Schwurgericht: Attacken mit dem Cuttermesser

von Redaktion

Ex-Freundin und Helferin in Lebensgefahr – Zweifacher Mordversuch steht im Raum

Traunstein/Waldkraiburg – Rasend vor Eifersucht soll ein 38-jähriger Thüringer seiner früheren Freundin (44) am 30. Dezember 2018 in Waldkraiburg mit einem Cuttermesser schwerste Verletzungen zugefügt haben. Als eine Freundin zu Hilfe kommen wollte, soll der alkoholisierte Mann auch sie massiv mit dem Teppichmesser geschnitten haben. Der Angeklagte muss sich seit gestern vor dem Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verantworten.

Staatsanwalt Markus Andrä hat die Taten als „absichtliche schwere Körperverletzung und zweifache gefährliche Körperverletzung“ angeklagt. Das Schwurgericht gab den rechtlichen Hinweis, sowohl „versuchter Totschlag“ komme in Betracht als auch „zweifacher versuchter Mord aus niederen Beweggründen oder Heimtücke“.

Alkoholprobleme ab dem 16. Lebensjahr zogen sich durch das Leben des Mannes mit schwieriger Kindheit und Gewalt in der Familie. Er fühlte sich der rechten Szene zugehörig. Der Alkoholkonsum schwankte im Lauf der Jahre. Seine Beziehung mit der 44-Jährigen verlief ähnlich. Der Angeklagte verdächtigte die 44-Jährige, mit einem anderen Mann ein Verhältnis zu haben.

Kurz vor Weihnachten 2018 „platzte ihm der Kragen“, wie er berichtete. Zu der Zeit habe er als Lackierer gearbeitet und das Cuttermesser in der Arbeitshose gehabt. Am Abend des 22. Dezember trat er eine WC-Türe ein – weil er dachte, seine Freundin halte sich darin auf. Als die Frau heimkam, öffnete er das Messer und hielt es ihr an den Hals. Die Geschädigte konnte fliehen und trennte sich von ihm.

Der 38-Jährige fuhr zu einem Bekannten nach Inzell. Der Angeklagte schilderte vor Gericht, ein Sohn der 44-Jährigen habe ihm geschrieben. Er hätte zurückkommen und eine andere Wohnung im gleichen Haus erhalten sollen. Die Sache mit dem „Clown“, wie der Thüringer den angeblichen „Nebenbuhler“ (24) bezeichnete, sei dazwischen gekommen. Er habe gedacht, er wird „verarscht“. Schon untertags habe er am 30. Dezember viel getrunken, auch im Zug nach Waldkraiburg – mit dem Cuttermesser in der Jacke. „Ich bin nicht hin, um einen umzubringen“, beteuerte er vor dem Schwurgericht.

Ohne „dieses dämliche Stück Scheiße, diese Pissnelke, diesen Kleiderständer“ wäre nach Worten des Angeklagten „gar nichts passiert“. Er meinte damit den angeblichen neuen Freund seiner Ex, den er durch das Fenster im Bad des Hauses sah. Ein Irrtum. Der Zeuge war der Freund der späteren zweiten Geschädigten. Man hatte gefeiert, der 24-Jährige hatte zu viel getrunken und sich im Bad übergeben.

Der 38-Jährige arretierte die circa sechs Zentimeter lange Klinge und klingelte an der Tür, nichts ahnend öffnete die 44-Jährige. Der Angeklagte drückte sie gegen die Wand. Dann versetzte er ihr wahllos tiefe Schnitte gegen Gesicht und Arme. „Man kann jemand für das Leben zeichnen“ oder eine „Bestrafungsaktion“ durchführen, stellte der Vorsitzende Richter zum Motiv in den Raum. Darüber habe er sich „keine Gedanken gemacht, erwiderte der 38-Jährige.

Die 24-Jährige eilte vom ersten Stock herunter und wollte Hilfe holen. Der Angeklagte hatte die 44-Jährige am Hals fixiert, als er die andere Frau aus dem Augenwinkel heraus sah. „Da hab ich auch sie erwischt“, meinte der Mann lakonisch. Und fügte an: „Wenn ich eine Tötungsabsicht gehabt hätte, hätte ich sie verfolgt.“

Beiden Frauen gelang die Flucht. Spezialeinsatzkräfte und ein großes Polizeiaufgebot rückten an. Der 24-Jährige konnte unverletzt befreit und der Tatverdächtige festgenommen werden. Ein Polizeizeuge schilderte, die 44-Jährige habe stark geblutet. Er glaube, einen Armknochen und eine freigelegte Sehne gesehen zu haben. Der 38-Jährige habe ziemlich ruhig gewirkt. Der Polizist: „Wenn ich zwei Frauen fast umgebracht hätte, was ich nie täte, wäre ich nicht so locker drauf.“ Ein anderer Zeuge hörte, wie der Angeklagte sagte, er hoffe, seine Ex sehe „jetzt richtig scheiße aus“.

Die 24-Jährige erinnerte sich unter Tränen: „Ich habe die Schreie der anderen Frau gehört und bin runter. Ich habe noch nie so viel Blut gesehen, wusste nicht, ob sie noch lebt.“ Ärzte stellten an beiden Opfern schlimme Schnittverletzungen fest, die nie vollkommen ausheilen. Die 44-Jährige wirkte ebenfalls noch stark traumatisiert.

Der Prozess wird am 18., 28. und 29. November fortgeführt.kd

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