Waldkraiburg – Ein weiterer Schlag gegen die Drogenkriminalität ist der Kripo Mühldorf geglückt. Nach umfangreichen Ermittlungen haben die Beamten in der Nacht auf Montag zwei Albaner festgenommen. Sie sollen in der Region intensiv mit Heroin und Kokain gehandelt haben. Erst Ende August flog eine Gruppe von Rauschgifthändlern in Waldkraiburg auf. Der Fund: Ein Kilo Heroin und 80 Gramm Kokain. Als Tatverdächtige wurden ein Albaner ohne festen Wohnsitz und zwei Deutsche festgenommen – eine 36-jährige Frau und ein 30-jähriger Mann aus dem Raum Waldkraiburg.
500 Gramm Kokain
in der Wohnung
Über Monate hinweg hatten die Beamten zuvor ermittelt, dabei gerieten auch ein 35-Jähriger und ein 21-Jähriger aus Waldkraiburg in den Fokus der Polizei. Jetzt wurden auch diese beiden Männer festgenommen.
Aufgrund aktueller Entwicklungen und Erkenntnisse durchsuchten Beamten in der Nacht auf Montag die Wohnung des älteren Tatverdächtigen. Dabei fanden die Beamten ein halbes Kilogramm Kokain, der jüngere Mann wurde daraufhin sofort in einer anderen Waldkraiburger Wohnung festgenommen. Ob die Maßnahme im Zusammenhang mit einem Fund von 300 Gramm Heroin in Waldkraiburg am Sonntag steht, dazu konnte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nichts sagen.
Aufgrund der monatelangen Ermittlung geht die Polizei davon aus, dass die beiden Männer deutlich mehr als zwei Heroin und annähernd zwei Kilo Kokain verkauft haben. Dabei nutzten die Tatverdächtigen offenbar den Suchtdruck von schwer abhängigen Drogenkonsumenten aus, sodass diese beinahe täglich bei dem Jüngeren einkauften.
Beide Beschuldigte waren laut Polizei nicht ordentlich gemeldet. Der Ältere hielt sich mit falschem Namen in Deutschland auf – für seine richtigen Personalien bestanden bereits Abschiebehaftbefehle. Gegen den Jüngeren lag bereits ein Haftbefehl im aktuellen Verfahren vor.
Die Ermittlungen der Kripo unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein sind umfangreich und längst nicht abgeschlossen. „Mit der Festnahme gehen neue Türen auf“, sagt Stefan Sonntag, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Händler, Abnehmer und Vertriebswege gelte es jetzt zu ermitteln. Die jüngsten Festnahmen und Erfolge der Polizei würden zeigen, wie aktiv die Rauschgiftfahnder seien.
Durch die Festnahme der Drogenhändler könne der Markt in der Region erheblich gestört sein. Ob der Erfolg der Polizei auch von Dauer sei, werde sich aber erst zeigen. Neue Händler würden oft nachkommen. Und die Süchtigen würden sich eine neue Quelle suchen. Versiegt die regionale Quelle, wird die Sucht überregional gestillt.
Die beiden albanischen Staatsangehörigen wurden am Dienstag beim Amtsgericht Mühldorf vorgeführt. Der Ermittlungsrichter erließ beziehungsweise bestätigte die Haftbefehle.
Die Polizei weist darauf hin, dass Heroin mitunter die zerstörerischste Droge und nach wie vor die Schwerpunktursache aller Rauschgifttodesfälle ist. Wie groß die Drogenszene tatsächlich ist, darüber gibt es keine Statistiken. „Die Szene ist sehr konspirativ“, sagt Sonntag. Die Zahl der Drogentoten sei mit 20 im südlichen Oberbayern aber auf einem sehr niedrigen Stand.
Das Betäubungsmittelgesetz sieht für das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr und bis zu 15 Jahren vor.
Die Ermittlungen des K 4 der Kriminalpolizeistation Mühldorf wurden unterstützt und flankiert durch die Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, die Operativen Ergänzungsdienste Traunstein sowie der Polizeiinspektion Waldkraiburg.
Welchen Wert haben die Drogen? Die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht schreibt in ihrem Reitox Jahresbericht 2019, dass der Straßenverkaufswert 2018 für ein Gramm Heroin bei 44 Euro lag, für ein Gramm Kokain bei 70,30 Euro. Im Großhandel liegt der Kilopreis für Heroin bei 28000 Euro und für Kokain bei rund 43000 Euro.