„Für Einbrecher völlig uninteressant“

von Redaktion

Museumsleiterin Elke Keiper über Sicherheit im Museum und ideelle Werte

Waldkraiburg – Einbrecher haben vergangene Woche im Grünen Gewölbe in Dresden Juwelen von unschätzbarem Wert gestohlen. Nach dem Raub stellt sich natürlich die Frage, wie den Tätern dieser spektakuläre Kunstraub gelingen konnte. Museumsleiter Elke Keiper spricht mit der Heimatzeitung nach dem Einbruch über das Thema Sicherheit im Waldkraiburger Stadtmuseum.

Nach dem Einbruch im Grünen Gewölbe in Dresden, wie geht man mit dem Thema Sicherheit um im Städtischen Museum?

Das Thema Sicherheit ist bei uns stets präsent. Da wird immer wieder nachjustiert, nicht nur nachdem eine solche Tat passiert ist. Nach allem was man bis jetzt weiß, hat es sich in Dresden wohl um hochprofessionelle Täter gehandelt, die unbezahlbare Kunstschätze entwendet haben. Da bin ich fast froh, dass wir mit unserem Museum vor allem ideelle Werte beherbergen. Unsere Sammlung ist als Zeugnis der Stadtgeschichte unverzichtbar, für einen Einbrecher aber völlig uninteressant.

Die Ausstellungen wechseln im Museum, wechseln damit auch die Sicherheitsvorkehrungen?

Hohe Standards sind für uns selbstverständlich. Das kann sogar dazu führen, dass an einem normalen Arbeitstag der Museumsalarm loslegt. Aber das ist auch gut so, denn sobald Leihgaben im Spiel sind, tragen wir eine zusätzliche Verantwortung: Nicht nur für die eigene Sammlung, sondern auch für fremdes Eigentum, das uns als Leihgabe anvertraut wurde.

Anfang des Jahres war bei der Ausstellung „Bloße Landschaft“ auch ein Werk von Paul Klee zu sehen. Gibt es in solchen Fällen Vorgaben, wie Werke zu schützen sind?

Bei unseren Ausstellungen arbeiten wir in der Regel nicht mit verlockenden Werten. Paul Klee war da eine Ausnahme, bei der wir selbstverständlich verstärkte, individuelle Sicherungsmaßnahmen vorgenommen haben.

Sind äußerst strenge Sicherheitsvorgaben auch ein Hindernis, bestimmte Ausstellungsstücke in Waldkraiburg zeigen zu können?

Tatsächlich könnten eher konservatorische Fragen ein Hindernis sein. Schließlich haben wir einen sehr hellen, lichten Ausstellungsraum. Aber solche Überlegungen, was wie geht, berücksichtigen wir bereits bei der Ausstellungsplanung.

Gab es schon mal den Versuch, dass jemand ins Museum einbrechen wollte? Oder ist es tatsächlich geglückt?

Nein, tatsächlich nicht. Allerdings ist unser Museumsdepot auch in einem atomsicheren Bunker untergebracht – der sollte nicht nur Strahlung, sondern auch einen Einbrecher abhalten.

Im Waldkraiburger Stadtmuseum gibt es keine Schätze wie im Grünen Gewölbe, aber jedes Ausstellungsstück hat seinen ganz speziellen, ideellen Wert. Welches Ausstellungsstück hat für Sie den größten Wert?

Bei den vielen, interessanten Objekten ist das nicht leicht zu entscheiden. Aber am liebsten sind mir die ganz unscheinbaren Dinge aus der frühen Nachkriegszeit. Als man aus irgendwelchem Abfall Alltagsgenstände anfertigten musste, weil es nichts anderes gab. Da hat sich zum Beispiel jemand ein hübsches, kleines Reiseschachspiel gebastelt. Toll, dieses Objekt – es zeigt, dass die Menschen selbst in Notzeiten nicht nur Nützliches haben wollen, sondern auch Spiel, Spaß. Eben ein Stück Kultur.

Im Grünen Gewölbe ist Schmuck gestohlen worden, dessen Wert sich bislang nicht beziffern lässt. Was ist das Wertvollste im Waldkraiburger Museum?

Bei uns gibt es nichts auch nur annähernd Vergleichbares, auch wenn wir das eine oder andere etwas teurere Glas aus dem 19. Jahrhundert beherbergen. Aber was würden Sie damit anfangen? Für solches Diebesgut gibt es keinen Markt.

Interview: Raphaela Lohmann

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