Bei Messerstecherei schwer verletzt

von Redaktion

41-jähriges Opfer außer Lebensgefahr – Großeinsatz der Polizei – Täter flüchtig

Waldkraiburg – „Ich bin noch ganz geschockt. Der Mann hat heftig am Oberkörper geblutet, im Bereich von Brust und Bauch. Ich konnte gar nicht hinschauen“, sagt Eugen M. (Name von der Redaktion geändert). Der Geschäftsführer des Lokals, vor dem am Samstag gegen 23 Uhr ein 41-jähriger Waldkraiburger mit lebensgefährlichen Verletzungen aufgefunden wurde, leistete mit einem Bekannten und Mitarbeitern Erste Hilfe, verständigte den Krankenwagen und die Polizei – und löste damit einen Großeinsatz aus.

Augenzeugenberichten zufolge waren in kürzester Zeit „20, vielleicht 30 Beamte vor Ort“, um das Gelände rund um das Waldkraiburger Kino, in dem sich auch der Club und ein weiteres Lokal befinden, weiträumig abzuriegeln und nach dem Täter zu suchen. Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz, wenig später wurde die Feuerwehr alarmiert, um das Gelände für die Spurensicherung auszuleuchten.

SEK-Einsatz

im Stadtgebiet

Trotz der umfangreichen Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter, auch er wohnt in Waldkraiburg, bis Redaktionsschluss nicht festnehmen. Details zu dem Tatverdächtigen wollte das Polizeipräsidium aus ermittlungstaktischen Gründen auf Nachfrage nicht nennen, nur: „Wir haben einen sehr konkreten Verdacht.“ Daher auch ein SEK-Einsatz am frühen Montagmorgen, der mit der Messerstecherei vom Samstag zusammenhängt.

Der Einsatz im Stadtgebiet verlief allerdings ergebnislos, den mutmaßlichen Täter konnten die Beamten nicht in dessen Wohnung antreffen. Er ist bislang auf der Flucht. Weitere Einsätze in der Stadt waren nach Angaben der Polizei für Montag noch geplant.

Das Fachkommissariat 1 der Kriminalpolizeistation Mühldorf ermittelt seit Sonntag auf Hochtouren. Mittlerweile hat die Polizei die Ermittlungsgruppe „Kino“ gegründet, sieben Beamte bearbeiten den Fall.

Über die möglichen Hintergründe geben die Ermittler noch nichts preis. Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, bringen Nachbarn den mutmaßlichen Täter allerdings mit Drogen in Verbindung. Nicht nur als Konsument, sondern auch als Dealer. Noch am Sonntag nach der Tat will ihn ein Nachbar vor dem Mehrfamilienhaus gesehen haben.

Zur genauen Tatwaffe hat die Polizei bislang keine Erkenntnisse, sie geht aber von einem Messer aus. Sowohl vom Täter als auch von der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur. Der genaue Hergang und die Gründe des Streits, bei dem der mutmaßliche Täter ein Messer zückte und seinem Kontrahenten mehrere lebensgefährliche Schnitt- und Stichverletzungen versetzte, ist unklar. Es gibt dafür keine Zeugen.

Auch Eugen M., der Geschäftsführer des Clubs, bekam von der Tat nichts mit. Entgegen ersten Meldungen haben die Vorfälle mit dem Lokal nichts zu tun. Der Club öffnet erst um 23 Uhr. M. war mit seinem Team zum Tatzeitpunkt gerade dabei, die Vorbereitungen für eine Party abzuschließen. „Wir standen auf dem Parkplatz und hörten Hilferufe vom Kreisverkehr her.“ Aus dieser Richtung sei der Verletzte gekommen. Schwankend, vornübergeneigt, habe sich der Mann den Bauch gehalten.

Kissen auf die

Wunde gedrückt

Gemeinsam habe man den Schwerverletzten bis zu der kleinen Treppe getragen, die vom Fahrradweg zum Lokal führt, erzählt M. weiter. „Wir haben den Krankenwagen und die Polizei verständigt.“ Ein Security-Mitarbeiter habe Kissen gebracht, um sie auf die Wunde zu drücken. „Der Verletzte habe laut geschrien. Er wollte immer wieder aufstehen und weglaufen.“ Bis der Krankenwagen kam, sei er – so der Club-Geschäftsführer – bei dem Verletzten geblieben.

Dank der sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen und einer Notoperation sei das Opfer außer Lebensgefahr und befinde sich auf dem Weg der Besserung, teilte die Polizei am Montag mit.

Um 23 Uhr waren die ersten Gäste im Lokal eingetroffen. Doch an Party war nicht mehr zu denken nach diesen Ereignissen, von denen die Besucher des Kinos zunächst kaum etwas mitbekommen haben. Die Spätvorstellungen in fünf Sälen hatten bereits um 22.30 Uhr begonnen. Kinobetreiber Thomas Rahnert sah keinen Anlass, die Vorstellungen zu unterbrechen, nachdem ihm die Polizei versichert habe, „dass keinerlei Gefahr für die Besucher besteht“.

Allerdings mussten Gäste der Lokale und des Kinos noch etwas Geduld haben. Polizeibeamte hatten nach der Tat den Parkplatz abgesperrt. Zunächst war nämlich unklar, ob mögliche Zeugen unter den Gästen sind oder ob an den Fahrzeugen noch verwertbare Spuren zu finden sind. Sukzessive konnten die Gäste dann das Gelände verlassen.

Artikel 4 von 11