Gars – Hier ist es kuschelig warm und angenehm, da richte ich mich häuslich ein, dachte sich wohl die vorerst namenlose Miezekatze, als sie das erste Mal in den Gewächshäusern der Klostergärtnerei in Gars übernachten durfte. An einem kalten Winterabend im vergangenen Jahr entdeckte Bruder Ulrich die Samtpfote, die ihm beim Gang durch die Gärtnerei nicht mehr von der Seite weichen wollte.
Chefin hält sich am
liebsten im
Kassenbereich auf
Der Klosterbruder brachte es natürlich nicht fertig, die Katze hinaus in die unwirtliche Nacht zu jagen. Vielmehr durfte sich das süße Fellknäuel in der Gärtnerei niederlassen. So wurde der Grundstein für eine innige Beziehung gelegt, was damals aber noch niemand ahnte.
Die nächsten Tage kamen ebenfalls frostig und schneereich daher. Die Katze machte deshalb keinerlei Anstalten, ihre neue Unterkunft wieder zu verlassen.
„Anfänglich stellten wir ihr nichts Fressbares hin, weil wir ja nicht wussten, ob sie irgendwo ein Heim hat und vielleicht nur gerne unterwegs ist“, erzählt Gärtnerei-Chef Julius Kagerer. Seine Angestellten schauten in Suchportalen im Internet genauso nach wie bei den Aushängen im ortsansässigen Supermarkt, ob in der Umgebung eventuell eine Katze vermisst wird. Die ganze Aktion verlief ergebnislos.
Und so zogen einige Wochen ins Land. Die zutrauliche Miezi eroberte sich die Herzen der Angestellten und vieler Kunden im Sturm. Hier ein bisschen kraulen und dort ein Leckerli verspeisen, so kann man durchaus leben, mutmaßte wohl die Katzendame und gähnte voller Wonne. Sie nahm sich vor, die Gärtnerei nicht mehr zu verlassen.
Beinahe hätte ihr aber der Schnittblumenfahrer, der jeden Morgen zur Gärtnerei kommt, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der brave Mann wollte die Katze nämlich gerne bei sich aufnehmen. So erschien er täglich eine ganze Woche lang mit einem Katzenkorb, um das Tier einzufangen.
Als hätte Miezi dieses Vorhaben geahnt, versteckte sie sich jedes Mal zielsicher, sodass der Blumenfahrer immer wieder mit leerem Korb abziehen musste. Jetzt stand für Julius Kagerer fest: Das ist ein Zeichen. Die Katze will bei uns bleiben. Sie stellt nichts an, wirft keine Blumentöpfe um und auch die Erdlager der Gärtnerei missbrauchte die kleine Tigerlady nicht als Katzentoilette. Beste Aussichten also für eine konfliktfreie Freundschaft.
Weil sich Miezi sehr gerne im Kassenbereich aufhält oder direkt neben der Kasse sitzt, wurde sie kurzerhand auf den Namen „Chefin“ getauft. Und als Chefin gibt man den Ton an, das versteht sich von selbst. Als ihren Lieblingsmenschen hat sich die Katzendame mittlerweile Julius Kagerer auserkoren. Mit ihm schmust sie am liebsten.
Weil man sich als Chefin alles erlauben kann, verbringt die Klosterkatze ihre Ruhezeiten überall da, wo sie es am schönsten findet. Mal schläft sie auf den Tischen zwischen den Blumen und am anderen Tag rollt sie sich in dem extra für sie zurechtgemachten Moos-Bett ein.
Hellwach ist Frau Miezi allerdings, wenn die vielen Schülerinnen und Schüler in der Früh und in der Mittagszeit mit den Bussen auf dem an der Gärtnerei angrenzenden Gelände des Gymnasiums an- und wegfahren.
Mieze katzelte
zweimal in der
Gärtnerei
Flugs spitzt die Chefin ihre Ohren und spaziert schnurstracks los in Richtung Bushaltestellen. Dort unter den vielen Schulkindern gefällt es der wohlgenährten Katze offenbar besonders gut.
Apropos Kinder: Die Chefin wurde schon zweimal Mutter. „Damit ist jetzt Schluss. Wir hatten im Dezember beim Tierarzt einen wichtigen Termin“, verrät Julius, der aber mit seinem Gärtnerei-Team bisher dafür sorgte, dass sämtliche Katzenkinder der Chefin hervorragende Plätze fanden. Nach der Sterilisation war die Süße ein bisschen wackelig auf den Beinen, „aber das regelt sich schon wieder bis zum neuen Jahr“ hofft Julius Kagerer.
Als Ausgleich für die Strapazen darf sich die Chefin jedoch auf ein ganz besonderes Essen freuen. „Ich überlege mir etwas“ verspricht der Gärtnerei-Leiter. Bruder Ulrich sieht die Katzengeschichte übrigens ziemlich pragmatisch: „Seit die Miezi bei uns wohnt, nehmen die Mäuse Reißaus“.