde, die aus dem Tierheim geholt werden. Entgegen dem Vorschlag der Verwaltung, die Steuer für ein Jahr zu erlassen, entschieden sie sich für einen Zeitraum von zwei Jahren. Susanne Engelmann verwies auf Zahlen des Tierschutzvereins.
Demnach werden pro Jahr fünf bis zehn Hunde aus der Tierherberge nach Waldkraiburg vermittelt. „Das sind 500 bis 1000 Euro.“ Niemand hole ein Tier aus steuerlichen Gründen aus dem Tierheim, „aber vielleicht kann das ein Anreiz sein, sich einen älteren Hund zu holen“.