Waldkraiburg – „Fridays gegen Altersarmut“ – etwa 70 Bürger haben sich gestern einer Mahnwache angeschlossen, die am Sartrouville-Platz für ein anderes, ein gerechteres Rentensystem protestierte. „Arm trotz Rente! Flaschen sammeln ist keine Option“, war da auf vorbereiteten Transparenten zu lesen. Forderungen nach der sofortigen Rücknahme der Agenda 2010, der Einführung einer Reichensteuer oder eines solidarischen Rentensystems, in das ausnahmslos alle einzahlen, waren auf einem Forderungskatalog aufgelistet. Nach Angaben der Initiatoren war dieser auf der Basis einer bundesweiten Umfrage unter Sympathisanten erstellt worden.
Die Mahnwache war die erste Veranstaltung dieser Art. „Wie in Waldkraiburg gehen in 70 bis 100 Städten Leute gegen die Altersarmut auf die Straße“, sagte Günther Herrmann, einer der Sprecher der Gruppe um Andrea Reinisch, die die Aktion vor Ort organisierte. Die bundesweite Initiative sei politisch unabhängig, beteuert er und reagiert damit auf Vorwürfe, die in vielen Medien erhoben wurden.
Auch vor Ort rührt sich Kritik. Ausdrücklich distanziert sich etwa Richard Fischer, überzeugter Gewerkschafter und Sozialdemokrat. „Wir sehen die Altersarmut. Die Renten sind zu niedrig“, so der Zweite Bürgermeister der Stadt. Mit der Aktion will er aber nichts zu tun haben. Fischer sieht eine Instrumentalisierung durch die AfD, „einer Partei, die es bislang nicht geschafft hat, ein Rentenkonzept vorzulegen“. Während Vertreter von Gewerkschaften und SPD nicht zu sehen sind, stößt eine Reihe von AfD-Mitgliedern zur Mahnwache, unter ihnen Kreisvorsitzender Oliver Multusch und Bezirksrat Martin Wieser.
Allerdings solidarisieren sich auch Bürger, die mit Rechten und Rechtspopulisten nichts am Hut haben, mit dem Anliegen, wirksam gegen Altersarmut vorzugehen. Unter ihnen die ehemalige Seniorenbeauftragte der Gemeinde Kraiburg, Monika Baumgart. Sie zieht Parallelen zu Frankreich und den dortigen Protesten gegen die Rentenpläne der Regierung. „Die Franzosen haben es uns vorgemacht und etwas erreicht.“