Waldkraiburg – Sie sind in ihrem 37. Jahr und haben längst lokalen Kultstatus: die Kommunalkabarettisten des Saftladens. Heuer wollen sie es wieder wissen. Noch vor den Kommunalwahlen bringt der Saftladen sein neues Programm auf die Bühne. Premiere ist am Donnerstag, 5. März. Hans Langbauer und Charly Ebenbichler, zwei die mitspielen und für die Gruppe sprechen, plaudern im Interview über die Besonderheiten eines Wahlprogramms und das Erfolgsgeheimnis der Lokalkabarettisten, die allesamt „Herzenswaldkraiburger“ sind, auch wenn sie über den ganzen Landkreis verstreut leben und natürlich auch den ganzen Landkreis auf die Bühne bringen.
In fünf Wochen ist es so weit: Dann haben Waldkraiburg und der ganze Landkreis die Qual der Wahl. Wie hat sich denn der Kommunalwahlkampf bisher aus satirischer Sicht angelassen? Kann man als Lokalkabarettist zufrieden sein?
Hans Langbauer: Der Wahlkampf ging ja los, dass wir schon eine Riesenangst haben mussten, das könnten wir im Kabarett gar nicht mehr toppen. Diese Sprüche! Man denke nur an die Ankündigung des CSU-Bürgermeisterkandidaten Wolfgang Nadvornik: „Ich fahre nach München und hole die Kohle.“ Oder an das „fleischgewordene Fegefeuer der CSU“, Ulli Maier. Sprüchemäßig war auf den UWG-Landratskandidaten Verlass. Inzwischen hat sich das Ganze ein bisschen versachlicht.
Charly Ebenbichler: Bei der CSU hat da sicher der Fraktionsvorsitzende Toni Sterr eine Rolle gespielt. Welche, das werden wir im Kabarett auflösen.
Was macht ein Kabarettprogramm so kurz vor Kommunalwahlen besonders schwierig?
Ebenbichler: Wir haben diesmal einen brutalen Personalwechsel. Es gibt so viele Kandidaten wie noch nie. Wir müssen uns von ein paar lieb gewordenen Kommunalpolitikern, vor allem Stadträtinnen, verabschieden. Bei den Neuen müssen wir sehen, wofür stehen die eigentlich.
Langbauer: Für uns ist ein solches Programm schon deswegen schwieriger, weil wir es im März, vor dem Wahltermin, spielen müssen. Sonst spielen wir zwischen Ostern und Pfingsten. Da haben wir einfach mehr Zeit. Und noch was ist heuer nicht einfacher geworden: Wir haben sieben Listen in Waldkraiburg. Nicht alle sind nach unserem Verständnis grunddemokratisch. Wir werden uns aber aller Richtungen annehmen und thematisieren, was dahinter steckt.
Sind die Kommunalpolitiker in Wahljahren noch sensibler als sonst?
Langbauer: Im Gegenteil: Im Wahlkampf geben sie sich weniger verletzlich. Schließlich will sich keiner die Blöße geben.
Ganz kurz: Wie entsteht eigentlich eine gute Kabarettnummer?
Langbauer: Das macht bei uns die Schwarmintelligenz. Es gibt wenige Szenen, die einer alleine schreibt. Jede Szene muss im Plenum vorgestellt werden. Und wenn das Plenum es will, muss sie geändert werden. Wir stellen uns immer wieder die Frage: Was wollen wir sagen? Auch wenn das manchmal weh tut, weil eine Szene am Ende auch ganz rausfliegen kann. Aber das ist unser Erfolgsgeheimnis.
Ebenbichler: Wir sind basisdemokratisch. Jeder Mitwirkende muss mit den Szenen zurechtkommen. Profis sagen zwar, so kann man kein Kabarett machen. Aber wir machen damit seit Jahrzehnten gute Erfahrungen.
Im letzten Programm 2018 konnten die Zuschauer mit dem Saftladen baden gehen. Das Kabarett endete mit einer satirischen Vision für ein neues Waldbad. Wer oder was geht denn diesmal baden?
Langbauer: Das kann ich gar nicht beantworten. Wir sind noch nicht so weit.
Eigentlich könnte der Saftladen diesmal nahtlos beim Thema Waldbad anschließen, oder? Ist seitdem ja noch immer nichts entschieden.
Langbauer (nickt): Wir haben das früher schon mal gemacht, das Schlussbild, das Schiff Waldkraiburg, im nächsten wieder aufgenommen. Diesmal wird das anders.
Ebenbichler: So viel können wir sagen: Eine Szene spielt im Waldbad, aber das ist nur ein Nebenschauplatz.
Langbauer: Übrigens widmen wir uns nicht nur dem Wahlkampf und seinen Protagonisten. Wir haben auch einige andere Themen.
Was dürfen die Zuschauer denn noch erwarten?
Langbauer: Ein Thema ist das Mühldorfer Krankenhaus, das ist ja eigentlich eine Kreisklinik, also auch für Waldkraiburger interessant, auch wenn jetzt der ein oder andere Mühldorfer überrascht sein wird, dass Waldkraiburg zum Landkreis gehört (lacht).
Was bietet der Saftladen außer Stadt- und Kreispolitik speziell für seine Fans im Umland?
Langbauer: Der Mühldorfer Bürgermeister-Wahlkampf ist ein Desaster, ohne CSU-Kandidaten. Zu Aschau, wo ein neuer Bürgermeister gewählt wird, gibt es definitiv eine Szene, nach Möglichkeit auch zu Kraiburg. Ach ja, und Polling ist mit drin…
Ebenbichler: …wie die CSU mit altgedienten Bürgermeistern umgeht.
Welche Veränderungen gibt es denn bei den Mitwirkenden?
Langbauer: Aufgehört hat keiner. Wir haben mit Michael Gößl sogar einen Rückkehrer. Wir brauchen jeden und jede. Bei vier Bürgermeister- und sechs Landratskandidaten würden wir personalmäßig sonst in Engpass kommen.
Hat das neue Programm schon einen Namen?
Erst vor wenigen Tagen haben wir ihn erstritten. Nach inzwischen fünf Wahlprogrammen ist das das sechste. Das Wort „Wahl“ haben wir in allen Varianten durch. Deshalb machen wir diesmal was anderes: „So ein Kreuz“.
Wie viel ist denn schon fertig?
Langbauer: Wirklich aufführungsfähig ist eine Nummer. Eine Perle ist also schon aufgefädelt, ein paar müssen noch poliert werden, einige sind noch in der Muschel…
Ebenbichler: und bei den anderen hoffen wir noch, dass die Muschel bald angeschwemmt wird.
Termine
und Tickets
Die Premiere am Donnerstag, 5. März, und zwei weitere Vorstellungen am Freitag, 6., und Samstag, 7. März, bieten sich für Freunde der Zimmertheateratmosphäre an und finden im Haus der Vereine statt. Drei Aufführungen, von Donnerstag, 12., bis Samstag, 14. März, folgen dann im Haus der Kultur. Dazu Charly Ebenbichler: „Auch die Nacht vor der Wahl gehört dem Saftladen.“ Sämtliche Vorstellungen beginnen um 20 Uhr, Einlass ist ab 19.30 Uhr.
Der Vorverkauf startet am Dienstag, 11. Februar. Tickets gibt es zu den Öffnungszeiten im Haus der Kultur, Telefon 08638/ 959312, oder im Haus des Buches, Telefon 08638/959260.
Interview: Hans Grundner