Traunstein/Waldkraiburg – Aus Eifersucht soll ein 38-jähriger Mann aus Waldkraiburg seine Ex-Freundin mit einem Teppichmesser lebensgefährlich verletzt haben. Seit Donnerstag läuft der Prozess am Schwurgericht Traunstein.
„Er wollte mein Gesicht zerschneiden.“ Das sagte eine 43-jährige Frau aus Waldkraiburg, die – wie eine 24-jährige Untermieterin – am 30. Dezember 2018 Opfer einer Attacke mit einem Cuttermesser wurde. Der 38-jährige Täter muss sich wegen schwerer Körperverletzungsdelikte verantworten. Vielleicht geht es sogar um versuchten Mord oder Totschlag (wir berichteten).
Nach Aussage des Opfers soll der Mann äußerst eifersüchtig gewesen sein. Als er nach der Trennung nach Waldkraiburg zurückkehrte – er soll reichlich Alkohol getrunken haben –, sah er laut Anklageschrift von der Straße aus einen 24-Jährigen im Bad seiner Ex. Er hielt den Mann irrtümlich für den neuen Freund der 43-Jährigen, tatsächlich war er mit seiner Freundin Untermieter in der Wohnung. Die 43-Jährige öffnete auf das Klingeln des Angeklagten hin, der gerufen haben soll: „Du Schlampe, Du hast mich betrogen.“ Dann sei er unvermittelt mit dem Teppichmesser auf die Frau losgegangen, die schützend die Arme vor ihr Gesicht hielt. Mehrmals soll der Angreifer das Messer von oben nach unten durchgezogen haben. Die Zeugin erinnerte sich: „Ich hab was gespürt. Ich dachte an meine Augen, mein Gesicht und schrie um Hilfe. Er machte weiter und schnitt mich, auch als ich am Boden lag. Ich dachte, es sind meine letzten Sekunden.“ Dann habe sie irgendwie fliehen können. Bei Nachbarn sei sie mehrfach ohnmächtig geworden.
Was die Frau nicht wusste: Die 24-jährige Untermieterin war laut Anklage auf die Hilfeschreie hin vom ersten Stock hinuntergelaufen. Als sie vorbei wollte, hätte sich der Angeklagte von der 43-Jährigen abgewandt, die jüngere Frau erwischt und mit dem Messer verletzt. Der 24-Jährigen gelang es, sich in einem Zimmer einzusperren und durch das Fenster zu retten.
Die 24-Jährige erlitt Schnittverletzungen im Gesicht sowie einen tiefen Schnitt im Unterarm, der einen Muskel traf, eine Arterie und einen Nerv durchtrennte. Bis heute ist sie nicht genesen, ihr Unterarm nicht voll beweglich. Hinzu kommen die psychischen Folgen.
Ähnlich schlimm ist die Situation der 43-Jährigen, wie sie schilderte. Sie konnte unmittelbar nach dem Messerangriff ihre Hand nicht heben. Ein Unterarmknochen und eine Sehne lagen frei. Die Frau verlor etwa eineinhalb Liter Blut. Nachbarn und Polizisten versuchten, die Blutungen zu stillen, ehe die Frau mit einem Hubschrauber nach München geflogen wurde. Die Schwerverletzte hörte jemanden sagen, ins Klinikum Murnau hätte sie es „nicht geschafft“. Im Krankenhaus habe sie erfahren, dass es ein Wunder sei, ihr Augenlicht nicht verloren zu haben. Der Grund: Sie hatte im Gesicht tiefverlaufende, senkrechte Schnitte – zwischen zehn und 20 Zentimeter lang.
Eine Operation steht bevor. Teile der Haut sind taub. Der zerschnittene Arm – unter anderem wurden Blutgefäße und zwei Sehnen durchtrennt, das Handgelenk freigelegt – ist einigermaßen beweglich. Gefühlsstörungen und Schmerzen bei Kälte plagen sie bis dato. Eine Behinderung wird bleiben, prognostizieren die Ärzte. Hinzu kommen Ängste. „Ich habe neben dem Bett einen Baseballschläger“, so die Zeugin. Wegen der psychischen Folgen sei sie in Behandlung. Ihren Arbeitsplatz hat sie verloren, bis auf Weiteres ist sie krankgeschrieben.
Auf Fragen berichtete die Nebenklägerin, der Angeklagte sei extrem eifersüchtig. Mehrmals habe er geäußert, sie werde „seine letzte Frau sein“. Sollte sie ihm untreu sein, werde er sie „umbringen“. Auch ihre Familie werde zu leiden haben. Einmal habe er gedroht, er werde sie „verunstalten“, sollte sie fremdgehen. Die 43-Jährige betonte, sie versuche, „alles zu verdrängen, zu vergessen“.
Früher habe man gemeinsame Pläne gehabt – alle gescheitert an seiner Eifersucht: „Er war auf alles eifersüchtig – auf den Chef, auf Kollegen, auf die Untermieter.“ Seine Aggressionsattacken führte die Geschädigte auf übermäßigen Alkoholkonsum zurück. Sie habe ihn vom Alkohol abbringen wollen, habe an das Gute in ihm geglaubt. Nüchtern habe er stets versprochen, sich zu ändern.kd