Taufkirchen – In seinem Heimatort Taufkirchen wird der „Boizn Hans“ immer in bester Erinnerung bleiben. Doch weit darüber hinaus hat sich Hans Oberpaul einen guten Namen gemacht, als ein Pionier der katholischen Landjugend- und Landvolkbewegung und als einer, der als Kommunalpolitiker Verantwortung für das Gemeinwesen übernommen hat. Vor wenigen Tagen ist er wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag gestorben.
„Was einer ist, was einer war – beim Sterben wird es offenbar.“ Das alte Sprichwort passt auf einen wie Hans Oberpaul. Sein großes Wissen, sein Verständnis für die Menschen hat er mit großem Engagement im Gemeinwesen eingebracht. Über viele Jahrzehnte hat er öffentliche Aufgaben und Ämter übernommen.
Sein Elternhaus stand in Waltersberg am Rand der Schermannsöd, dort erblickte er am 18. Januar 1930 das Licht der Welt und wuchs mit vier Geschwistern auf. Nach der Schulzeit machte er eine landwirtschaftliche Ausbildung, die er mit dem Meisterbrief abschloss. Mit 27 Jahren wurde er zum Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung gewählt. Bis 1962 engagierte er sich in diesem Amt, von 1959 bis 1965 war er zudem Bundesvorsitzender dieser Organisation, danach Landesvorsitzender der Landvolkbewegung.
18 Jahre lang Bürgermeister und 20 Jahre Bezirksrat
Im Jahr 1960 begann er seine kommunalpolitische Laufbahn als Gemeinderat in Taufkirchen. Zwölf Jahre lang war er schon Zweiter Bürgermeister, ehe er zum Bürgermeister gewählt wurde. 18 Jahre lang füllte er dieses Amt mit seiner ganzen Persönlichkeit aus. In diese Zeit fiel der Bau der Mehrzweckhalle, der Kauf des Höslhofes und des Gasthauses, der Bau des Gemeindezentrums, der letzte Ausbau der Wasserversorgung sowie die Planung und der Bau der Umgehungsstraße.
36 Jahre lang gehörte Hans Oberpaul dem Kreistag an, war Fraktionsvorsitzender der CSU und zwei Jahrzehnte lang stellvertretender Landrat. Von 1974 bis 1994 saß er für die Region im Bezirkstag. In dieser Zeit wurde das Kloster Seeon vom Bezirk erworben. Auch der Erhalt des Agrarbildungszentrums in Landsberg als Bezirkseinrichtung war Oberpaul sehr wichtig.
Aus seinem Heimatdorf war er nicht wegzudenken. Über 70 Jahre war er treues Kirchenchormitglied, davon ein halbes Jahrhundert in leitender Funktion. Noch vor zwei Wochen war seine Stimme bei einer Beerdigung zu hören.
In seiner Jugendzeit war er ein begeisterter Theaterspieler. Seine humorvollen Sprüche bleiben in Erinnerung. Seine Musikkameraden aus der „Taufkirchner Stubn-Musi“ sind ihm alle schon im Tod vorausgegangen.
Ein Glücksfall war für Hans Oberpaul die Heirat mit Rosmarie Hager im Jahr 1961. Die Kinder Roswitha, Gertraud, Rita und Hannes vervollständigten das Familienglück, vier Enkel waren sein ganzer Stolz. Gemeinsam wurde der elterliche Hof bewirtschaftet und selbst im Ruhestand begeisterte er sich für die Aufzucht von Hirschen und Angusrindern.
Im hohen Alter seine Frau Rosmarie bis zu deren Tod gepflegt
Für sein politisches Engagement hielt ihm seine Gattin immer den Rücken frei und kümmerte sich um Haus und Hof. In seiner knapp bemessenen Freizeit waren das Wandern in den Bergen und besonders das Skifahren seine großen Leidenschaften. Als geselliger Mensch traf er sich gerne am Stammtisch mit Gleichgesinnten und auch die Treffen mit den Altbürgermeistern schätzte er. Mit ganzem Herzen widmete er sich im hohen Alter der Pflege seiner Frau, bis zu deren Tod im Jahr 2014.