Waldkraiburg – Mit einem deutschen Doppelsieg beim Ironman auf Haiwaii ist Jan Frodeno und Anne Haug historisches geglückt. Viele beeindruckt – unabhängig vom Ergebnis – allein die Leistung: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Mit dem nötigen Ehrgeiz kann das jeder schaffen, ist Susi Czerny überzeugt, die erst seit acht Jahren Triathlon macht und es in ihrer Altersklasse schon weit nach vorne geschafft hat.
Beim ersten
Wettkampf verlaufen
Hinter der 55-Jährigen liegt gerade eine ruhige Zeit. Nach den Wettkämpfen der Saison ging es ein paar Tage in Urlaub zum Abschalten. „Einfach mal die Zeit genießen und Freizeit haben“, sagt Susi Czerny. Dazu bleibt nämlich während der Saison keine Zeit. Aber jetzt, wenn die Tage wieder kürzer werden, wird auch ihr Trainingsprogramm wieder straffer. Krafttraining und zum Schwimmen ins Hallenbad nach Burghausen, denn ihre Ziele für 2020 sind hoch.
Noch vor acht Jahren hatte sie mit Triathlon wenig am Hut. Zunächst hatte sie es noch für sich ausgeschlossen. Irgendwie hat es sie dann doch gepackt und nicht mehr losgelassen. Ihr erster Wettkampf? „Ich war total aufgeregt und habe mich gleich mal in der Wechselzone verlaufen. Außerdem habe ich den Zuschauern zugewunken“, erzählt Susi Czerny, die beim Gedanken daran lachen muss.
„Mir war schnell klar, dass ich mich weiterentwickeln will und über die nächst längere Distanz gehen will.“ Sie ist ehrgeizig, schraubt ihre Ziele immer höher, trainiert mehr und merkt, wie ihr Körper immer leistungsfähiger wird. „Der Wettkampf ist die Belohnung für das viele Training, um zu sehen, wo man steht“, sagt sie. Vom Sprint zur olympischen Distanz und Mitteldistanz, voriges Jahr in Klagenfurt die erste Langdistanz. „Das Erlebnis war unglaublich. Kurz vor dem Start wurde mir das erst so richtig bewusst. Aber als ich dann im Wasser war, lief alles wie im Film ab“, erinnert sie sich. 13,5 Stunden dauert es, bis sie die Ziellinie an diesem Tag überquert hat. „Ich hab‘s geschafft und musste nicht aufgeben. Das stärkt die Persönlichkeit und das Selbstwertgefühl ungemein.“
Wie im Rennen so ist Susi Czerny auch im Training auf sich allein gestellt. Ihre Trainingspläne hat sie sich mit Hilfe von Fachzeitschriften selbst zusammengestellt. „Aber eins zu eins lassen sie sich nicht umsetzen, weil ich ja noch in die Arbeit gehe“, sagt sie. Gelegentlich trainiert ihr Mann Dieter mit ihr Laufen und Radfahren.
Die Weltmeisterschaft
als großes Ziel
Nicht nur beim Training ist er an ihrer Seite, sondern auch bei den Wettkämpfen. Lange Tage für ihn, denn bei einem Rennen über die Langdistanz kommt seine Frau erst nach 13,5 Stunden ins Ziel. „Die Zeit vergeht eigentlich doch ganz schnell“, sagt er. Als Zuschauer an der Strecke verfolgt er den Wettkampf oder vertreibt sich beim Rahmenprogramm die Zeit.
Triathlon ist für die 55-Jährige längst mehr als nur Sport. „Es ist eine Lebenseinstellung.“ Ihre Ernährung hat sie ganz auf ihre sportlichen Bedürfnisse umgestellt, das Training kommt ihr entgegen, weil sie sich gerne draußen bewegt. Etwa 15 bis 20 Stunden pro Woche trainiert sie, im Sommer startet sie bereits um 5 Uhr mit der ersten Laufeinheit. Zwei Monate vor dem Wettkampf startet das intensive Trainingsprogramm. „Die Familie muss dahinter stehen, ansonsten funktioniert das nicht.“ Aber es braucht auch die unauffälligen Helfer im Hintergrund wie den Radmechaniker und den Physiotherapeuten. „Ohne die geht‘s nicht.“
Fünf Triathlonrennen hat sie heuer absolviert: einmal olympische Distanz, zweimal Mitteldistanz und in Zell am See die Langdistanz, bei der sie es auf den zweiten Platz schaffte. „Mehr Wettkämpfe gehen nicht, vom Kopf her bin ich ausgepowert.“ Ihre Erfolge haben sie weit nach vorne gebracht. In ihrer Altersklasse W55 wurde sie nach ihrem Rennen in Zell am See deutschlandweit auf Platz vier geführt, weltweit auf Platz 18. So sehr sie stolz auf ihre Leistungen ist, der Erfolg ist nur zweitrangig. „Ich will nicht alles aus meinem Körper rausholen, nur um auf dem Podium zu stehen. Das ist das Zuckerl, dass ich richtig trainiert habe.“ Nächstes Jahr will sie wieder über die Langdistanz in Zell am See starten – mit einem Ziel vor Augen. „Es werden Startplätze für die Weltmeisterschaft 2021 in den USA vergeben. Das setzt nochmal eins drauf.“ Den Startplatz will sie sich erkämpfen und dann den Wettkampf in den USA einfach nur genießen.