Im Skatfieber

von Redaktion

Bockrunde Waldkraiburg wird 50 – Echte Bayern sitzen selten an den Spieltischen

Waldkraiburg – Sie sind dem Skatfieber schutzlos ausgeliefert. Die Mitglieder der Bockrunde können nicht anders, als jahraus, jahrein jeden Montag pünktlich ab 19.30 Uhr in der Taverne Korfu über zwei Stunden lang die Karten zu mischen. Nichts, aber auch gar nichts hält die Skatschwestern und -brüder von dieser Leidenschaft ab.

Spielpause nur
fürs Christkind

Doch Halt, ein Ausschlusskriterium gibt es: Fällt der Heilige Abend auf einen Montag, dann wird tatsächlich pausiert. Das Christkind entschädigt für den ausgefallenen Kartenspielabend. „Ich habe sogar schon unseren Urlaub verlegt, um am Montag bei der Skatrunde dabei zu sein“, gesteht Ursula Frischke, die es mit Ingrid Münster in den 80er-Jahren auf bayerischer Ebene zu Titeln gebracht hat.

Der Skatclub Waldkraiburger Bockrunde feiert im November 50. Geburtstag. Ausgerechnet der bayerische Volksfestwirt Alfons Steigenberger war es, der im Reichenberger Hof am 17. November 1969 sage und schreibe 32 Interessierte zusammentrommelte, um einen Skatclub aus der Taufe zu heben. Und das mitten im bayerischen Schafkopf-Land. Ganz schön gewagt!

Die allgemeine Geschichte des Skats begann bereits Anfang des 19. Jahrhunderts in Thüringen. Das populäre Kartenspiel verbreitete sich dann schnell im deutschen Sprachraum.

Der Waldkraiburger Skatverein zählt 32 Mitglieder und besteht hauptsächlich aus Damen und Herren, deren Herkunft jenseits des Weißwurst-Äquators liegt. Echte Bayern sind selten an den Spieltischen zu finden. Sabine Frischke hält als gebürtige Mühldorferin momentan die Fahne für den Freistaat hoch. Wie die 45-Jährige erzählt, ist sie ihren Eltern zuliebe zum Skat gekommen. Mama und Papa stammen aus Berlin und suchten einen dritten Mitspieler. „Mein Bruder wollte partout nicht und ich habe mich anfangs auch gesträubt. Aber jetzt bin ich schon lange mit dem Virus infiziert. Ihn wieder abzuschütteln, wäre gar nicht so leicht“, lacht sie.

Der Waldkraiburger Club gehört dem Deutschen Skatverband an. Es wird daher nach strengen Regeln gespielt. Schließlich gilt es jeden Montag fleißig Punkte zu sammeln, um am Jahresende vielleicht sogar als Clubmeister nach Hause gehen zu können. Jeder Spieltisch führt eine Liste. Spielleiter Karl Grimm, übrigens ein Allgäuer, behält den Überblick und beliefert seine Skatfreunde mit den genauen Ergebnissen der jeweiligen Clubabende.

Schnelles Denken
und Rechnen gefragt

Auf die Frage, worin die Faszination beim Skat liegt, findet Karin Grimme, Kassierin des Vereins und außerdem noch Schafkopf-Spielerin, eine einleuchtende Antwort: „Es ist ein strategisches und anspruchsvolles Spiel, das schnelles Denken und Rechnen verlangt.“

Einigen Herren gefällt das variantenreiche Spiel auch deshalb, weil man als Einzelkämpfer auftreten kann. Außerdem spielt die Geselligkeit eine Rolle. „Ich bin aus Langeweile dabei, denn nur daheim vor dem Fernseher zu sitzen, wird mit der Zeit ziemlich öde“, meint Lars Discher. Der 41-Jährige gilt als Jüngster der Runde. Josef Miklautsch, Horst Frischke, Willi Krause und Helmut Richter gehören zu den alten Hasen des Clubs. Sie spielen in Waldkraiburg seit nunmehr 50 Jahren den Herz-Buben aus. Zu dieser elitären Riege der „Oldies“ zählt auch Harry Zappe, in dessen Gaststätte die Skatfreunde 29 Jahre lang beheimatet waren. Was nicht unerwähnt bleiben darf: Die Waldkraiburger Bockrunde ist mit einer Mannschaft im Liga-Spielbetrieb vertreten. Es werden regelmäßig Wertungsturniere besucht.

Wer nun neugierig aufs Skatspielen geworden ist, der meldet sich beim Spielleiter unter karl.grimm@yahoo.de.

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