Seine Milchkühe tragen Hörner

von Redaktion

Bio-Landwirt Michael Ackermann aus Unterreit: „Für Kühe ein wichtiges Organ“

Unterreit – Wie könnte ein Umgang mit Nutztieren aussehen? Industrielle Fleischproduktion mit Ausbeutung einerseits, oder ein Gleichgewicht hin zur artgerechten Haltung andererseits? Der Unterreiter Bio-Landwirt Michael Ackermann hat sich dazu Gedanken gemacht, für sich eine Lösung gefunden und bietet Hofbesichtigungen an.

Das Thema stößt auf Resonanz, denn einen Workshop dazu besuchten etwa 40 Landwirte. Mittlerweile kommt auch die Politik mit dem Ziel in Bewegung, dass der Nutzen – Stichwort Tierwohl – nicht alleine zählt. Für dieses Thema bringt Landwirt Ackermann gute Voraussetzungen mit, denn sein Hof existiert bereits seit 1936 und wurde einer der ersten Demeter-Höfe in Bayern. Sein Credo: „Schon immer haben wir in den Kühen Mitgeschöpfe gesehen.“ Zusammen mit seiner Frau Annette kümmert er sich um etwa 50 Hektar landwirtschaftliche Fläche und durchschnittlich 50 Milchkühe.

Eine der Voraussetzungen, um Demeter zertifizierte Milch an die Molkerei Berchtesgadener Land liefern zu können ist, dass die Kühe noch ihre Hörner haben. Warum kommen die überhaupt weg? Der Hauptgrund sei, dass sich niemand daran verletzen soll, eine Bäuerin schon gar nicht, „da gibt’s dann oft gar keine Diskussion mehr“, weiß Ackermann.

Dabei will er es aber nicht bewenden lassen, denn für die Tiere ist es „ein Organ“. Das Horn ist stark durchblutet und beeinflusst die Verdauung. Milch von horntragenden Kühen sei daher besser verträglich, weshalb Demeter das zur Bedingung mache.

Die hornlose Zucht als weiterer Schritt sei für ihn keine Alternative, denn das sei nur der Erhalt eines gentechnischen Defekts mit demselben Ergebnis in der Milch. „Gibt es Aggression im Stall, müssen die Ursachen angegangen werden.“

Der Schlüssel liege für ihn im Umgang mit den Tieren“, bekräftigt der Landwirt. Zwar habe er in der Landwirtschaftsschule gelernt, welches Futter zu welcher Zeit zu verabreichen sei, doch über den Umgang „nichts“. Dabei gebe es viel zu erfahren, etwa wenn man die Kühe beobachtet. Mögen die einen nicht rechts, so wollen andere nicht links gehen, oder nicht zuerst in den Melkstand und andere wieder nicht als letzte. Bei der Zahl der Stallbewohner seien solche Wünsche aber zu erfüllen.

Oft werde an Futter- und Ruheplätzen mit dem Gedanken gespart, dass nicht alle gleichzeitig dorthin möchten.

Das sei aber verkehrt, denn das gehe stets zulasten der rangunteren Tiere, die bei so etwas zu kurz kommen, was wieder Unruhe provoziere. Habe das Tier ausreichend Platz, gebe es keinen Grund für konkurrierendes Verhalten und damit Stress als Grundlage von Aggression.

Besichtigungen
durch die „BioRegio
Projektbetreuung“

Ackermann sieht auch Potenzial für konventionell geführte Betriebe, nicht nur für Bio-Höfe. Oft heiße es, „der Stall ist erst voll, wenn die Tür nicht mehr zugeht“. Das sei der verkehrte Weg, denn die Milchleistung sinke bei Stress. Somit könne eine Reduzierung am Ende des Jahres sogar mehr Ertrag bedeuten.

Auch die Weidehaltung spart, denn „die Kühe holen sich ihr Futter selbst“. Das sei eine Frage der Umstellung und der Organisation. Das sei es wert, so Ackermann, denn der Boden und die Tiere seien zu wertvoll, als dass man an ihnen vorbei wirtschafte.

Betriebsbesichtigungen ermöglicht die „BioRegio Projektbetreuung“ in Freising, Telefon 08161/714485.

Leitfaden für die Haltung horntragender Milchkühe im Laufstall

Ergänzend zu diesem Thema gibt es einen „Werkzeugkasten“ der Universität Kassel. Diesen Leitfaden haben Wissenschaftler mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft entwickelt, um Milchkühen das Tragen ihrer Hörner im Laufstall zu ermöglichen. Vier Jahre dauerte diese Forschungsarbeit in 39 Betrieben, die Ergebnisse sind als PDF-Datei erhältlich unter www.uni-kassel.de/go/werkzeugkasten.

Zusammengefasst finden dem Ergebnis nach die meisten Rangeleien beim Austrieb im Melkstand und im Fress- und Wartebereich statt. Um das zu entspannen, ist eine frei verfügbare Grundfuttergabe förderlich, weiterhin eine reine Heufütterung bei wenig Kraftfutter und eine örtliche Verteilung der begehrten Plätze, wie Futterstellen, Bürsten, Lecksteine und Tränken. Letztere sollten 60 bis 90 Zentimeter hoch sein. Neue Tiere seien zu beobachten und möglichst einzeln dem Bestand hinzuzufügen, nicht als Gruppe auf einmal.

Wichtiger als einzelne Aspekte, das habe die Forschung aber auch gezeigt, sei das „richtige Zusammenspiel zwischen Tierhaltung, Herden-Management und Mensch.“

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