Die komplizierte Welt des sündigen Dorfs

von Redaktion

Theaterverein Au begeistert Publikum mit kantigen und liebenswerten Charakteren

Gars – Das Dorf – ein Sündenpfuhl? Wer mag das heute noch ernsthaft annehmen? Moralvorstellungen haben sich gewandelt, Sündenregister sind geschrumpft und die „Todsünden“ früherer Tage erscheinen heute in einem milderen Licht. Das in einer unbestimmten „guten alten Zeit“ spielende Stück „Das sündige Dorf“ war den acht Darstellern des Theatervereins Au wie auf den Leib geschrieben: Sie entführten die Zuschauer aus dem voll besetzten Theatersaal des Zehentstadels in eine bäuerliche oberbayrische Welt, in sich kantige, aber auch gerissene und immer liebenswerte Charaktere so richtig ausleben konnten.

Das „ländliche Lustspiel“ von Max Neal in der Fassung des Komödienstadels von 1974 enthielt denn auch alle Zutaten für einen mitreißenden Theaterabend: Starke, bauernschlaue Mannsbilder, die um die Mitgift feilschen und nicht wahrhaben wollen, dass meist Frauen das Sagen haben, heiratswillige Burschen, die keiner Rauferei aus dem Weg gehen – um schöne junge Madl, die sich umwerben lassen, dabei aber künftigem Besitz und dem schnöden Mammon keineswegs abgeneigt sind.

Brisanz kommt auf, wenn der Zuschauer mehr weiß als die Akteure: Aufgrund alter Verfehlung des Stanggassinger Bauern bahnt sich eine Heirat unter Geschwistern an, die es zu verhindern gilt. Seine beiden Söhne, der Sepp und der Done, rivalisieren handgreiflich um die Zuneigung der Vevi, bis diese sich für den Sepp entscheidet. Sie lebt zwar beim „Sagschleifer“ (Sägenschleifer) Korbinian, ist aber Stanggassingers leibliche Tochter.

Die komplizierte Lage treibt den heimlichen Vater schließlich zum Äußersten: Er will sich erhängen, teilt aber mit dem Zuschauer die Hoffnung, dass er rechtzeitig daran gehindert wird… Unterdessen droht auch Unheil durch die Ehefrau Stasi, die – so vermutet der Stanggassinger – im Begriff ist, der kirchlichen Autorität, dem Pfarrer zu verraten, dass er, der neugewählte Kirchenpfleger, eine solch „dunkle Vergangenheit“ hat.

Das ist aber erst ein Teil der Verwicklungen: Richtig kompliziert wird es, als auch noch der Voglhuaber- Bauer und seine Tochter, eine weitere heiratsfähige junge Frau, ins Spiel kommen…

Regisseur Martin Oberbauer in der Rolle des Voglhuaber-Bauern war berechtigter Stolz auf seine Truppe anzumerken, als er nach dem letzten Vorhang vor das Publikum trat. Alle Schauspieler hatten wieder überzeugende Leistungen gezeigt. Die Erfolgsgeschichte des Theatervereins Au ist mit dieser rundum stimmigen Aufführung eindrucksvoll fortgesetzt worden. So sah es auch das Publikum, denn sein konzentriertes Mitgehen, das immer wieder aufbrandende Gelächter und häufiger Szenen- und der Schlussapplaus sprachen für sich.

Theater als geselliges Ereignis: Zwei Pausen mit Speis und Trank sowie die nach der Vorstellung offene Bar im Obergeschoss gaben ausgiebig Gelegenheit zum Feiern. Fast alle weiteren Theater-Aufführungen im Zehenstadel Au am Inn sind bereits ausverkauft. Karten gibt es nur noch für den kommenden Sonntag, 17. November, 18 Uhr.

Reservierung ist möglich unter www.theaterverein-au.de, reservierung@theaterverein-au.deoder Telefonnummer 08073/ 4029848.

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