Rote Karte für Fastfood und Co.

von Redaktion

Ab 1. Dezember: Die städtischen Kindertagesstätten stellen auf gesunde Brotzeit um

Waldkraiburg – Süßigkeiten, Big Macs, Pizzateilchen, Pommes oder Döner zur Kita-Brotzeit – das ist nicht im Sinne des Erfinders, kommt in Kindertagesstätten aber immer wieder vor. Weil derlei „Schmankerl“ im Brotzeit-Tascherl regelmäßig beobachtet wurden, zieht der Stadtrat jetzt für die städtischen Betreuungseinrichtungen Konsequenzen und zeigt Fastfood und Co. die Rote Karte. Die Kita „Kunterbunt“ an der Haidaer Straße und die Einrichtung am Kalander stellen ab 1. Dezember auf gesunde Brotzeit um. Zwei katholische Einrichtungen und das KinderTageszentrum (KiTZ) des Familientreffs praktizieren das schon seit vielen Jahren. „Wir machen damit sehr gute Erfahrungen“, sagt Tamara Tusche, Leiterin der Kita Christkönig, die Einrichtung, die dieses Angebot schon seit über einem Jahrzehnt macht.

Apfelsaft vom
eigenen Apfelbaum

Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr: Im „Brotzeitstüberl“ der Kita Christkönig sitzen zehn Mädchen und Buben am Tisch. Die vierjährige Sophia beißt in eine Gurkenscheibe und lässt den Fotografen von der Zeitung wissen, dass sie grade ihr Lieblingsessen verspeist. Sedanur mag lieber Brot mit Salami. Es gibt aber auch Paprikastreifen, Äpfel und anderes Obst, Butterbrote und vieles mehr. Und Tee, Wasser, Apfelsaft vom Apfelbaum im Kita-Garten steht auf dem Tisch. Darauf ist Leiterin Tamara Tusche besonders stolz.

Für jedes Kind und jeden Tag gibt es in der Kita Christkönig die gesunde Brotzeit. Wechselnde Mitarbeiterinnen aus dem Team kaufen ein und bereitet das Essen vor. Die Eltern zahlen dafür einmal im Jahr 55 Euro und geben ihren Kindern einmal in der Woche Obst und Gemüse für die ganze Gruppe mit. „Einmal in der Woche ist für die Krippenkinder Joghurttag, für die Großen Müslitag. Das ist das Highlight“, sagt Tusche.

Sozialer Lernort
Brotzeittisch

Charlotte Konrad, die Leiterin der katholischen Kita Maria Schutz und Föhrenwinkel sowie Anita Huszar-Bub vom Familienzentrum, pflichten Tusche bei. Die Erfahrungen mit der gesunden Brotzeit, deren Zutaten manchmal gemeinsam mit den Kindern in örtlichen Geschäften eingekauft oder von verschiedenen Lieferanten angeliefert werden, sind sehr gut. Die Eltern, die keine Brotzeit mehr einpacken müssen, seien „sehr dankbar für diese Entlastung“, sagt Konrad, die den gemeinsamen Brotzeittisch mit einheitlichem Angebot auch als hervorragenden sozialen Lernort ansieht.

Das Lernziel, die Kinder an eine gesunde und ausgewogene Ernährung heranzuführen, ist längst Allgemeingut in allen neun Kitas in Waldkraiburg und in deren pädagogischen Konzepten verankert. Auch bei den beiden evangelischen Kindertagesstätten, wie Cornelia Cordes-Jacobskötter, die Leiterin des Käthe-Luther.Kindergartens, betont. Einmal in der Woche wird dort für die Kindergartenkinder eine gesunde Brotzeit angeboten. Mehr sei aus organisatorischen und personellen Gründen kaum zu machen, so die Erzieherin.

Den Eltern nicht
alles abnehmen

Ihre Kollegin von der katholischen Kita St. Franziskus, Teresa Nalewaja, sieht es ähnlich, Es fehle an Personal, um die Brotzeit täglich zuzubereiten. Einmal im Monat gibt es dort ein gesundes Brotzeit-Buffet, um den Eltern Anregungen für eine vollwertige und gesunde Ernährung zu geben. „Wir wollen den Eltern nicht alles abnehmen“, sagt Nalewaja. Es gehe auch darum, Eltern zum Umdenken zu bewegen.

Auch aus Sicht von Cornelia Cordes-Jacobskötter ist das ein wichtiger Aspekt, die Verantwortung der Eltern ernst zu nehmen. „Wir sind mit ihnen im Gespräch und sprechen sie an, wenn in der Brotzeittasche etwas ist, was da nicht hineingehört.“ Süßigkeiten oder Pommes als Pausenbrot werden im Käthe-Luther-Kindergarten nicht akzeptiert. Und für Getränke, „keine Limos“, sorgt die Kita kostenfrei.

Die Stadt stellt in ihren Einrichtungen ab 1. Dezember auf die gesunde Brotzeit um. Einstimmig hat das der Stadtrat in der Satzung festgelegt. Die Brotzeiten, vormittags und nachmittags, werden mit dem Mittagsplan des Caterers abgestimmt. Inklusive Getränke wird ein monatlicher Verpflegungsbeitrag von 15 Euro für den Vormittag und 25 Euro für Vor- und Nachmittag erhoben, und das elf Monate im Jahr.

Ausschlussklausel
ergänzt die Satzung

Die Gebührensatzung wurde außerdem durch den Passus ergänzt, dass bei fortdauerndem Nichtbezahlen der Kita- und Essens-Gebühren ein Ausschluss vom Kita-Besuch, in schwerwiegenden Fällen sogar eine Kündigung durch den Träger möglich ist.

Einige Stadtratsmitglieder wie Susanne Engelmann (SPD), Eva Köhr (CSU) und Michael Steindl (UWG) erhoben gegen die scharfe Formulierung der Satzung und die Ausschlussdrohung Einwände. Reinhard Schmid, der Leiter der Sozialabteilung im Rathaus, stellte aber klar: „Wir wollen kein Kind ausschließen, und es wurde bisher auch noch kein Kind ausgeschlossen.“ Aus Gründen der Gleichbehandlung brauche es aber diese Regularien, die auch bei anderen Trägern üblich seien. „Es kann nicht sein, dass Leute, die die Kita-Gebühren bezahlen können, die Gebühren nicht bezahlen.“

Eltern, die nicht zahlen können und Probleme beim Ausfüllen von Anträgen haben, sicherte er zu, dass die Stadt und das Kita-Personal die Betroffenen dabei unterstütze. In Härtefällen sollen der städtische Kinderfonds oder der Verein „Sterntaler“ einspringen, schlugen einige Stadträte vor.

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