Waldkraiburg – Es könnte sicher jede von ihnen allein einen Saal füllen: Dr. Carmen Däumer, praktizierende Ärztin und zertifizierte Erzählkünstlerin aus Isen, und Barbara Pöschl-Edrich, gebürtige Traunsteinerin, nach 14 erfolgreichen Jahren in den USA beim Boston Symphony Orchestra und als Harfensolistin auf Konzertreisen wieder in der Heimat angekommen. Doch für ihren gemeinsamen Abend „Liebe in Wort und Musik“ eignete sich der heimelige kleine Raum in Waldkraiburgs Haus des Buches ganz besonders gut. Die zahlreichen Zuhörer kamen so in den Genuss einer Art Kammerspiel.
Die Darbietungen der Künstlerinnen reichten vom Mittelalter über die beginnende Neuzeit fast bis zur Gegenwart und vor allem waren es die Stufen und Formen der Liebe, welche mit sehr einfühlsam vorgetragenen Texten und den fein abgestimmten Harfenklängen das Publikum in ihren Bann zogen. Dies geschah mit Heinz Kalows Aussage „Ich liebe dich! Lass uns zusammen sein bis zum Begraben. Ich will so sein, wie du mich brauchst“. Carmen Däumer kommentierte die auf den Text folgende Harfenmusik sehr treffend: „Lyrik und Harfe gehören einfach zusammen wie Brezl und Butter!“
Nach ihrem humorvollen Exkurs in die Schöpfungsgeschichte, die mit dem Urteil Gottes endete, dass Adam und Eva nicht mit, aber auch nicht ohne einander sein könnten, ging`s ins 15. Jahrhundert mit Francois Villons fast frivolem „Ich bin so wild nach deinem Erbeermund“, dem ein kontrastreiches Harfenspiel folgte.
Mit dem Wiener Erich Fried vertiefte sich die innige Liebesbeziehung: „Du bist das Herz der herzlosen Welt, die Liebe ist bedingungslos.“ In Michael Endes „Trödlermarkt der Träume“ aber deutet sich schon an, „unter all dem Plunder hab ich plötzlich unserer Liebe schönen Traum gesehen“, harmonisch von der Harfe untermalt. Mit Erich Kästner wurde „der Fall klar: Man sprach sich aus, man hat sich ausgeschwiegen“, was Joachim Ringelnatz humorvoll-ironisch andeutet: „Ich hab dich lieb; die Löcher sind die Hauptsache in einem Sieb. Wir wollen froh und lachend auseinandergehen.“
Immer wieder faszinierend für das Publikum, den beiden Künstlerinnen zuzuschauen und zuzuhören. Carmen Däumer verstand es, die manchmal etwas spröde Dichtersprache einer Ingeborg Bachmann durch ihren Ausdruck verständlicher zu machen: „Die Aussteuer von Worten war verbraucht“, was Bert Brecht recht drastisch umschreibt, dass er sich aus seiner Beziehung mit Marie nur mehr an die kleine weiße Wolke am Himmel erinnere. In der reifen Altersliebe dann aber doch die Kraniche sieht, die im Flug beieinander liegen. All das von Barbara Pöschl- Edrich in seiner Stimmung meisterhaft aufgenommen und in wundersame Harfentöne übertragen:
„Liebe kann doch nicht einfach zerfallen, Liebe kann nur vertröpfeln.“ Während Erich Kästner das Ganze als „sachliche Romanze“ sieht, kamen die Künstlerinnen zu dem gemeinsamen Schluss: „Ihr werdet zusammen sein, der eine lasse den anderen für sich.“ Nach lang anhaltendem Applaus trug sicher so mancher der Zuhörer den Gedanken Mascha Kalekos mit hinaus in die Herbstnacht: „Kommt, Wind und Regen, kommt! Wir sind zu zwein!“fis