Medienmacht und Wirtschaftskraft

von Redaktion

Empfang im Haus der Kultur in Waldkraiburg ist Treffpunkt zum Austausch

Waldkraiburg – Was machen Daniela Katzenberger und Dieter Bohlen beim Wirtschaftsempfang im Haus der Kultur in Waldkraiburg? Nun, Festredner Dr. Wolfgang Weimer seines Zeichens Publizist und Verleger sprach auf Einladung von Ingrid Obermeier-Osl, Vizepräsidentin der IHK München und Oberbayern zu den zahlreich geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Nobelpreisträger fallen in der Sichtbarkeit durch

Dr. Weimer brachte die Stars per Fotos mit quasi als Einstieg für seinen Vortag welche Macht die Medien in unserer Gesellschaft spielen. „Menschen aus dem Showbiz kennt jeder, unsere Nobelpreisträger werden hingegen kaum beachtet, sie fallen in der Sichtbarkeit durch“, so Weimer, der von der ersten Sekunde an seine Zuhörer fesselte, weil er in kurzweiliger Weise darüber aufklärte, wie Mediendemokratie immer neue Qualität gewinnt und regelrecht Showformate annimmt.

Eine verdrehte Welt tue sich auf. Früher, erklärte Weimer, hätten die Titelseiten der Zeitungen erfolgreiche Handwerker oder innovative Unternehmer gezeigt – heute sind es Lady Gaga & Co., von denen die Bevölkerung nicht genug bekommen könne.

Veranstaltung als Zeichen für engen Schulterschluss

Den Wirtschaftsempfang sieht die Vizepräsidentin der IHK München und Oberbayern als erneutes Zeichen für den engen Schulterschluss zwischen der Politik und der heimischen Wirtschaft in unserer Region. „Freies Unternehmertum braucht Luft zum Atmen“, unterstreicht IHK-Chefin Ingrid Obermeier-Osl. Sie fügt an: „Wir sollten uns nicht dem Ruf derer anschließen, die mehr Staat fordern, sondern wieder mehr soziale- und nachhaltige Marktwirtschaft wagen und uns auch klar dazu äußern. Das gilt besonders auch für die Umweltpolitik. Der Staat sollte einen Ordnungsrahmen vorgeben, sodass gewünschte Ergebnisse im Wettbewerb erreicht werden können“.

Der Boom der bayerischen Wirtschaft sei endgültig beendet, befürchtet Obermeier-Osl. Immer mehr strahle die Konjunkturschwäche der Industrie auch auf andere Wirtschaftszweige aus. Zuversicht sei jetzt oberstes Gebot. „Denn“, so Obermeier-Osl, „unsere bayerische Wirtschaft hat schon viele verschiedene Krisen und konjunkturelle Schwächephasen gemeistert – zuletzt auch die Finanzkrise, in der die Wirtschaft regelrecht in den Abgrund geschaut hat“.

Die Schwindeggerin bemühte in diesem Zusammenhang ein Zitat von Albert Schweitzer der da sagte: „Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel“. Noch anschaulicher kam die Parabel von den drei Fröschen daher, die in einen Sahnetopf gefallen waren. Der erste Frosch stöhnte pessimistisch wir sind alle verloren und er ertrank. Der zweite Frosch ist Optimist und glaubte, irgendjemand würde ihn schon retten. Er wartete und ertrank ebenfalls. Der dritte Frosch ließ Zuversicht walten und strampelte und strampelte, bis die Sahne zu Butter wurde und er aus dem Topf springen konnte. Diesen positiven Sprung in die Zukunft wünschte Obermeier-Osl all jenen, die sich zum Wohle der Region auf die Hinterfüße stellen.

Dr. Weimer dokumentiert, dass auch gerade Politiker auf die Kraft der Bilder setzen um im Mediendschungel nicht unterzugehen. Cool und lässig, so wollen sich heute diejenigen präsentieren, die in dieser Welt das Sagen haben. Klaus Wowereit, Ex-Oberbürgermeister von Berlin wusste nach Darstellung Weimers schon in den 90er-Jahren wie wichtig dieses mediale Spiel ist. So ließ er sich als lässiger guter Laune Bär in Szene setzen.

Politiker setzen
bei Bürgern
auf Kraft der Bilder

Der Festredner holte ein Beispiel nach dem anderen auf die Leinwand um vorzuführen, wie so manche Politiker und die es werden wollen ihren „Durchbruch“ einem gewagten Foto oder einer Fotostory zu verdanken haben. Da posiere Sebastian Kurz vor dem Moulin Rouge in Macho Manier während der Bekanntheitsgrad von Ursula von der Leyen sich erst dann steigerte, als sie in der Sendung „Wetten dass“ von Schauspieler Hugh Jackmann, im wahrsten Sinne des Wortes auf den Arm genommen wurde. „Wie Firlefanz auf dem roten Teppich funktioniert, wusste Ex-Kanzler Gerhard Schröder haargenau“, so Weimer und fügte an: „Inhaltskonzentrierte Politiker wie Edmud Stoiber fielen bereits in dieser Zeit medienmäßig durch“.

„Sehnsuchtsort Bühne“ nannte Dr. Weimer jene Phänomene, für die es offenbar kein Halten gibt. Da hätten Nobelpreisträger wie etwa Harald zu Hausen, der sich in der Krebsforschung einen Namen gemacht hat, in Sachen Aufmerksamkeit nicht den Hauch einer Chance. Durchgestylt und ausgeleuchtet, so wollen sich heute nach Ansicht Weimers viele Menschen und eben auch Politiker in den Vordergrund rücken. Talkshows würden Parlamente ersetzen und Blicke in das Privatleben der Politiker seien oftmals interessanter als die inhaltlichen Aussagen der Mandatsträger.

Die Medialisierung in sämtlichen Facetten sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden betonte der Festredner und wies in diesem Zusammenhang auf die „Greta-Macher“ hin. Diese PR-Inszenierung, wie es der Festredner nannte, finde er problematisch. Menschen würden Medienberichte generell oft als einseitig wahrnehmen weiß Weimer aus Erfahrung und klärt auf: Würden nur Journalisten zur Wahl gehen, kämen die Grünen auf 36 und die SPD auf 26 Prozent. CDU/CSU würden nur acht Prozent der Stimmen einfangen. „Die Bevölkerung tickt aber anders“, betonte der Publizist und schloss seinen Vortrag mit einer guten Nachricht.

Zuversicht in
vielen wichtigen Belangen

Obwohl die Bevölkerungsexplosion anhält, würden es täglich rund 137000 Menschen schaffen, der bittersten Armut zu entrinnen. Mit gesunder Skepsis optimistisch bleiben, diesen Rat gab der bekannte Medienmann den Gästen im Haus der Kultur mit auf den Weg.

Ingrid Obermeier-Osl verwendete in ihrer Rede öfters das Wort Zuversicht und es bezog es nicht zuletzt auf die A94, die nun eingeweiht wurde und als wichtige Lebensader für unsere Region gelte. Das Thema Wirtschaftskrise beschäftigte Obermeier-Osl in ihrem Vortrag, vergas aber nicht zu erwähnen, dass am Ende jeder bisherigen Krise die Wirtschaft stärker war als zu Beginn.

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