Waldkraiburg – Einweggeschirr, Strohhalme und Trinkbecher aus Kunststoff gehören schon bald der Vergangenheit an. Um Plastikmüll zu reduzieren und die Meere zu schonen, hat das EU-Parlament ein Verbot von Wegwerfprodukten auf den Weg gebracht. Doch wohin mit dem Essen vom Imbiss, wenn die Einweg-Essensboxen verboten sind?
Zwangsläufig ist keiner der Kunden in der Metzgerei Selinger darauf angewiesen, sein Mittagsmenü in einer Essensbox verpacken zu lassen. Sitzplätze gibt es hier genug. Dennoch nutzen viele das Angebot, das Essen in einer Box mitzunehmen. Doch dafür braucht es bald eine Alternative.
Verbot von Einwegprodukten
Im März vergangenen Jahres hat das EU-Parlament für ein Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff gestimmt. Damit sollen ab 2021 Produkte vom Markt verschwinden, für die es Alternativen aus anderen Materialien gibt. Dazu zählen unter anderem Wattestäbchen, Plastikbesteck und -teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonhalterungen. Aber auch Becher und Essensbehälter aus Polystyrol und Produkte aus oxo-abbaubaren Kunststoffen sowie aus bioabbaubaren Kunststoffen sollen vom Markt verschwinden.
Hintergrund des Verbots ist die große Menge an Plastikmüll in den Meeren. Nach Angaben des Europäischen Parlaments sind knapp 80 Prozent der Abfälle im Meer aus Kunststoff oder Fischfanggeräte. Schätzungen zufolge landen jedes Jahr zwischen 4,8 bis 12,7 Tonnen Kunststoff im Meer. Insgesamt sollen mittlerweile mehr als 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren treiben. Das Verbot bringt Angelika Selinger dazu, nach einer Alternative für die Menüboxen zu suchen. „Wir werden uns umstrukturieren“, sagt sie. Mögliche Alternativen wären aus Zuckerrohr oder Palmblatt, doch die seien im Vergleich zur Kunststoffverpackung viermal so teuer. Doch schon jetzt können die Kunden Kunststoffmüll einsparen: Ob für die Mittagspause oder für den Wursteinkauf können eigene Behältnisse mitgebracht werden.
Verpackung auf Basis von Maisstärke
„Von uns wird das gern gesehen“, sagt Angelika Selinger. Auf die Hygiene müsse dabei geachtet werden: „Die Box darf nicht berührt werden und kommt daher auf ein Tablett.“ Etwa 20 Prozent der Kunden haben ihre eigenen Behältnisse dabei. „Man muss aber organisiert sein“, sagt Angelika Selinger. Denn wer spontan beim Metzger einkaufe, habe meist eben keine eigenen Boxen dabei.
Deshalb hat Angelika Selinger auch schon darüber nachgedacht, Boxen gegen Pfand abzugeben. „Das ist aber mit viel Aufwand verbunden, deshalb haben wir den Gedanken wieder verworfen.“
Mit dem Eintreten des Kunststoff-Verbots wird sich bei Birgit und Thomas Kozel nichts ändern. Denn im Café Patini werden Speisen zum Mitnehmen nicht in Kunststoff verpackt. „Wir haben von an Anfang an biologische Verpackungen verwendet“, erzählt Birgit Kozel. Die Kartons zum Beispiel seien auf Basis von Maisstärke, die auch auf dem Kompost entsorgt werden können. Der Abbau dauere zwar länger, aber es sei eine gute Sache.
Als sie vor gut zwei Jahren ihr Café eröffneten, haben sie nach Alternativen für die Plastikboxen gesucht – und sind auch dabei geblieben. „Viele finden die Idee gut“, sagt sie. Nur einen Nachteil haben die biologischen Verpackungen: Sie sind nicht so dicht wie andere Verpackungen.
Wer ganz auf Verpackung verzichten will, der kann seine von daheim mitbringen. „Das ist zwar noch nicht so verbreitet, aber von unserer Seite her ist es möglich“, sagt Birgit Kozel.