Stark auch mit Handicap

von Redaktion

Marina Saller hat Trisomie 21 und ist erfolgreich beim Klettern

Jettenbach – Marina Saller ist eine fröhliche junge Frau, die gerne jede Chance nutzt, mal wieder etwas Neues auszuprobieren. Wenn sie von ihren vielen Hobbys erzählt, kommt man buchstäblich ins Staunen. Man fragt sich, wo bei so viel Engagement noch Zeit für sie selbst bleibt. Sie nimmt es locker und sagt mit einem mitreißenden Lachen: „Das macht mir alles großen Spaß. Ich sehe das nicht als Stress.“

Dass sie sich aufgrund ihrer unglaublichen Vielseitigkeit und ihren Erfolgen von anderen jungen Menschen ein bisschen hervorhebt, wird schnell klar. Doch noch etwas ist an dem jungen ehrgeizigen Mädel beeindruckend: Die 24-Jährige wurde mit Trisomie 21 geboren, doch das hindert sie nicht daran, alles zu machen, was andere auch machen. Was besonders beeindruckt, ist ihr Klettertalent. Bei den Special Olympics in Waldkraiburg belegte sie den ersten Platz in ihrer Leistungsstufe.

Auch als Co-Trainerin
einsetzbar

Ihre Trainerin Heidi Steinmeier erzählt, dass sie mit ihrer Gruppe im Innen- wie auch Außenbereich klettern geht. Zweimal im Jahr zieht es sie nach Ruhpolding, wo sie etwa 30 Meter den Felsen hochklettern. Dass Marina sich aus der Gruppe hervorhebt, wurde Steinmeier recht schnell klar. „Marina klettert bis an die Spitze der Halle. 16 Meter Höhe schafft sie locker“, erzählt die Trainerin und setzt mit Stolz fort, dass die 24-Jährige perfekt als Co-Trainerin einsetzbar ist. „Sie ist die Einzige in der Gruppe, die so etwas machen kann. Sie hält die Stürze ab, wenn jemand droht abzustürzen. Als Sicherer ist es ihre Aufgabe für die Sicherheit des Kletterers zu sorgen und das macht Marina super.“ Sie besitze alles, was einen Co-Trainer ausmache: Durchhaltevermögen, Aufmerksamkeit und Konzentration.

Steinmeier bewundert Marinas Lebenslust und Energie, aber auch, dass sie ihre Aufgaben sehr genau nehme: „Bevor jemand klettern darf, muss ich als Trainerin mein Okay geben. Marina bereitet die Kletterer vor. Erst wenn ich noch einmal alles überprüft habe, darf man in die Höhe steigen. Bei Marina ist immer alles einwandfrei.“

Für die Familie war bei ihrer Geburt sofort klar, dass ihre Tochter aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht anders behandelt werden soll als andere Kinder. Die zwei Buben und zwei Mädels der Familie Saller müssen zu Hause mitanpacken und ihren Weg gehen. „Marina hatte schon von klein auf alles gemacht, was ihre Geschwister auch gemacht haben. Sie kletterte wie ihre Brüder auf den höchsten Bäumen herum. Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, dass alle Kinder früh schwimmen und Radlfahren gelernt haben. Unterschiede haben wir keine gemacht“, erzählt Marinas Mutter Gabi Saller. Marina machte wie andere Kinder das Seepferdchen und ist bis zu ihrer Einschulung in den Kindergarten in Jettenbach gegangen.

Nach dem Kindergarten besuchte sie ein Jahr lang das Franziskushaus. Danach hieß es zwischen dem achten und 20. Lebensjahr im Kloster Au die Schulbank drücken. In dieser Zeit entdeckte sie viele neue Sportmöglichkeiten für sich. Bei einem Skikurs, der in ihrer Schule angeboten wurde, kam ihre Leidenschaft zum Skifahren. Wie ihre Geschwister läuft sie im Winter Schlittschuhe. Die Liebe zum Wandern wurde ihr in die Wiege gelegt. „Wir haben die Berge fast vor unserer Haustür. Da sind wir unterwegs, so wie wir Zeit finden. Marina wandert gerne“, erzählt Gabi Saller.

Einmal im Jahr
sticht sie in See

2015 kam sie durch die Offene Behindertenarbeit (OBA) Ecksberg zum Klettern. Seitdem trainiert sie dreimal im Monat in der Kletterhalle Waldkraiburg. Weitere Hobbys sind Bowling, Fitnessdance und Pilates, Musik, Lesen, Kino und Freunde treffen. Schwimmen, Skifahren, Minigolf spielen, Reiten, Eisstockschießen und Segeln gehören ebenfalls zu ihren Leidenschaften. Sie ist in der katholischen Landjugend in Jettenbach aktiv und engagiert sich in der Kirche. Vom 14. bis zum 20. Lebensjahr war sie Ministrantin. Seit 2015 ist die Begeisterung fürs Segeln auf sie übergeschwappt, denn schließlich sind ihr Vater Manfred und ihre Tante Gertraud ebenfalls begeisterte Segler. Einmal im Jahr sticht die Jettenbacherin mit ihrem Team der Friedensflotte Mirno More in See. Heuer ging es nach Kroatien.

Da das Leben nicht nur aus Hobbys besteht, muss sie natürlich auch ihren beruflichen Pflichten nachkommen. Sie arbeitet Vollzeit im Hauswirtschaftsbereich der Einrichtung in Bachham als Kantinenkraft. Marina ist nicht nur für Menschen, die „anders“ sind, ein großes Vorbild, sondern für alle. „Sie ist ein glückliches Mädchen und war auch immer ein fröhliches Kind“, sagt ihre Mama mit großem Stolz. Probleme mit ihr gab es keine. Gabi Saller rät allen Eltern, die ein Kind mit Beeinträchtigungen haben, diesem keine Sonderbehandlung zu schenken. Man müsse den Kindern Vertrauen schenken, ihnen Dinge zutrauen und sie diese ausprobieren lassen. Sie sollen selbst entdecken, was Freude macht. Man sollte sie wie jedes andere Kind fördern, mitreißen und ihm eine gewisse Art von Selbstständigkeit bieten. Alle Kinder müssen ihre Erfahrungen sammeln, egal ob sie gut oder schlecht sind.

Aufgaben eines Trainers und Co-Trainers:

1. Selbstkontrolle und Partnercheck. Überprüft werden müssen: Gurtverschlüsse, Anseilknoten und Anseilpunkt, Karabiner und Sicherungsgerät, Seilende abknoten. 2. Toprope sichern. Der Co-Trainer muss das Sicherungsgerät richtig bedienen und darauf achten, dass dem Kletterer nichts passiert und er sicher ist, dass kein Toprope an einem einzelnen Karabiner hängt, dass nie Seil auf Seil hängt – Sichtprüfung vor dem Losklettern, Pendelgefahr beachten, Kletterende immer unterhalb der Umlenkung, 3. Kommandos und Ablassen des Kletterers. Der Co-Trainer muss die Bremsmechanik des Sicherungsgeräts kennen und korrekt handhaben.kme

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