Streit um Gewerbegebiet

von Redaktion

Landratsamt beurteilt fünf Alternativen – Bürgerbegehren geplant

Aschau – Die Gemeinde will ein Gewerbegebiet realisieren, doch die Kritik ist groß. Aber gibt es einen besseren Standort? Dieser Frage ging die Gemeinde nach und bat das Landratsamt um eine Stellungnahme. Eine Fläche scheidet aus, bei allen anderen Flächen müssen Abstriche gemacht werden.

Bei einer Infoveranstaltung voriges Jahr hatte es Bürgermeister Alois Salzeder (AWG) deutlich gemacht: Die Möglichkeiten für ein Gewerbegebiet sind eingeschränkt. Schutzzonen um Industriebetriebe, das Kiesabbaugebiet, Hochspannungsleitung und die Erdgaspipeline schränken die Suche rund um Aschau-Werk ein. Im Nachgang hatte die Gemeinde das Landratsamt um eine Beurteilung von fünf Alternativstandorten gebeten. Die fast vierseitige Stellungnahme fasste Salzeder im Gemeinderat zusammen.

Die Fläche 4
scheidet aus

Aus Sicht des Immissionsschutzes sind laut Landratsamt alle Flächen möglich. Von vornherein scheidet Fläche 4 aus, weil sie vollständig in den Schutzkreisen zu den Explosivstofflagern liegt. Weder Wohnbebauung noch Gewerbebetriebe sind möglich. Fläche 2 befindet sich zum Teil im angemessenen Sicherheitsabstand zur ZF-TRW gemäß Störfallverordnung, der jedoch bei Gewerbegebieten nicht angewandt wird. Ähnlich verhält es sich bei Fläche 3. Schutzkreise zu den Explosivstoffträgern werden nach Einschätzung des Landratsamtes „nicht tangiert“. Aus ortsplanerischer Sicht favorisiert das Landratsamt Fläche 5 nicht, weil sie sich vom Ort weg entwickelt.

Mit Altlasten im Boden ist auf Fläche 1 zu rechnen. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Kiesgrube, die nach Kriegsende stillgelegt wurde. Wie sehr der Boden belastet ist, kann das Wasserwirtschaftsamt aktuell nicht einschätzen. Bei einer Untersuchung von 1991 wurden Proben analysiert, die „erhöhte Werte bei einigen Schwermetallen zeigten (Arsen und Vanadium) und Nitrocellulose nachgewiesen wurde“. Eine Nutzung als Gewerbegebiet schließt dies nicht aus, ist im Sinne eines Flächenrecyclings sogar zu begrüßen. Dazu brauche es aber vorab eine Altlastenuntersuchung hinsichtlich sprengstofftypischer Verbindungen. Zusatzkosten hinsichtlich Gründung, Niederschlagsentwässerung und Entsorgung von Bodenaushub könnten auftreten.

Der nördliche Teilbereich sei aus naturschutz-fachlicher Sicht zu bevorzugen aufgrund der Vorbelastung durch die beiden Straßen. Im südlichen Teilbereich müssten die Belange der Offenlandbrüter berücksichtigt werden. Dies trifft auch auf Fläche 2 zu.

Das Gutachten ändert an der Meinung von Bürgermeister Alois Salzeder nichts. „Thann Nord und Süd sind die besten Standorte.“ Dafür sprechen für ihn mehrere Gründe: Die Alternativgrundstücke sind nicht zu erwerben, in Thann gibt es eine gute Verkehrsanbindung und die Trennung von Gewerbe und Industrie. Im geplanten Gewerbegebiet sollen in Teilbereichen Wohnungen möglich sein, im Industriegebiet lässt sich dies nicht umsetzen.

Für Daniela Reingruber (CSU) kein Grund, Fläche 2 nicht weiter zu verfolgen. „Es steht nirgends, dass ein Gewerbegebiet dort nicht möglich ist. Wenn die Wohnungen das Ausschlusskriterium sind, dann sollten wir darüber reden.“ Gerade in der Kombination zwischen Gewerbe und Wohnen sehen Thomas Wintersteiger (CSU) und Lukas Salzeder (CSU) einen großen Vorteil.

Hohe Kosten
für Aufbereitung

Auch wenn das Landratsamt auf Fläche 1 Gewerbe für möglich hält, Zweiter Bürgermeister Manfred Römer (SPD) schließt diese kategorisch aus: „Flächenrecycling – das bedeutet hohe Kosten für die Aufbereitung.“ So sah es auch Walter Kirsch (SPD), der auch die Trennung vom Industriegebiet für nötig hält: „Wir diskutieren über Grundstücke, mit denen man die Industrie einschränkt.“

Auf einer Fläche von acht Hektar will die Gemeinde bei Thann ein Gewerbegebiet ausweisen. Fünf Hektar sind im Besitz der Gemeinde, die diese Fläche innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre entwickeln will. Der Bürgermeister widersprach Befürchtungen: „Es gibt keine Begründung, um mit Waldkraiburg zusammenzuwachsen.“ Die Gemeinde entscheide.

Bürgerbegehren soll Planung stoppen

Lisa Sieber hatte bereits zu verschiedenen Gelegenheiten ein Bürgerbegehren angekündigt. Jetzt sei alles dafür vorbereitet, um die Planungen doch noch zu stoppen, sagte sie im Gemeinderat. Anstatt in den ländlichen Charakter und das Landschaftsbild der Gemeinde einzugreifen, sollen Flächen im Industriegebiet genutzt werden. Außerdem sollten vorrangig Flächen im Anschluss an das Industriegebiet oder an das neue Umspannwerk in Betracht gezogen werden. Damit werde die Infrastruktur am Kreisverkehr Aschau-Werk vermehrt genutzt, und die verkehrstechnische Belastung für den Ort Aschau würde sich verringern. Auch die Nutzung leerstehender Gebäude als Entwicklung für Gewerbe sollte berücksichtigt werden. Neben Lisa Sieber hat auch Gemeinderat Harald Rösler (AWG) als Vertreter auf dem Antrag unterzeichnet. Der Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans hatte er voriges Jahr noch zugestimmt. Wieso er seine Meinung diesbezüglich geändert hat, darüber wollte er gestern keine Auskunft geben.

Bürgermeister Alois Salzeder (AWG) kündigte in der Sitzung an, dass die Gemeinde den Antrag prüfen wird.hi

Artikel 4 von 11