Waldkraiburg – Am 15. Januar 2020 jährte sich zum 75. Mal der Beginn der Deportation Tausender Deutscher aus dem Banat, aus Siebenbürgen und anderen Teilen Südosteuropas als Zwangsarbeiter in die Sowjetunion. Aus diesem Anlass waren sechs Fahnenabordnungen, eine Banater Bläsergruppe, Ehrengäste und weitere Zuhörer zum Mahnmal der Vertreibung in die Prager Straße gekommen, um der Opfer dieser menschenverachtenden Verschleppung zu gedenken, Unter ihnen waren auch die zwei Überlebenden Matthias Roth und Maria Flickinger.
Deportation sogenannter Volksdeutscher
In seiner Gedenkrede stellte Georg Ledig, Kreisvorsitzender der Banater Schwaben, heraus, dass das besetzte Rumänien 1945 fester Bestandteil der sowjetischen Einflusssphäre wurde und sich sofort Gerüchte verbreiteten, dass als Reparation für die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs „Volksdeutsche“ in die UdSSR deportiert werden sollten: „So wurden die Vermutungen für 33000 Banater Schwaben, 30336 Siebenbürger Sachsen und 5000 Sathmarer Schwaben tragische Wahrheit.“
Man nahm dabei keine Rücksicht auf die Zurückgelassenen, auch nicht auf nun elternlose Kinder. Sie überließ man den Großeltern oder fremden Familien. Selbst aktive Kommunisten mit deutschstämmigem Hintergrund erlitten dieses Schicksal. In der rumänischen Parteizeitung hieß es lapidar: „Dies sind Männer zwischen 16 und 45 Jahren und Frauen zwischen 18 und 30, außer Müttern mit Kindern unter einem Jahr.“
Die Reise ins Ungewisse ging in die sowjetischen Kohle- und Industriereviere. In den dortigen Lagern waren die hygienischen Bedingungen katastrophal, Tee und Krautsuppe bildeten die Hauptmahlzeiten, die tägliche Arbeitszeit, teilweise bei minus 40 Grad, betrug zwölf Stunden.
Dazu stellten sich Krankheiten wie Typhus und Wassersucht ein, und immer wieder hörten die Deportierten das Versprechen: „Skoro pajedete dornoj“ – „Bald geht es nach Hause“, um Hoffnung zu wecken.
Doch es dauerte noch viereinhalb Jahre, bis man die Heimat wiedersah. Lange breitete sich aus Angst vor Repressalien ein Mantel des Schweigens über dieses harte Schicksal. Erst 50 Jahre nach der Deportation fand unter Sozialministerin Barbara Stamm eine gemeinsame Gedenkveranstaltung statt.
Als die rumänische Regierung 1990 ein Gesetz zur Entschädigung einbrachte, löste dies den Beginn der Auswanderung der Deutschen aus Rumänien aus.
Georg Ledig verwies zum Abschluss auf den Roman „Atemschaukel“ der Banater Schriftstellerin Herta Müller, die dafür 2009 den Literaturnobelpreis erhielt. In ihm schildert sie die Geschichte von Oskar Pastior, einem Siebenbürger Landsmann, der auch zur Zwangsarbeit deportiert wurde.
„Diese Veranstaltung soll keine Wunden aufreißen. Wir wollen der Opfer gedenken und mahnen, dass solches Unrecht nie mehr passiert“, so Georg Ledig.
Pater Walter Kirchmann bezog im Gebet zusammen mit allen Anwesenden besonders die Menschen in der heutigen Zeit ein, die sich für Versöhnung und Frieden einsetzen.
Dem schloss sich Bürgermeister Robert Pötzsch an: „Wir können nicht Teile der Vergangenheit aus unserem Erinnern ausblenden. Mit den Erkenntnissen aus der Geschichte müssen wir eintreten für eine tolerante, offene, bunte Gesellschaft mit dem Willen zum friedlichen Zusammenleben. Deshalb sind solche Gedenkfeiern notwendig.“
Landrat Georg Huber betonte, dass gerade Gedenkfeiern der Mahnung ein Gesicht gäben. Denn: „Erinnerungsarbeit ist ein Stück Versöhnung, ist die Musik, die Zukunft zu hören. Die Zurückgekehrten fanden nicht mehr die Heimat, die sie verlassen hatten. Sie aber begründeten mit anderen den heutigen guten Zusammenhalt, sie haben alles mit eingebracht in ihre neue, noch fremde Heimat Deutschland.“
Erinnerungskultur
ist richtig
und wichtig
In zahlreichen Gesprächen sei er immer wieder auf die Diskussion Jüngerer mit Älteren gestoßen, so der Landtagsabgeordnete Dr. Marcel Huber. „Die einen verweisen auf die gute Aufnahme, die man in der Bundesrepublik erfahren hat, viele Jugendliche hingegen sind der Meinung, dass man solche Gedenktage nicht mehr brauche. „Das ist ein Irrtum. Vor allem sollten die, welche sich nicht erinnern wollen, überzeugt werden, dass sich die Beziehungen zu den Staaten im Osten Europas verbessern müssen, denn sonst könnten wir wieder in einer Diktatur enden.“