Waldkraiburg – Das neue Jahr mit lautem Knallen und Schießen zu beginnen hat eine lange Tradition. Schon in heidnischen Zeiten sollten mit Feuer und Lärm böse Geister vertrieben werden. Heute steht dieser Brauch immer mehr in der Kritik, denn Tiere und Umwelt leiden unter Krach und Müll. In Waldkraiburg ist das private Schießen nach wie vor uneingeschränkt erlaubt. Bereits im Februar hatte der Stadtrat über ein Böllerverbot an Silvester diskutiert und der Verwaltung den Auftrag erteilt, sich mit Möglichkeiten zu beschäftigen, wie man das Schießen eindämmen könne, eventuell auf freiwilliger Basis.
Die Stadtverwaltung Waldkraiburg hatte sich zwar intensiv damit auseinandergesetzt, war aber zu dem Entschluss gekommen, kein Verbot auszusprechen und kein öffentliches Feuerwerk anzubieten. Aus Umweltgründen wäre ein umsichtiger Umgang mit Böllern aber natürlich mehr als wünschenswert, heißt es aus der Verwaltung. Ob das reicht, um in Waldkraiburg weniger Böllerei zu erreichen, bleibt abzuwarten. Für Tiere und Umwelt wäre es mit Sicherheit eine gute Sache.
Starke Belastung für
Mensch und Tier
Zum Jahreswechsel 1998/99 wurden laut einer Umfrage deutschlandweit über 1000 Personen wegen eines Knalltraumas behandelt, denn Kracher können noch aus mehreren Metern Entfernung eine Lautstärke von 150 Dezibel erreichen. Die Schmerzgrenze liegt bei 120 Dezibel. Mancherorts ist die Verschmutzung so stark, dass Landwirte ihre Wiesen nicht mehr komplett davon reinigen können. Und rund zwei Prozent der freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland werden laut Umweltbundesamt nur in dieser einen Nacht freigesetzt.
Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender des örtlichen Bund Naturschutz, warnt eindringlich vor den Folgen, gerade für Tiere in der freien Natur: „Für viele Wildtiere, gerade für Vögel, ist das sehr problematisch. Die fliegen nachts auf, sind irritiert und brauchen dann zu viel zusätzliche Energie. Und man findet natürlich den Müll noch lange nachher überall.“ Vor diesem Hintergrund wäre der Naturschützer froh über jeden Verzicht und wenn es denn gar nicht anders ginge, dann wäre ein zentrales Feuerwerk die bessere Alternative. „Das Geld dafür sollte man sich aber am besten ganz sparen und lieber für wohltätige Zwecke spenden.“
Manuela Gyimes vom Tierheim in Pürten kennt das Leid der Haustiere, auch wenn diese es immerhin noch etwas besser hätten als Wildtiere. Zu Hause würden sie immerhin von ihren Menschen beruhigt und betreut. „Für die Tiere ist das eine richtige Katastrophe, denn sie hören es bedeutend lauter als wir Menschen. Wir hatten schon Hunde, die wollten vor lauter Panik über die Boxen klettern. Deshalb sind bei uns an Silvester immer zwei Mitarbeiter über Nacht im Einsatz.“ Auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins plädiert für ein zentrales Feuerwerk, dann würde nicht schon vormittags überall geschossen werden. Auch dass Feuerwerk derart frei verkäuflich ist, sieht sie kritisch. „Man sollte das nicht einfach an jeden verkaufen oder viel teurer machen, immerhin passieren auch sonst genug Verletzungen damit.“
In manchen Städten gibt es deshalb „Abbrennplätze“ oder teilweise Verbote, zum Beispiel in historischen Stadtkernen. Andere haben mit Alternativen gute Erfahrungen gemacht. Durch das Angebot eines zentralen Feuerwerks, eines speziellen Kinderfeuerwerks schon am Nachmittag oder auf Basis von freiwilligem Verzicht konnte das private Böllern merklich eingeschränkt werden.
Alternativen zu
Feuerwerk bieten
Dass eine solche Tradition zu verbieten bei Menschen auf Ablehnung stößt, ist nachvollziehbar. Kompromisse zwischen einem kompletten Verbot und dem uneingeschränkten Schießen sind aber in vielen Orten getestet und für gut befunden worden. Waldkraiburg wird auf einen solchen Kompromiss zwischen traditionellem Anschießen des neuen Jahres und dem erwachenden Umweltbewusstsein aber wohl noch etwas warten müssen.sub