Basta-Rede zum Tierheim-Neubau

von Redaktion

Stadträtin Engelmann: Weitere Verzögerung wäre unverantwortlich

Waldkraiburg – Schluss mit der Debatte um den Tierheim-Neubau! Das hat Stadträtin Susanne Engelmann im Stadtrat vehement gefordert, in einer „Basta-Rede“, mit der sie auf ein Statement von Franz Belkot (UWG) reagierte. Dieser hatte vor dem Billigungsbeschluss zur Flächennutzungsplan-Änderung erneut Einwände gegen den Tierheim-Neubau am Innkanal vorgetragen. Engelmann platzte die Hutschnur: „Das Fass machen wir nicht mehr auf.“ Endlich sei ein Platz für das Tierheim gefunden. Der Neubau sei überfällig.

Der Neubau am geplanten Standort muss kommen. So sieht das die große Mehrheit im Stadtrat, die deshalb auch den Vorentwurf zur Änderung des Flächennutzungsplanes billigte. Auf einem 25700 Quadratmeter großen Areal zwischen Pürten und Rausching, das bislang als landwirtschaftliche Fläche genutzt wird, soll die neue Anlage entstehen. Der Tierschutzverein geht bislang von Kosten in der Größenordnung von 1,5 Millionen Euro aus.

Bestand ist in marodem Zustand

Die bestehende Tierherberge unterhalb der Pürtner Kreuzung ist in einem maroden Zustand. Die Hütte für die Tierheimleitung ist nicht mehr bewohnbar. Seit 2015 steht sie wegen Einsturzgefahr nicht mehr zur Verfügung. Es herrscht akuter Platzmangel für Tier und Mensch, es gibt kaum Lagerund Parkmöglichkeiten. Die Zufahrt ist nur eingeschränkt möglich.

Seit etwa einem Jahrzehnt ist der Tierschutzverein, der derzeit mit zwölf Gemeinden im Landkreis Fundtierverträge hat, auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Aus verschiedenen Gründen, unter anderem wegen der Kosten und wegen behördlicher Auflagen, waren mögliche Standorte, zum Beispiel Bauernhöfe, nicht realisierbar.

Auf dem Grundstück nicht weit vom Innkanal, das der Verein mit Unterstützung der Stadt erworben hat, gibt es Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft. Sie sollen auf dem Gelände selbst ausgeglichen werden. Um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten, sieht die Entwurfsplanung vor, ökologisch wertvollere Bereiche wie Hecken zu erhalten und zu ergänzen. Laut Nutzungskonzept bleiben die Tierheim-Tiere in großen eingezäunten Gehegen, um die Wildtiere zu schützen. Die versiegelten Flächen beschränken sich auf das Hauptgebäude des Tierheims und die Betriebsleiterwohnung mit Garagen. Tiergehege und alle Nebenanlagen sind wasserdurchlässig. Artenreiche Wiesen sollen, die nicht als Auslaufflächen für die Tiere genutzt werden sollen geschaffen, heimische Bäume gepflanzt werden, ein Feuchtbiotop entstehen und Artenschutzmaßnahmen für Reptilien erfolgen.

Weiter Bedenken in und um Pürten

Zur Erschließung des neuen Tierheims müsste die Stadt einen drei Meter breiten Feldweg auf vier Meter plus Bankett ausbauen. Eine Stromversorgung über den Trafo in Pürten und die Wasserversorgung über einen eigenen Brunnen ist nach Einschätzung der Stadtwerke möglich.

In Pürten und Umgebung gibt es nach wie vor Vorbehalte gegen das Vorhaben. Franz Belkot begründete, warum er und sein UWG-Fraktionskollege Done Brunnhuber, nicht gegen ein neues Tierheim, aber gegen das Projekt an diesem Standort sind. Es sei „einer der schlechtesten Plätze für ein Tierheim, unberührte Natur“. Die Zufahrtsmöglichkeiten durch das Dorf Pürten und über Rausching seien sehr ungünstig.

Die Entscheidung über den Standort sei gefallen, entgegnete Bürgermeister Robert Pötzsch (CSU). Stadträtin Engelmann wurde deutlicher: Weitere Verzögerungen seien unverantwortlich gegenüber den Tieren und den Mitarbeitern. In scharfer Form kritisierte sie Umweltreferent Done Brunnhuber, der selbst im Urlaub und deshalb nicht in der Sitzung anwesend war. Dieser solle doch „bitteschön den Weg weisen, wo das Tierheim hinkommt“. Das Grundstück sei erworben, „die Diskussion ist beendet“.

Auch Christoph Vetter widersprach seinem Fraktionskollegen. Unberührte Natur? „Vor 100 Jahren war dort die größte Baustelle Europas.“ Vetter: „Für mich ist das der einzige Standort, der in Frage kommt.“

Köhr: Planung

kommt nicht voran

Und Eva Köhr (CSU) meinte: Liebend gerne wäre der Tierschutzverein am alten Platz geblieben. „Die Bauern haben nichts verkauft.“ Nirgendwo habe es eine Alternative gegeben, auch im Gewerbegebiet nicht. Köhr kritisierte den schleppenden Fortgang der Planung. Ein Jahr nach dem Aufstellungsbeschluss im November 2018 sei der Billigungsbeschluss gefasst. Die Stadträtin, die auf Mittel aus einem Förderprogramm des Freistaats hofft, fürchtet, dass die Frist dafür abläuft, wenn es in diesem Tempo weitergeht. Nicht die Untere Naturschutzbehörde, sondern die Stadt sieht sie als Bremser. Dazu der Bürgermeister: „Wir warten auf die schriftliche Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde, dann sehen wir weiter.“

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