Kraiburg – Die Brandursache ist klar. Ein technischer Defekt hat nach Einschätzung der Ermittler das Großfeuer auf dem landwirtschaftlichen Anwesen im Kraiburger Ortsteil Gänsberg ausgelöst, das am vergangenen Freitag eine halbe Million Euro Schaden verursacht hat. Seit Mittwoch, 16 Uhr, hat die Kripo den Brandort freigegeben. Jetzt kann die Familie Oberbacher die Aufräumarbeiten fortsetzen. Und sie ist dabei nicht allein. Gestern halfen Verwandte und Nachbarn mit, um die abgebrannten Gebäudeteile des Vierseithofes zu räumen und abzudecken und weitere Schädigungen zu vermeiden.
„Nix ist mehr wie früher“, sagt Monika Oberbacher, „alles nur noch Chaos“ in der Fletz des Wohnhauses, das die Feuerwehren zum Glück retten konnten. Dabei sah es eine Weile kritisch aus. Denn die Wasserversorgung konnten die Einsatzkräfte für einen Brand dieser Größe, der zwei Gebäude des Vierseithofes in Schutt und Asche legte, nur mit größter Mühe sicherstellen.
Panne bei der Alarmierung
Schon bei der Alarmierung gab es eine Panne. Die Feuerwehren wurden ursprünglich ins nahegelegene Gänsberg 1, dem gleichnamigen Ortsteil in der Nachbargemeinde Jettenbach geschickt. Dass es nicht dort, sondern in Gänsberg 1, Gemeinde Kraiburg, brannte, war für die anrückenden Feuerwehren zwar unübersehbar. Doch für dieses Anwesen braucht es eine andere Alarmierungsstufe. Das Kraiburger Gänsberg hängt nicht an der öffentlichen Wasserversorgung. Die Versorgung von der Wuhrmühle aus reicht bei einem solchen Ereignis nicht aus.
Löschweiher hat
nicht gereicht
Auf der Anfahrt setzte Günther Stuiber, Kraiburger Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter, die Nachalarmierung für den Löschwassertransport ab. Das war bitter nötig, denn: „Unser Löschweiher war in Nullkommanichts leer“, sagt Monika Oberbacher.
Der Löschweiher eines Nachbaranwesens musste angezapft werden. In wenigen Minuten habe die Feuerwehr 500 Meter Schlauchleitung zum Oberbacherhof gelegt. Und die Feuerwehren aus Kraiburg und Grünthal sowie einige Nachbarn mit Güllefässern karrten immer neue Wasserfuhren in das in Brandnähe aufgebaute Reservoir.
„Was die Feuerwehren geleistet haben, ist unglaublich“, sagt Oberbacher. „Manche waren barfuß in den Stiefeln.“ Am längsten hielten die Kraiburger aus, die 30 Stunden blieben. „Am Samstag um 18 Uhr haben sie sich verabschiedet.“
Ein dickes Lob für diesen Einsatz, insbesondere für den Kommandanten Günther Stuiber, der erst seit Kurzem im Amt ist, gab es dann auch in der Gemeinderatssitzung von Bürgermeister Herbert Heiml. Er schloss alle Helfer ein, die in diesen Tagen Unterstützung leisteten.
Die Oberbachers sind überwältigt von der großen Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. „Frauen kamen mit Kaffee und Süßigkeiten. Das hat das ganze Wochenende nicht aufgehört.“ Der Arbeitgeber von Peter Oberbacher stellte Maschinen für die Aufräumarbeiten zur Verfügung. Eine Waldkraiburger Bäckerei schickte kostenlos frisches Brot und Brezen, um die Feuerwehrleute zu verpflegen. „Ich habe dort noch nie eingekauft.“ So viel Anteilnahme treibt Monika Oberbacher die Tränen in die Augen. So gut es geht, haben sich die Oberbachers wieder eingerichtet. Das Wohnhaus blieb unbeschädigt. Eine Notheizung sorgt dafür, dass man es dort aushalten kann.
Die Ermittlungen zur Brandursache haben ergeben, dass das Feuer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aufgrund eines technischen Defekts ausgebrochen ist. Das teilte gestern das Polizeipräsidium in Rosenheim mit: „Es ergaben sich keinerlei Hinweise auf eine vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung.“
Wohnhaus wird mit Notheizung beheizt
Die Brandermittler der Kripo Mühldorf, die von Beamten der Spurensicherung und einem externen Gutachter unterstützt wurden, stellten den Defekt an Gerätschaften im Bereich eines Blockheizkraftwerks fest. „Das defekte Teil wurde gefunden. Das war uns sehr wichtig“, sagt Peter Oberbacher.
Rund 500000 Euro beträgt der Gesamtschaden. Jeden Tag kommt den Oberbachers was Neues unter, das bei dem Brand in Rauch aufging, Werkzeuge und Geräte. „Do werd no mehra vierakemma“, sagt der Nebenerwerbslandwirt. Auch das neue Radl von Sohn Peter hat’s erwischt. Er hat schon ein neues bekommen. Wenn sich nur alles so schnell ersetzen ließe.
Der Wiederaufbau der beiden Gebäude, die in Flammen aufgingen, wird länger auf sich warten lassen. Oberbacher ist Neuwert-versichert. Jetzt sind die Gutachter und Gebäudesanierer an der Arbeit, um die Schadensbilanz zu ziehen.