Gars –Praxisnahe und kompetente Information zu Ausbildung und Berufswahl nach dem Abitur bot das Gymnasium Gars seinen Oberstufenschülern mit dem Neujahrsempfang des Bildungspakts. Sporthalle und Aula boten dem großen Publikum aus Schülern, Lehrern, Eltern sowie den Vertretern der ausstellenden Firmen mit ihren Informationsständen gerade noch Raum.
Unter den 23 Ausstellern der „Bildungsmesse“ fanden sich sowohl sachkundige Vertreter von öffentlichen Bildungseinrichtungen und Behörden als auch von Firmen der Region, die Ausbildungsplätze anbieten. So konnten sich die Oberstufenschüler, die im Rahmen ihrer berufsbezogenen Seminare Arbeitsaufträge abarbeiteten, über ein breit gefächertes Angebot an späteren Betätigungsfeldern in der Gesellschaft informieren.
Soziales, Medien und
Wissenschaft im
Fokus der Vorträge
Drei Bereiche wurden den zukünftigen Abiturienten von ehemaligen Absolventen des Gymnasiums in anspruchsvollen, aber praxisnahen Präsentationen vor Augen geführt: Für den sozialen Bereich stand die Arbeit mit behinderten Kindern, für den Bereich Medien die Praxis einer TV-Produktionsfirma und für den Bereich Naturwissenschaft und Technik die Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft.
In seiner Begrüßung stellte Schulleiter Gunter Fuchs mit Genugtuung fest, dass die Erfolgsgeschichte des Bildungspaktes durch zwei hinzugekommene Firmen erneut unter Beweis gestellt werde. Auch würden nun schon seit vier Jahren ehemalige Abiturienten den heutigen Schülern Anregungen zu Ausbildung, Studium und späterem Berufsleben geben. „Es ist schön, zu sehen, wie jeder seinen Weg gegangen ist“, so der Schulleiter.
Nach Songs des Vokalensembles berichtete Martin Bentenrieder, Abiturjahrgang 1996, über seinen beruflichen Werdegang, der ihn von einem begonnenen Elektrotechnik-Studium über ein Praktikum in der Franziskus-Schule Au zum Lehrer und stellvertretenden Schulleiter der Makarius-Wiedemann-Schule der Stiftung Attl führte. Anschaulich und mit Empathie schilderte er die Besonderheiten der Einrichtung mit Wohnbereich, Werkstätten und Schule und dabei besonders den Alltag seiner Schüler, die unterschiedliche Grade der körperlichen und geistigen Behinderung aufweisen und mit Hilfe vielfältiger heilpädagogischer Methoden gefördert werden.
Stefan Otter, Abiturjahrgang 1999, der kurzfristig für eine verhinderte Referentin eingesprungen war, berichtete über seine Arbeit bei einer Münchner Firma für Fernsehproduktionen. Auch ihn hatte kein geradliniger Weg zu seiner heutigen Aufgabe geführt. Über ein erstes Berufsziel Polizist, ein Praktikum beim Rundfunk und angestrebte Studiengänge in Sportpädagogik und Kulturgeschichte sowie nach einem Ausflug in die Selbstständigkeit in der Fernsehbranche sei er schließlich zu seiner Stellung als Executive Producer in seiner heutigen Firma gekommen. Anhand von Filmausschnitten aus einigen von ihm verantworteten TV-Produktionen zeigte er das kreative Potenzial seiner Tätigkeit: Ein für die ARD produzierter Beitrag befasste sich als „Hirschhausens Check-Up“ mit dem Zusammenhang von Bildungsniveau und Lebenserwartung, ein weiterer mit den Folgen des Rauchens.
Wissenschaftler
hocken nicht
im stillen Kämmerlein
Aufs Feld der Forschung und Hochtechnologie begab sich Jakob Wölling, DiplomIngenieur für Luft- und Raumfahrttechnik, Abiturjahrgang 1999, derzeit tätig im Bereich Composite- und Verarbeitungstechnik der Fraunhofer-Gesellschaft. Sein Weg habe ihn quasi „steil nach unten“, von Luft- und Raumfahrt zum „Müll“ geführt, vermerkte er launig und ergänzte, manchmal sei halt der Weg auch das Ziel. Nach Zivildienst und Studium in Stuttgart, in dem er sich mit Satelliten- und Flugzeugbau befasste, ging er zur Fraunhofer-Gesellschaft, wurde bald Abteilungsleiter und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender.
Mit etwa 26000 Mitarbeitern ist sie die größte Forschungseinrichtung in Europa und bekannt durch die Entwicklung des – praktisch von jedem Smartphone-Besitzer genutzten – MP3-Formats. Aufschlussreiche Einblicke vermittelte der Referent in Zusammenhänge zwischen der Forschung und der Anwendung ihrer Erkenntnisse bei Windkraftanlagen oder in der Autoindustrie.
Informativ für zukünftige Studenten und Berufseinsteiger waren Wöllings Ausführungen zum „Funktionieren“ der Forschung, zu den Auftraggebern und zu Finanzierungsmodellen, vielleicht aber noch wichtiger sein Bekenntnis, dass jeder das tun solle, was ihn begeistere. Ein guter Wissenschaftler wirke heute nicht mehr „im stillen Kämmerlein“, sondern sei kommunikativ und baue Netzwerke auf. Nur auf diesem Weg könne man heute Probleme der Gesellschaft in den Griff bekommen und künftigen Generationen ein lebenswertes Dasein ermöglichen.
Die Lehrkräfte für Wirtschaft, Andrea Dreßel und Norbert Ziche, hatten den Empfang organisiert, der Elternbeirat besorgte das von einer Firma und einer Bank gesponserte Buffet.