Waldkraiburg – „Das hat die politische Klasse, die politische Landschaft im Landkreis noch nicht gesehen.“ Max Heimerl, Landratskandidat der CSU, trifft am Ende der Versammlung den Nagel auf den Kopf. Der Auftritt von Sportmoderator Wolfgang Nadvornik (49), den der Ortsverband mit fast hundertprozentiger Zustimmung ins Rennen um das Bürgermeisteramt schickt, hat nicht viel gemein mit den Bewerbungsreden, die landauf, landab in Nominierungsversammlungen gehalten werden.
Da präsentiert sich ein Entertainer, in freier Rede, ohne Manuskript, braun gebrannt, im lässigen Outfit, der auf die Bühne im kleinen Saal des Hauses der Kultur springt, als gäbe es für ihn keine Hürde. Walter Göbl, CSU-Kreisgeschäftsführer, wird ihn für den dynamischen Auftritt später mit Ex-Minister Guttenberg vergleichen.
Nadvornik hält keine Politrede, er macht Waldkraiburg und den Waldkraiburgern an diesem Abend eine Liebeserklärung. Erzählt von seiner Kindheit und Jugend in der Stadt, in der er aufgewachsen ist, und die er vor einem Vierteljahrhundert aus beruflichen Gründen verlassen hat. „Wir sind alle Waldkraiburger. Das ist der Hauptgrund, warum ich hier stehe. Ich bin ein Waldkraiburger. Ich liebe Waldkraiburg. Mein Herz schlägt für Waldkraiburg“, ruft er den 49 stimmberechtigten CSU-Mitgliedern und gut ebenso vielen Gästen zu, die wohl auch der Promifaktor des Kandidaten angezogen hat.
Er sei „der „Woife“ geblieben, sagt der Kandidat. „Und ich würde gerne mit Euch etwas bewirken in dieser Stadt.“ In einer Stadt, die nach seinem Eindruck heute „gegen viele Bürger arbeitet“. Das will Nadvornik ändern. „Ich kann sagen, dass ich alles tun werde, euch alle Wünsche zu erfüllen, die an mich herangetragen werden. Und wenn ich es nicht kann, dann werde ich euch erklären, warum.“
Er sei „kein typischer CSU-Wähler“, bekennt der 49-Jährige, der sich als „Teamplayer“ vorstellt, der mit allen politischen Gruppierungen zusammenarbeiten will. „Mein Job als Bürgermeister ist es, dass ich alle guten Ideen zusammen bringe und bündle.“
Ein „Wadlbeißer“ für Waldkraiburg will der Moderator sein. Einer, der die Anker-Dependance am liebsten sofort schließen würde, aber warten muss, bis 2025 der Mietvertrag ausläuft. „Dann machen wir das Ding zu.“ Keinen Tag länger werde es offen bleiben, sagt er unter Beifall. „In München geht viel, wenn man ihnen nur lange genug auf den Geist geht.“ Auch bei der Geothermie will er es so halten. Logisch brauche es Geld für den weiteren Ausbau. „Ich fahre nach München und sage denen: Jungs, wir brauchen Kohle für die Geothermie. Und wir werden Kohle kriegen.“
Seine Kontakte in Politik und Wirtschaft, die er seit 30 Jahren aufgebaut habe, will er für die Stadt nutzen. Ebenso wie die A94, die für Waldkraiburg ungeahnte Möglichkeiten eröffne. „Wir wissen das noch nicht einzuschätzen. Da kommen Leute, da kommt Kaufkraft.“ Ein „Geschenk des Himmels“ nennt er die Autobahn. Für den Kandidaten ist sie auch deshalb wichtig, weil er „in 23 Minuten“ von seinem Wohnort Neufarn bei Anzing hier sein kann. Für den Wahlkampf werde das wichtig sein, so Nadvornik, der an diesem Abend klar stellt, worüber im Vorfeld in der ganzen Stadt diskutiert wurde: „Natürlich werde ich nach Waldkraiburg ziehen, wenn ich als Bürgermeister gewählt bin.“
Die CSU-Mitglieder haben ihre Wahl an diesem Abend getroffen, den Seiteneinsteiger bei einer ungültigen und einer Nein-Stimme mit 47 Stimmen als ihren Bürgermeisterkandidaten gekürt. „Ein absolut starkes Signal des Aufbruchs“ hat Max Heimerl wahrgenommen. „Man merkt, dass Leben in der CSU Waldkraiburg ist.“