Jeder kann malen

von Redaktion

Wie in sechs Stunden nach der Methode Bob Ross‘ eine Landschaft in Öl entsteht

Waldkraiburg – Bob Ross – professionelle Künstler rümpfen die Nase, wenn sie diesen Namen hören. Der Amerikaner mit der Afro-Mähne steht für Gebirgslandschaften in Öl, idyllisch, romantisch, kitschig. Bilder, die so aussehen wie hundert andere zuvor. Das ändert nichts daran, dass der Mann und seine Art zu malen Millionen Fans haben. Nach einem Kurs bei der VHS Waldkraiburg gehört auch Kirsten Meier, freie Mitarbeiterin der Heimatzeitung, zu ihnen. „Ich habe mit Malen nichts am Hut“, bekennt die blutige Anfängerin. Umso begeisterter ist sie vom Ergebnis, das sie nach sechs Stunden Seminar mit Kursleiterin Luzia Wayand-Nemet auf der Leinwand mit nach Hause nehmen konnte. „Das hätte ich nie für möglich gehalten“, so Meier, die sich beinahe wie ein „kleiner van Gogh“ vorkommt.

Die Motive sind
vorgegeben

Luzia Wayand-Nemet aus Rosenheim ist Certified Ross Instructor. Sie hat sich in Schulungen mit der Methode vertraut gemacht, mit der der schon 1995 verstorbene Bob Ross in Fernseh-Malkursen eine treue Anhängerschaft gewonnen hat. Bis heute läuft die Kult-Sendung mit dem Titel „The Joy of Painting“ in Dauerschleife im Mitternachtsprogramm von BR Alpha. Seit 2009 bietet Wayand-Nemet ihre Malkurse live an, zum Beispiel in der Volkshochschule Waldkraiburg. In Oberbayern und Schwaben ist die Ross-Instruktorin, die bei allen Kursen von ihrem Mann Johann „Hans“ Wayand unterstützt wird, mit ihren Schulungen unterwegs. „Jeder Teilnehmer kann absolut sicher sein, dass er mit einem sagenhaften Kunstwerk nach Hause gehen wird, das er selbst gemalt hat“, verspricht sie. „Es spielt keine Rolle, ob jemand Anfänger oder Profi ist.“ Um ein Bild gestalten zu können, braucht es die typischen Bob-Ross-Malutensilien. Gemalt wird auf eine Standardleinwand, die etwa 40 mal 50 Zentimeter misst. Bevor Farbe aufgetragen wird, muss die Leinwand mit einem speziellen Mittel – Liquid White – behaftet werden.

Die Motive sind in jeder Veranstaltung vorgegeben. Lediglich in ihrem heimischen Studio in Rosenheim haben die Hobby-Maler die Möglichkeit, ihr eigenes Motiv zu wählen. „In den Kursen geht es vielmehr um Technik, als um das Bild“, erklärt die zertifizierte Anleiterin.

Gemalt wird nur mit Öl. Sauberes Arbeiten ist extrem wichtig, sodass jeder Pinsel nach Gebrauch mit einem trockenen Tuch abgewischt werden muss. Wasser ist beim Malen mit Öl absolut tabu. Angewendet wird die von Ross entwickelte Maltechnik, die selbst einem blutigen Anfänger garantiert, dass sich sein Bild am Ende sehen lassen kann. „Malen kann man erlernen. Wenn der Wille da ist, kann man alles erlernen“, ist Wayand-Nemet überzeugt.

Mit großem Respekt
ans Werk gegangen

Kirsten Meier ist mit einer gewissen Scheu an das Projekt heran gegangen. „Wenn man die Utensilien vor sich liegen sieht, hat man als Neuling großen Respekt.“ Die Utensilien, das sind die weiße Leinwand, eine Spachtel, ein Fächerpinsel und weitere Pinsel in verschiedenen Dicken und eine Palette, bestehend aus neun Farben, die patentierten Bob Ross-Farben, die über das große Firmenimperium, das seinen Namen trägt, vertrieben werden.

Damit soll nun ein echtes Bob-Ross-Gemälde entstehen? „Hoch konzentriert gehe ich ans Werk und werde immer mutiger bei der Gestaltung des Bildes.“ Die Ölfarben lassen sich ohne Weiteres mischen und übermalen. Langwieriges Skizzieren ist völlig überflüssig. Auch Zeichnen muss man nicht können. Mit der Anleiterin an der Seite wächst die Sicherheit, und dort, wo kahle Leinwand war, wachsen Bäume, Berge, Wolken, ein See. „Etwa sechs Stunden dauert das. Fertig! Habe tatsächlich ich dieses grandiose Landschaftsbild gemalt?“ Die Worte der Instruktorin haben sich bestätigt. „Malen kann man lernen. Ich bin stolz, mein eigenes Werk in den Händen zu halten.“

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