Krabat – Wer weiß, der kann!

von Redaktion

Theatergruppe des Gymnasiums begeistert das Publikum

Waldkraiburg – Zweimal hat die Theatergruppe des Gymnasiums das Stück „Krabat“ aufgeführt und die Zuschauer begeistert. Mit „Krabat – Die schwarze Mühle“ hat die Theatergruppe ein anspruchsvolles Bühnenstück in Angriff genommen und unter Leitung von Dagmar Lenge-Fröling und Ulrich Fröling mit Bravour aufgeführt.

Die Inszenierung folgte nicht der bekannten Fassung von Otfried Preußler, sondern der sorbischen Ursage und entführte das Publikum in die ebenso düster bedrohliche wie faszinierende Welt des schwarzen Müllers, in der Gewalt und Unterdrückung herrschen, in der aber auch die Truhe mit den „Büchern des Wissens“ verborgen ist. Nur wer in Besitz dieses Wissens gelangt, hat die Macht, sich der Magie des Müllers und der seines Mühlenbanns zu widersetzen.

Einfühlsam und
temperamentvoll

An einem schwarzen Mühlbach, dem Kolm, steht eine schwarze Mühle, in der ein tyrannischer und grausamer Müller regiert. Krabat, der auf Wanderschaft ist, trifft den Müller im Mühlwald und ist fasziniert von dessen Wissen und magischen Fähigkeiten. „Komm zu mir und du kannst das Wissen aus den Büchern dir zu eigen machen, Stück für Stück. Wer weiß, der kann!“ Krabat beschließt, dem Ruf zu folgen und beim Müller in die Lehre zu gehen. Er schwört ihm – angelehnt an das klassische Motiv des Teufelspaktes – Gehorsam. In der Mühle dauert es nicht lange, bis Krabat bemerkt, dass der Müller die Burschen, die er zu sich lockt, in nicht endendem Arbeitsdienst gefangen hält und keiner sich dem magischen Umkreis der Mühle wieder entziehen kann.

Die Müllerburschen werden zu stumpfsinnigen Arbeitersklaven und durch einen Verwandlungszauber allmählich zu Schweinen, die der schwarze Müller regelmäßig bei einem großen Schlachtfest verzehrt. Krabat erkennt, dass er sich die verführerische Macht magischer Kräfte um den Preis der Freiheit und des Lebens erkauft hat.

Doch da ist Markus unter den Müllerburschen. Dieser fordert als Einziger der zwölf am Zahltag nicht Geld vom Müller, sondern Wissen. In ihm findet Krabat einen treuen Gefährten. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen den Müller auf. Beschützt werden sie dabei von Markus Mutter und ihrer Tochter Adjuna, die Hüterinnen der geheimnisvollen Flamme – die für die Liebe einer Mutter steht, gegen die kein Zauberer etwas ausrichten kann. Adjuna und Januschka – die Freundin von Markus – gelingt es, die beiden aus den Fängen des Müllers zu befreien. Doch die anfängliche Freude weicht der Erkenntnis, dass die Macht des Müllers nicht gebrochen ist. Und so machen sich Krabat und Markus unterstützt von ihren Liebsten und Freunden erneut auf, der Herrschaft des Müllers ein Ende zu setzen, was ihnen schließlich gelingt.

Verzicht auf
ein furioses Finale

Die jungen Darsteller – von den wichtigsten Figuren bis zu den Nebendarstellern – spielten ihre Rollen einfühlsam und temperamentvoll, aber nie überzeichnet. Sowohl das von einem Team unter Leitung von Walter Germscheid gestaltete Bühnenbild als auch die Musik und Lichttechnik unterstrichen die Stimmung und ließen die dunklen Mächte und die schwarze Magie real werden: Das kalte dunkle Licht in der Mühle, die blaue mit aufblitzenden Lichtern durchzuckte Ausleuchtung in der Magierstube des Müller, der nachts umgeben von Wolfsgeheul, die Ringe schmiedet, die seine Müllerburschen im Mühlenbereich festhalten, standen im Kontrast zum Vogelgezwitscher, dem friedlichen Klang des Morgenliedes von Edward Grieg und zur warm und golden leuchtenden Flamme, die Adjuna und ihre Mutter hüten. Auch die von der Näh-AG gefertigten Kostüme trugen zum stimmigen Bild bei.

Auf ein furioses Finale wurde in der Inszenierung verzichtet: Kein großer Kampf steht am Ende. Der Mühlbach gefriert, das Mühlrad steht still und der Müller verschwindet. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Krabat ein zeitloser Held ist, der gemeinsam mit seinen Gefährten für eine Welt gekämpft hat, in der Menschlichkeit, Mitleid, Liebe und Freundschaft und nicht Gier, Macht und Egoismus herrschen.

Die Zuschauer müssen sich erst kurz fassen, begreifen, was geschehen ist – dann bricht begeisterter Applaus los.

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