Gars/Unterreit – In einer gemeinsamen öffentlichen Sitzung der Gemeinderäte Gars und Unterreit informierte Frank-Peter Käßler, Kommunalbeauftragter der Deutschen Telekom für den Mobilfunk in Bayern, über die Rahmenbedingungen für die Errichtung von neuen Mobilfunkmasten. Er stellte sich außerdem den Fragen der Gemeinderäte. Vorausgegangen war eine Anfrage der Deutschen Telekom im Dezember, ob die Gemeinden bei der Standortfindung von drei geplanten Mobilfunkmasten analog zum Bayerischen Mobilfunkpakt II mitwirken wollen. Als Standorte vorgesehen sind Mittergars, Gars Bahnhof und Burgstall im Grenzgebiet beider Kommunen.
Zunächst ging Frank-Peter Käßler auf die Vorgabe der „hohen Politik“ ein, in allen Bundesländern für einen flächendeckenden Ausbau des Mobilfunks zu sorgen. Gerade die Telekom sei aufgrund ihrer historischen Verbandelung mit der Politik unter einem gewissen Druck. Vor dem Hintergrund, dass der Ausbau zwar nach marktwirtschaftlichen Gesetzen erfolgt, die Anbieter sich aber verpflichtet haben, beim Erreichen des Versorgungsziels zusammenzuarbeiten, führte der Referent weiter aus, dass den Anbietern als „Hausaufgabe“ aufgegeben sei, 98 Prozent aller Haushalte bis Ende des Jahres 2022 mit 50 bis 100 Megabit zu versorgen und mit dieser Leistung auch alle Bundesautobahnen, Straßen und die wichtigsten Schienenwege abzudecken. Schließlich sei derzeit eine immense jährliche Steigerung der Datenraten von 40 bis 60 Prozent zu verzeichnen. Es gebe immer mehr Mobilfunkmasten auf kleinerem Raum, denn die Infrastruktur müsse dem erhöhten Bedarf gerecht werden. Wenn heute im Durchschnitt 1,6 Endgeräte auf jeden Bürger entfielen, so seien es in Zukunft prognostizierte vier bis fünf Geräte.
Der Referent räumte ein, dass es in der Region und in Bayern anders als in anderen Bundesländern ein Akzeptanzproblem gebe: Oft wolle man zwar optimale Versorgung, sträube sich aber gegen die Errichtung von Mobilfunkmasten. Auch seien Standorte nicht beliebig verschiebbar, sondern müssten in ein komplexes Netz passend eingefügt werden.
Auf die im Gespräch geäußerten ernsten Bedenken der regionalen Bevölkerung hinsichtlich zu befürchtender Strahlenbelastung ging Frank-Peter Käßler ausführlich ein. Er verwies auf zahlreiche wissenschaftliche Studien, die an Vielfachnutzern die gesundheitlichen Folgen der Emissionen untersucht hätten. Gezeigt habe sich zum Beispiel, dass in früheren Jahren sogar mit zum Teil höheren Sendeleistungen gearbeitet worden sei. Dann stellte die provokante Frage, wie viele Todesfälle es durch Strahlung schon gegeben habe und meinte, dass eher fehlende Funkhilfe zu solchen führe. Freilich könne man Mobilfunk wie jedes „Werkzeug“ auch missbrauchen. Höhere Strahlenbelastung entstehe im Übrigen allenfalls am Endgerät und zwar dann, wenn es wegen entfernter Funkmasten hohe Energie aussenden müsse. Auf Nachfrage widersprach der Referent auch der These, dass Mobilfunk zum Insektensterben beitrage beziehungsweise den Bienen schade, in dem er auf zahlreiche entsprechende Studien verwies.
Bürgermeister Norbert Strahllechner (FWG) gestand freimütig seinen persönlichen Groll auf die Deutsche Telekom, der noch daher rühre, dass es die Firmenzentrale wegen „mangelnder Rentabilität“ abgelehnt habe, im Garser Gemeindegebiet den Breitbandausbau zu übernehmen. Dennoch sprach er sich ebenso wie einige Gemeinderäte diesmal dafür aus, dass sich die Gemeinde Gars an der Standortfindung der Telekom für die drei neuen Standorte beteiligen sollte. Es sei ihm aber wichtig, dies nicht gegen Vorbehalte der Bevölkerung durchzusetzen, erklärte Strahllechner.
Deswegen wurde auf Vorschlag des Referenten eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit, die einer endgültigen Beschlussfassung vorausgehen soll, ins Auge gefasst. Der Gemeinderat Gars billigte beide Vorschläge einstimmig, der Gemeinderat Unterreit vertagte die Entscheidung auf seine nächste Sitzung.