Waldkraiburg – Der kleine Saal im Haus der Kultur mehr als voll: Ein Indiz dafür, wie groß das Interesse am Baugebiet Waldkraiburg West ist. Die Stadt hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, nachdem der Stadtentwicklungsausschuss einen Tag zuvor das Thema behandelt hatte (wir berichteten). Die grundsätzlich noch großen Unklarheiten sowie einige Punkte der vorläufigen Planungen standen allerdings in der Kritik und sorgten dafür, dass etliche Besucher früher gingen.
Die Vorstellung des städtebaulichen Konzepts für das geplante Baugebiet lockte, für die Stadt offenbar überraschend, mehr als 200 Besucher an. Bürgermeister Robert Pötzsch freute sich zunächst über die große Resonanz und stellte kurz dar, dass es bereits in der Vergangenheit mehrere Anläufe für das Baugebiet West gegeben habe. Nun endlich habe man alle an einen Tisch bekommen. Bauamtsleiter Carsten Schwunck sagte, dass sich das Baugebiet im Rahmen des ISEK als zentrales Anliegen herausgestellt habe, denn der Bedarf wäre hoch.
104 Grundstücke
mit viel Grün
Die Planerinnen Renate Frank und Elisabeth Buchner-Schlögl stellten anschließend die Bebauungsplanung vor. Von den insgesamt acht Hektar sollen sechs Hektar bebaut werden, auf denen 104 Grundstück entstehen sollen. Zur bestehenden Bebauung solle ein Grünstreifen einen sanften Übergang schaffen.
Planer Uwe Feickert ging auf die Umweltaspekte ein. Man wolle unbedingt einen Teil des Waldes erhalten, denn er sei die Visitenkarte der Stadt Waldkraiburg. Er würde allerdings in einen natürlicheren Laub-Mischwald umgebaut werden, hohe Föhren und Fichten müssten gefällt werden. Eine aufzuforstende Ausgleichsfläche für den Rest befinde sich unten am Inn.
Zum Abschluss erklärte Carsten Schwunck die Eigentumsverhältnisse des neuen Baugebietes. Die Stadt sei aktuell nur Besitzer von einer Fläche, die zehn Grundstücken entspricht und könne diese nach noch festzulegenden sozialen und regionalen Aspekten vergeben. Die anderen Flächen gehörten privaten Eigentümern.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich schnell, dass vor allem die bereits ansässigen Anlieger der Stettiner Straße große Bedenken gegen das Projekt haben. Peter Kitzeder und Günter Auer führten die Punkte zusammen mit einigen anderen Anliegern an. Sie hielten das gesamte Baugebiet möglicherweise für rechtswidrig, da es eine Baurechtsnovelle von 2011 gebe, die gegen den Flächenfraß wirken solle. „Und die Eigentümer werden doch nicht an Einheimische verkaufen, sondern an den, der am meisten zahlt“, gab Kitzeder zu bedenken. Für die Stadt blieben dann noch die Anteile an den Erschließungs- und Folgekosten.
Schwunck verwies auf das noch durchzuführende Bauleitverfahren, im Zuge dessen das Rechtliche überprüft werde. Er musste aber zugeben, dass der Punkt der Vergabe ein Defizit sei. „Wir werden versuchen, mit den Eigentümern eine Einigung bei der Vergabe zu erzielen“, stellte Schwunck in Aussicht. Man könne ohnehin nicht sagen, die Stadt verkauft nur an Waldkraiburger, das ginge rechtlich nicht.
Jemand fragte nach, ob die Eigentümer der Grundstücke auch aussteigen könnten, falls ihnen zum Beispiel die Vergaberichtlinien nicht gefielen. Schwunck bejahte und erläuterte, dass es bei zwei Eigentümern tatsächlich schwerfiele, das Gebiet auch ohne sie zu entwickeln, bei anderen sei es immer noch möglich.
Ein anderer, mehrfach vorgebrachter Einwand betraf die Stettiner Straße als solche, die nicht sehr breit ist. Wie man dort den entstehenden Verkehr durchzuleiten gedenke, ob eine Einbahnstraße geplant sei oder warum man das neue Gebiet überhaupt dort anschließe und man keinen Wendehammer mache, waren die Fragen. Auch hier verwiesen die Verantwortlichen darauf, dass noch nicht klar sei, wie genau die Verkehrsführung sein werde.
Natürlich machten sich die Anwohner auch für den Erhalt des Waldes stark, der als Schutzwald auch Lärmschutz zur Straße hin biete. Dass dieser bei der Bebauung zu großen Teilen weichen müsse und ein anderer Wald weiter weg, auch wenn er „im selben Naturraum“ liegt, nicht dieselben Vorteile habe, war unwidersprochen. Günther Feickert stellte klar: „Objektiv bietet Wald überhaupt keinen Lärmschutz und der neue Wald wird natürlicher aufgebaut sein als der bestehende.“ Ein Lärmschutzgutachten müsse es in jedem Fall noch geben.
Noch keine Klarheit für Interessenten
Die Frage nach Sozialwohnungsbau in diesem Gebiet wurde von Bürgermeister Pötzsch ganz klar verneint. Die Frage nach Erbpachtgrundstücken konnte noch nicht beantwortet werden. Interessenten für das Baugebiet fragten auch nach Grundstücksgrößen und Quadratmeterpreisen. Darüber, so der Bürgermeister, könne zu einem so frühen Zeitpunkt noch keine Auskunft gegeben werden. Auch die Frage nach Plan B, wenn sich das Baugebiet West doch noch zerschlage, konnte nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Das einzige größere Gebiet sei der Gasteig, so Schwunck, der aktuell dem Freistaat gehöre. Der würde allerdings nur verkaufen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Falls alles nach Plan laufe, wären die Grundstücke in West 2022 bebaubar.