Rätsel um die „Wochenendbrände“

von Redaktion

Unglücksserie verunsichert Menschen in Pürten: Wer hat die Feuer gelegt?

Waldkraiburg – Keine Zeugenaussagen, offenbar noch keine zielführenden Erkenntnisse aus den Ermittlungen heraus, noch keine Hinweise auf einen mutmaßlichen Brandstifter: Zehn Monate nach dem Beginn der Pürtener Brandserie tappt die Polizei im Dunkeln. Was auffällt: Es brennt meist am Wochenende.

So wie am Freitagabend im Waldkraiburger Ortsteil Rausching. Meterhohe Flammen schlugen aus dem Dachstuhl eines 400 Jahre alten Bauernhauses. Zum Glück ist es unbewohnt. Rund 150 Feuerwehrleute aus dem gesamten Umkreis tun dennoch alles, um das alte Haus zu retten. Unter anderem legen sie mühselig eine lange Schlauchleitung zum nächstgelegenen Hydranten – in einer Entfernung von 500 Metern. Der Schaden: rund 150000 Euro.

„Es gibt keine heiße Spur“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Süd auf OVB-Anfrage mit. Eine Ermittlungsgruppe sei nicht eingerichtet worden, drei Beamte seien mit den Ermittlungen befasst. Leider brachten auch wiederholte Zeugenaufrufe keinen Erfolg. Der gemeinsame Nenner – unbewohnte, wenn nicht gar abgelegene Gebäude, der zeitliche Zusammenhang, vor allem aber die Nähe zu Pürten – nähren den Verdacht auf Brandstiftung in Serie. In drei Fällen sehen die Ermittler offenbar deutliche Hinweise auf ein vorsätzlich gelegtes Feuer.

Das Muster
der Serie

Vor allem bei Vollbränden gestaltet sich die Untersuchung der Brandfahnder jedoch nicht einfach. Man gehe erst einmal von dem Punkt aus, an dem die höchsten Temperaturen geherrscht hatten, nachweisbar etwa durch Verrußung. Indizien auf eine Brandstiftung wären etwa Aufbruchsspuren oder mehrere Brandherde. Als sicherer Hinweis gelten auch sogenannte Brandbeschleuniger. Sie sind beispielsweise in Materialproben nachweisbar, durch Detektionsgeräte oder durch Brandmittelspürhunde. Bei Bränden wie zuletzt in Rausching schließt die anschließende Einsturzgefahr den Einsatz der Hunde aus.

Von 29. März 2019 bis 17. Januar 2020 brachen im Umkreis weniger Hundert Meter um Pürten herum acht Brände aus. Von diesen acht Bränden innerhalb eines Dreivierteljahres brachen sechs an einem Wochenende aus. Die Flammen lodern aus unbewohnten Gartenhütten, Scheunen, Hallen, Der Brand am 10. Januar in Gänsberg konnte mittlerweile auf einen technischen Defekt zurückgeführt werden.

29. März 2019: 200000 Euro Schaden richtet ein Feuer an, das in der Nacht von Freitag auf Samstag eine landwirtschaftliche Halle in der Nähe des Innkanals zerstört. Trotz des schnellen Einsatzes der Wehren wird eine landwirtschaftliche Halle, in der neben Bau- und Heizmaterialien auch landwirtschaftliche Maschinen und Geräte eingestellt sind, zerstört. Die Feuerwehren können ein Übergreifen der Flammen auf eine angrenzende Scheune weitgehend verhindern.

6. April 2019: Es brennt eine Gartenhütte, auf 10000 Euro wird der Schaden geschätzt.

14. April 2019: Sonntagabend kurz nach 22.30 Uhr. Die Feuerwehren aus St. Erasmus und Pürten werden alarmiert, um einen Brand zu löschen. In Pürten steht ein Holzschuppen in Flammen – nicht weit entfernt von der Innkanalbrücke. Fahnder gehen „sehr sicher“ von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Schaden: 5000 bis 10 000 Euro.

4. Juli 2019: In den frühen Morgenstunden bricht ein Brand aus, der 60000 Euro Sachschaden verursacht. Die Lagerhalle eines Entsorgungsunternehmens, in der Sperrmüll und andere Gegenstände, die bei Entrümpelungen anfallen, brennt teilweise nieder, die Flammen haben außerdem den gesamten Dachstuhl erfasst. Ist es Brandstiftung? Die Polizei ermittelt.

14. August 2019: Ein 19-Jähriger sieht an diesem Mittwoch gegen 22.50 Uhr Rauch aus dem Gartenhäuschen eines Anwesens in Pürten aufsteigen. Die sofort alarmierte Feuerwehr kann die Flammen schnell löschen und somit einen größeren Schaden verhindern. Vorsätzliche Brandstiftung ist nicht auszuschließen.

29. September 2019: Rund 40000 Euro Schaden. Auf diese Summe schätzt die Polizei den Schaden durch ein Feuer nahe Pürten, dem an einem Freitagabend ein landwirtschaftlicher Unterstand zum Opfer fällt. Zerstört werden dabei landwirtschaftliche Anhänger. Die Polizei legt sich fest: „Vieles deutet in diesem Fall auf ein Brandstiftungsdelikt hin.“

17. Januar 2020: Ein Feuer bricht in einem 400 Jahre alten Bauernhaus im Waldkraiburger Ortsteil Rausching aus. Schaden: Rund 150000 Euro. Wieder ist es ein Freitag, wieder lodern die Flammen aus einem unbewohnten Gebäude, wieder nahe Pürten.

Anwohner und Einsatzkräfte der Feuerwehr wollen nicht mehr an einen Zufall glauben. „Wir sind dazu da, zu löschen“, sagt Michael Heindl von der Feuerwehr Pürten. „Aber es schmerzt, wenn wir quasi durch den brennenden Reifen springen müssen, nur weil jemand denkt, er will seinen Spaß haben.“ Er befürchtet Auswirkungen auf die Stimmung in seiner Mannschaft. „Solange da nichts geklärt ist, flackern bei so was immer Gerüchte auf. Es nervt! So lange es keine Anhaltspunkte gibt, sind das alles Spekulationen, und daran beteilige ich mich nicht.“

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