Ein „Superwirt“ muss gehen

von Redaktion

St. Erasmus: Janez Smogavc wird die Pacht gekündigt – Vereine können es nicht fassen

Waldkraiburg-St. Erasmus – Das Dorf und der Wirt – in St. Erasmus passt das noch zusammen. Seit 17 Jahren, seit Janez Smogavc die Wirtschaft von Anton Hinterwimmer als Pächter betreibt. Doch das ist bald vorbei. Zum 30. Juni 2020 muss der Wirt raus. Die schriftliche Kündigung ist ihm schon zugegangen.

Trennung ist „unwiderruflich“

Der Eigentümer lässt kein Hintertürchen offen. „Das ist unwiderruflich“, sagt Hinterwimmer. Die vielen Stammgäste und vor allem die Vereine in St. Erasmus, Pürten und Umgebung mögen es nicht glauben, dass ihr Wirt gehen muss.

Janez Smogavc, der die Kündigung bestätigt, hat sich schon auf den Abschied eingestellt. Er mag nichts mehr zu der Sache sagen. Viel Geld hat er in das Lokal gesteckt, seit er vor fast 17 Jahren vom „Super 2000“ in Waldkraiburg den Schritt ins Dorf gewagt hat. Die Küche und einen Großteil der Einrichtung wird er wieder mitnehmen, beziehungsweise verkaufen.

Eigentümer sucht neuen Pächter

Wer nachkommt, ist nicht klar. Der Inhaber sucht wieder einen neuen Pächter schon „aus Eigeninteresse“. Anton Hinterwimmer betreibt gleich neben der Wirtschaft ein Hotel Garni mit 18 Zimmern. Etwa die Hälfte der Hotelgäste gehe zum Essen ins Restaurant und – das räumt auch er ein – war zufrieden mit dem Angebot des slowenischen Wirts. „Die Küche ist gut.“

Warum es damit plötzlich vorbei sein soll? So recht rückt der Eigentümer nicht damit raus. Es soll eine Auseinandersetzung gegeben haben. Da sei „nichts mehr zu reparieren“, sagt er.

Georg Obermaier vom Vorstand des Eisschützenvereins St. Erasmus mag‘s nicht glauben, dass den örtlichen Vereinen das Vereinslokal verloren geht. Mit dem Janez seien immer alle gut ausgekommen. „Ein Superwirt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat gestimmt. Und wenn wir Vereine was gebraucht haben, hat er die Gerätschaften hergeliehen und wir haben ihn auch nicht hängen lassen.“ Auch den letzten Maibaum hat Smogavc gestiftet.

„Mitm Janez is aufwärtsganga. Des is hoid a Wirt, der mog die Geselligkeit“, sagt Franz Mittermeier vom Krieger- und Soldatenverein Pürten-St. Erasmus. Die drei Vorpächter hatten mit den Vereinen nicht viel im Sinn, erinnert sich Mittermeier. Smogavc holte alle wieder zurück.

Christbaumversteigerungen, Jahreshauptversammlungen, Stammtische, Vorstandssitzungen und andere Veranstaltungen und Treffen halten sie im Restaurant Adria Grill, das auch durch seine Themenwochen sowie bei Familienfeiern, Erstkommunion oder Geburtstagen nicht nur in St. Erasmus ein gefragtes Lokal ist.

Vielleicht zeitweise geschlossen

„Den Vereinen muss man nicht nachtrauern“, sagt dagegen Anton Hinterwimmer. Sie seien mit ihren Vereinsheimen mitverantwortlich dafür, dass „die Gastronomie am Boden liegt“, so der Eigentümer, der als Hauptschuldigen dafür die Politik ausgemacht hat. „Die steckt die Wirte in ein Zwangskorsett.“ Das sei schuld, dass die „Wirte sterben wie die Fliegen und bayerische Wirte längst ausgestorben sind“.

Hinterwimmer weiß, dass es schwer wird, einen guten Pächter zu finden. Für das Hotel würde ihm einer genügen, „der drei Gerichte anbietet“. Er schließt nicht aus, dass die Wirtschaft für eine Übergangszeit geschlossen bleiben könnte, wenn der Wirt im Sommer 2020 geht.

Warum behält er dann nicht den alten Wirt, der einen Haufen Vereine und Leute gebracht hat? Auch Albert Lehner fragt sich das. Der Vorsitzende des gut 270 Mitglieder starken Radlervereins Pürten bedauert die Kündigung. Lehner, wie die anderen Vereinsvorstände in Pürten, wissen genau, was ein Wirt am Ort wert ist. Seit mehreren Jahren ist das Dorfgasthaus in Pürten zu. Man war froh im Nachbardorf eine Alternative zu finden. „Wir müssen schauen, wo wir künftig unterkommen mit unseren Veranstaltungen. Vielleicht bei der Feuerwehr.“

„Irgendwie geht‘s schon, auch die Christbaumversteigerungen und die Jahreshauptversammlungen habe man früher im Feuerwehrhaus abgehalten“, sagt Lorenz Schmidinger, Vorsitzender der Feuerwehr St. Erasmus. „Wir müssen halt das Feuerwehrhaus ausräumen. Das macht halt einen Haufen Arbeit.“

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