Waldkraiburg – Von dieser Zahl ist auch Robert Heinfeldner, der Leiter des Einwohner-, Pass- und Meldeamtes im Rathaus, überrascht: 25461 Waldkraiburger und Waldkraiburgerinnen weist die aktuelle Einwohnerstatistik zur Jahreswende aus – weniger als im Vorjahr. Damals waren es 25526. Angesichts der regen Bautätigkeit in der Stadt kommt diese Entwicklung nach dem stetigen Anstieg der Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren unerwartet.
2019: Viel geplant und
gebaut, aber wenig
fertiggestellt
Die geringere Zahl an Bewohnern in der Erstaufnahme-Dependance ist nur ein Teil der Erklärung. Es könnte auch dafür sprechen, dass ein Großteil neuer Wohnungen durch Umzüge innerhalb von Waldkraiburg belegt werden und – entgegen vieler Prognosen – nicht aus dem Münchner Raum.
Werner Meisenecker, Geschäftsführer der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft (WSGW), bestätigt: Bislang sei die Nachfrage aus München „nicht so gewaltig“. Die WSGW, einer der großen Vermieter in der Stadt, habe einen hohen Anteil an Wohnungen für einkommensschwache Mieter. Die Nachfrage aus dem Münchner Raum sei deshalb eher gering, werde aber bei privaten Vermietern und Bauherren, die Eigentumswohnungen anbieten, sich sicher verstärken.
Der geringfügige Rückgang der Einwohnerzahl dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass 2019 wenige Wohngebäude fertiggestellt wurden. Erst Ende 2020/2021 werde die WSGW fast 140 neue, auch frei finanzierte Wohneinheiten übergeben und damit ihren Bestand auf 1270 eigene Mietwohnungen erhöhen. Dazu kommen 500 Mietwohnungen, die die Genossenschaft in Fremdverwaltung betreut.
Denkbar ist laut Stadtbau-Geschäftsführer Martin Reitmeyer auch, dass es eine gewisse Abwanderung gebe, weil zwar viel gebaut werde, aber die Wohnungen noch nicht zur Verfügung stehen.
Die rege Bautätigkeit in der Stadt werde in der aktuellen Bevölkerungszahl noch nicht abgebildet, glaubt auch Georg Duschl von der gleichnamigen Bau-Betreuungsgesellschaft. Die 18 Eigentumswohnungen, die er im Dezember 2019 übergeben habe, „schlagen in der Statistik nicht auf“, so Duschl. Ähnlich sei dies wohl auch bei anderen Anbietern. 2020 und 2021 will der Bauträger weitere 75 Eigentumswohnungen fertigstellen. Seine Erfahrungen bisher: Etwa die Hälfte der Interessenten kommt aus dem Einzugsgebiet München, die andere Hälfte aus Waldkraiburg und Umgebung.
Nach Rekordjahren
wieder
weniger Geburten
Gesunken ist auch die Zahl der Geburten (219), um etwa zehn Prozent nach den Rekordjahren 2017 (240) und 2018 (243). Die Zahl der Sterbefälle ist – mit 313 (2018: 336) – unverändert deutlich höher.
Der Zuzug aus dem EU-Ausland bleibt auf einem hohen Niveau. Dies gilt insbesondere für Rumänien. Diese Gruppe (Deutsche, die auch einen rumänischen Pass haben, sind darin nicht enthalten; Anm. d. Red,) hat mit mittlerweile 1406 Personen auch die traditionell starke türkische Kommunität klar überflügelt (877). Die drittgrößte Gruppe kommt weiterhin aus Ungarn (691). Viele Arbeitnehmer aus Südosteuropa arbeiten in den Schlachthöfen im Landkreis oder in anderen Niedriglohnbereichen wie der Paketzustellung.
Insgesamt ist der Anteil von ausländischen Staatsangehörigen an der Stadtbevölkerung noch einmal leicht gestiegen, auf 5949 Personen. Das entspricht 23,37 Prozent.
Erstmals mehr als
100 Nationalitäten in
der Stadt vertreten
Die Zahl der Herkunftsländer ist 2019 noch einmal gestiegen. 103 Nationalitäten sind neben der deutschen derzeit in der Stadt vertreten – Waldkraiburg ist also wie die Welt im Kleinen.