Kraiburg – Der rote Samtvorhang fährt leise auf, die Bühne ist leer. Eine knarzende Ansage dringt aus einem Lautsprecher. Sie erinnert daran, dass es um das schwerste Delikt geht. Es geht um Mord ersten Grades, um vorsätzliche Tötung im Stück „Die zwölf Geschworenen“.
Schon 40 Proben –
Premiere ist
am 2. November
Die Geschworenen sollen nach bestem Wissen und Gewissen ihr Urteil fällen. Die Amerika-Flagge an der Wand, aber auch der Umstand, dass die Todesstrafe droht, weisen darauf hin, dass das Stück in USA spielt. Und doch ist es allgemeingültig.
Mit technischen Tricks holt Regisseurin Diana Fürstenberger das Stück in seiner Aktualität auch nach Deutschland. Wandprojektionen des deutschen Grundgesetzes stellen den Bezug her. Von ihnen ist im Moment noch nichts zu sehen. Auch das Bühnenbild ist nicht vollständig. Es ist noch etwas Zeit bis zur Premiere am Samstag, 2. November.
Seit Juli probt die Theatergruppe Kraiburg. 40 Proben haben sie schon hinter sich und es war nicht immer einfach, zwölf Leute gleichzeitig zusammenzuholen. Die Akteure betreten die Bühne. Sie sind mental in ihre Figuren geschlüpft. Zeitlose Kostüme helfen ihnen dabei. Sie sind bewusst zeitlos gewählt, um die Allgemeingültigkeit des Stückes zu unterstreichen. Nun sind sie die zwölf Geschworenen in dem Mordprozess um einen jungen Mann, der seinen Vater ermordet haben soll. Sie unterhalten sich über scheinbar Belangloses. Dabei zeigen sich bereits ihre unterschiedlichen Charaktere.
Ein unsicheres, junges Mädchen (Kathi Lifka) war noch nie Geschworene. Ein Geschäftsmann (Heinz Kasulke) hat sich den „amerikanischen Traum“ erfüllt. Aus dem Nichts hat er sein Geschäft aufgebaut, wie er erzählt. Der, der radikale Ansichten vertritt, ist dabei (Charly Ebenbichler) und eine Raucherin (Sarah Ebenbichler), die gerne das Wort führt. Einer aber steht am Fenster und denkt nach (Sebastian Ebenbichler).
Und als alle bereit sind, schnell zu urteilen, ist er es, der sagt, „ich bin mir nicht sicher“. Ein Einziger, der alles ändert.
Die Bühne in der Kraiburger Remise ist hell erleuchtet. Die Schauspieler arbeiten an ihren Rollen. Schärfen ihren Ausdruck, ihre Mimik, ihre Gestik unter der fachkundigen Leitung von Diana Fürstenberger. Sie hat eine Ausbildung in Theaterpädagogik mit Schwerpunkt Regie.
Seit 34 Jahren macht sie mit beim Theater in Kraiburg. „Der Kern ist schon sehr lange beieinander“, sagt sie, „es ist eine große Freude, so zu arbeiten. Es funktioniert und man kann schöpferisch tätig sein.“
Es geht um Vorurteile
und um den Wechsel
der Perspektive
So können sie ganz unterschiedliche Dinge machen, „ein Jahr etwas Superlustiges, ein Jahr etwas Ernstes.“ So wie „Die zwölf Geschworenen“, ein Stück, in dem es um Vorurteile geht und um den Perspektivwechsel. Aber auch um das Verständnis der einzelnen Charaktere. Jeder bringt das mit, was er als Kind und als Erwachsener erlebt hat und wie er erzogen ist. Denn das ist bei jedem etwas ganz anderes.
„Die zwölf Geschworenen“ in der Remise in Kraiburg, Jettenbacher Straße, feiern am Samstag, 2. November, um 20 Uhr Premiere. Weitere Aufführungstermine sind – bis 1. Dezember – jeweils Samstag und Sonntag um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 0151/1695844 oder per E-Mail unter: kartenvorverkauf@theatergruppe-kraiburg.de.