Waldkraiburg – Schlechte Noten, Streit mit der Freundin oder Ärger daheim – bei Jugendlichen läuft nicht immer alles rund. Da tut es gut, jemanden zum Reden zu haben. Das Gymnasium Waldkraiburg hat die soziale Beratung seit dem neuen Schuljahr um die Stelle der Schulsozialarbeit erweitert. Sozialpädagogin Annette Neumann hat die Aufgabe übernommen.
Es ist keineswegs so, dass es am Gymnasium keine soziale Beratung für Schüler gibt. Klassenlehrer, Vertrauenslehrer, Aufsichten und ein Schulpsychologe – die Schule ist breit aufgestellt. Mit Beginn des neuen Schuljahres hat Annette Neumann die Schulsozialarbeit als weiteren Baustein am Gymnasium übernommen. In einem Punkt unterscheidet sie sich von den Lehrern: „Ich bin nicht an den Gong gebunden.“ Damit hat sie Zeit für die Schüler – ihre Tür steht immer offen. Sie ist Sozialpädagogin und kein Lehrer und nimmt daher eine andere Rolle ein.
Schulsozialarbeit bislang nicht etabliert
Schulsozialarbeit ist bislang an Gymnasien nicht etabliert, doch die Schulen haben über Mittel zur eigenen Bewirtschaftung die Möglichkeit, Betreuungspersonal einzustellen. 16 Wochenstunden stehen dafür zur Verfügung, befristet ist die Stelle auf ein Jahr. Maximal um ein Weiteres kann sie verlängert werden. „Der Wunsch ist, dass sich die Schulsozialarbeit am Gymnasium etabliert. Präventionsarbeit zahlt sich aus“, sagt Schulleiter Helmut Wittmann. Den Bedarf jedenfalls gebe es.
Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts seien 2018 knapp 17 Prozent aller Kinder und Jugendlichen verhaltensauffällig gewesen. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Solch hohe Zahlen gibt es am Gymnasium nicht, trotzdem will die Schule ihren Schülern ein entsprechendes Angebot machen.
„Schulsozialarbeit am Gymnasium bedeutet nicht, dass Mobbing hier ein großes Problem ist“, sagt Annette Neumann. Notendruck, Hobbys und Schule unter einen Hut bringen oder die Anforderungen der Eltern – Gymnasiasten haben auch Sorgen und Ängste. „Manche Schüler brauchen jemanden zum Reden. Man merkt ihnen die Zerrissenheit bezüglich Freunde, Hobby und Schule an. Oder sie haben das Gefühl allein zu sein.“
Annette Neumann ist präsent am Gymnasium: Zum Stundenwechsel und in den Pausen ist sie im Schulhaus unterwegs – immer mit einem netten Wort oder einem aufmunternden Blick für die Schüler. An vier Vormittagen ist Annette Neumann jeweils vier Stunden an der Schule. Von der fünften bis zur zehnten Klasse hätten schon Schüler das Gespräch mit ihr gesucht. Manche kommen aus eigenem Antrieb, andere hingegen werden von der besten Freundin überredet.
Annette Neumann sucht mit den Schülern gemeinsam nach einer Lösung. „Im Gespräch versuche ich rauszuhören, wo die Antwort für das Problem beim Kind ist. Denn nur wenn der Schüler die Lösung selber findet, wird er diesen Weg gehen.“
Die Sorgen der Schüler sind bei ihr sicher. Alle Gespräche unterliegen der Schweigepflicht – eine Frage, die manchen Schüler im Vorfeld umgetrieben hätte. Doch die Schulsozialarbeit hat auch ihre Grenzen. Bei schwerwiegenderen Problemen vermittelt sie in Absprache mit dem Schüler an eine spezialisierte Beratungsstelle. „Therapeutische Gespräche sind in der Schule nicht zu leisten.“
„Stille Pause“
für die Schüler
Neben einer individuellen Beratung unterstützt Annette Neumann die Lehrer auch bei laufenden Projekten. Vorhandenes unterstützen und die Möglichkeiten erweitern, fasst es Helmut Wittmann knapp zusammen. Eines der ersten Projekte war, Schülerinnen beim Aufbau des Arbeitskreises „Schüler helfen Schülern“ zu unterstützen.
Eine Idee war, eine „Stille Pause“ einzurichten, in der die Schüler die Ruhe genießen und ihre Gedanken ordnen können. Im Dezember war zum ersten Mal geöffnet. „Der Raum war ziemlich voll, aber es war leise“, freut sich Annette Neumann.