Gars – Am kommenden Wochenende feiert die Bücherei Gars ihr 100. Jubiläum, und das auf den Tag genau: Am 23. November 1919, ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs, fand auf Initiative von Vikar P. Gebhard Heni die Gründungsversammlung für eine katholische Bücherei in einer Gaststätte am Marktplatz statt. Daher dürfen alle Verantwortlichen, Mitarbeiter und Leser heute zu Recht stolz sein und feiern, denn ihre Bücherei ist wohl die älteste und traditionsreichste in weitem Umkreis.
Als Dachverband fungierte damals der 1901 gegründete „Katholische Preßverein für Bayern“, dessen Zielsetzung es war, katholisches Schrifttum zu fördern und zu verbreiten. Folgerichtig wurde dann auch die erste Bücherei, die ab 1934 den Titel „Pfarrbücherei“ trug, in den Räumen des Klosters eingerichtet, sozusagen als „kleine Schwester“, der dort bestehenden traditionsreichen wissenschaftlichen Hochschulbibliothek mit theologisch-philosophischem Schwerpunkt.
Erst zehn Jahre später, im Jahr 1929, erfolgte ein erster Umzug vom Kloster in den Pfarrhof und 1971 wurde ein neuer Raum im späteren Jugendheim hinter dem Pfarrhaus bezogen.
Nach anfänglichen Überlegungen, in einem Gebäude der damaligen Hauptschule eine Gemeindebücherei einzurichten, wurde im Jahr 1972 ein Vertrag zwischen Gemeinde und Pfarrei geschlossen, der festlegte, dass von da an eine gemeinsame Bücherei in Trägerschaft von Gemeinde und Pfarrkirchenstiftung zu gleichen Teilen weitergeführt werden sollte.
Ihre jetzige Bleibe im damals neu errichteten Pfarrheim bekam die Bücherei im Jahr 1984, die jüngste Renovierung erfolgte 2009, sodass heute drei helle, zeitgemäß eingerichtete Räume zur Verfügung stehen: ein großer Hauptraum mit der Ausleihe und dem Kernbestand sowie zwei zusätzliche Räume, einer für „Schöne Literatur“/Romane und ein weiterer für die Abteilung Sachbücher.
Viele Mitarbeiter haben über Jahre und Jahrzehnte hin die kombinierte Pfarr- und Gemeindebücherei zu dem heute beliebten und nachhaltig wirkenden kulturellen Treffpunkt werden lassen. Unmittelbar nach der Gründung kamen dem Vorstand Anton Stürmer und dem Ehepaar Dr. Prettner wichtige Funktionen zu. Auch nach der ersten Büchereileiterin Prettner blieb die Leitung der Bücherei in Frauenhand: Nach dem Zweiten Weltkrieg liest man in den Dokumenten die Namen Maria Deinwallner, Maria Sperr und Maria Stürmer. Danach bekleidete Inge Mittermeier 14 Jahre lang das Amt, bis es im Jahr 2009 die heutige Leiterin, Gabi Trautbeck-Bacher, übernahm. Jede der bisherigen Leiterinnen und die zahlreichen Mitarbeiterinnen der vergangenen Jahrzehnte prägten mit ihrem Engagement das Erscheinungsbild der in die Breite der Bevölkerung hineinwirkenden Einrichtung.
Zahl der Medien bis
heute verzehnfacht
Dies belegen eindrucksvoll folgende Zahlen: Gab es im Gründungsjahr 1919 noch 123 eingeschriebene Leser, die einen Jahresbeitrag von zwei Mark und pro Woche und Buch zehn Pfennig für die Ausleihe entrichteten, waren es im Jahr 2018 schon 592 aktive Leser, die auf einen Bestand von 13183 Medieneinheiten (Bücher, CDs, Hörbücher, Zeitschriften) zurückgreifen konnten und die es auf 23415 Ausleihen brachten. Gegenüber 1931 hat sich heute die Zahl der Medien mehr als verzehnfacht. In neuerer Zeit wurde auf effektive Zusammenarbeit mit den Schulen in Gars und Ramsau Wert gelegt, um die junge Generation auch in Zeiten der Digitalisierung an das mehr denn je bildungsrelevante Medium Buch heranzuführen.
Die Ausleihe der Bücher, die mithilfe moderner Bibliothekssoftware gehandhabt wird, ist heute mit dem erschwinglichen Jahresbeitrag abgegolten, weitere Kosten fallen nicht an, auch keine Gebühren für verspätete Rückgabe. Kinder und Jugendliche können kostenlos ausleihen.
Im Laufe der Jahre ist die Bücherei für die Marktgemeinde und ihre Ortsteile zu einer unverzichtbaren lokalen Institution geworden: Der vorhandene Zuspruch und die Statistik der Nutzung legen auch ein beredtes Zeugnis für die kulturelle Aufgeschlossenheit der Leserschaft ab.
Der St. Michaelsbund, in den der „Katholische Preßverein“ 1934 überführt wurde, fungiert heute als Dachverband, der den örtlichen Bibliotheken den preisgünstigen Zugang zu allen Medien ermöglicht und fachliche Unterstützung anbietet.
In Gars bemühen sich 18 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in 750 Jahresöffnungsstunden um die jungen Leser, die Familien und die Senioren. Vielfältig sind auch die angebotenen Aktivitäten rund ums Buch: Vorschul- und Kindergartenkinder besuchen die Bücherei, Vorlese- und Bastelstunden werden veranstaltet, die Bücherei beteiligt sich an Pfarrfest und Weihnachtsmarkt, Bücherflohmärkte und die Ausstellungen bei Kaffee und Kuchen locken neue Leser. Leseförderprogramme werden umgesetzt und man beteiligt sich am bundesweiten Vorlesetag. Ein Bücherbring-Service versorgt Leser, die nicht zur Bücherei kommen können, und ein besonderes Anliegen der Leiterin ist der leichte Zugang zu den Büchereiräumen: „Unsere Räumlichkeiten sind ideal für gehbehinderte Besucher im Rollstuhl oder auch für Familien mit Kinderwagen“, meint Gabi Trautbeck-Bacher.
Das Einvernehmen mit der Pfarrei und der Gemeinde sei sehr gut, betont sie. „Die Zusammenarbeit könnte besser nicht sein“, stellt Bürgermeister Norbert Strahllechner fest und Pfarrer P. Ulrich Bednara bestätigt dies aus Überzeugung.
Wen wundert es da, dass bei solchen Arbeitsbedingungen die Garser Bücherei auch Preise verliehen bekommen hat: eine Auszeichnung der Stiftung Lesen, das Büchereisiegel des St. Michaelsbundes und das Eon Lesezeichen 2019.