Kraiburg – St. Aegidius funkt SOS. Die kleine romanische Kirche in Kolbing südlich von Kraiburg weist schwere Schäden auf. Sofortmaßnahmen zur Sicherung des Gebäudes sind bereits umgesetzt. Eine Komplettsanierung, die die Kirchenstiftung schon 2007 beim Ordinariat beantragt hatte, lässt auf sich warten. Dabei sind sich alle Beteiligten einig: Aegidius ist ein kunsthistorisch bedeutendes Kleinod.
Die kleine Kirche, die im Kern aus dem 12. Jahrhundert stammt, sei wohl gleichzeitig mit der Kraiburger Burg entstanden und habe den Grafen als Jagdkapelle gedient, schreibt Peter Huber, ehrenamtlicher Heimatpfleger für den Bereich der Kulturdenkmäler des Landkreises. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche ausgebaut und ausgemalt. Die Malereien aus dem Zeitraum um 1430 sowie vor allem die romanische Apsis mit Sichtsteinmauerweg und teilweise originalem Fugenstrich machten die Kirche, eine der ältesten im Kraiburger Umland, zu einem „kunst- und heimathistorisch wertvollen Gotteshaus“, so Hendrik Steffens von der Pressestelle des Ordinariats in München.
Die Jahrhunderte gingen nicht spurlos an dem Bauwerk vorüber. Im Lauf der Zeit traten immer größere Schäden auf, bereits 2007 im Bereich der Gründung, berichtet der Kreisheimatpfleger. Die Folge: Setzungen und Rissbildungen im Innenraum.
Andauernd
durchfeuchtet
Die Dachrinnen waren schadhaft und verrostet, die Dachhaut nicht mehr dicht. Die Drainage konnte das Wasser nicht vom Bauwerk abführen. Im Inneren kam es wegen der andauernden Durchfeuchtung zu Schäden an Fresken und Gewölben.
Um das Bauwerk zu erhalten, habe ein Ingenieurbüro einen zweistufigen Notmaßnahmenkatalog angefertigt. Im ersten Teil sollen unverzüglich Sofortmaßnahmen zur Abwehr akuter Gefährdungen an der Gebäudesubstanz ausgeführt werden. In einem zweiten Teil solle – so der Kreisheimatpfleger – durch Sanierungsarbeiten an Gründung, Dachentwässerung und Tragwerk die Kirche soweit wiederhergestellt werden, dass nicht weiter Wasser eindringt.
Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes hat der Pfarrkirchenstiftung die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für diese Maßnahmen erteilt. Die ersten Notsicherungen sind laut Klaus Pscherer, Verwaltungsleiter im Pfarrverband Kraiburg, bereits umgesetzt. Die Kosten, für die die örtliche Kirchenstiftung aufkommt, liegen unter der 10000-Euro-Grenze. Schon beim nächsten Schritt, mit dem die Kirche stabilisiert werden soll, wird es nach vorläufigen Schätzungen um ein Vielfaches davon gehen. Bis 30. Juni sollen Planung und Kalkulation des Architekten vorliegen.
Kolbing ist nicht die
einzige „Baustelle“
Finanziell wird die Kirchenstiftung damit schon an Grenzen stoßen. Ohne ehrenamtliches Engagement und Spenden wird das nicht gehen. Denn: „Wir haben nicht nur Kolbing“, sagt Pfarrer Michael Seifert. Er verweist auf die Aukirche im Markt, die provisorisch abgestützt werden musste, und vor allem auf die Erneuerung der Jahrzehnte alten Ölheizung in der Marktpfarrkirche, die für die Seelsorge wesentlich wichtiger ist als St. Aegidius. Dort ist nur im Sommer einmal pro Woche Gottesdienst.
Die Komplettsanierung übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Pfarrkirchenstiftung Kraiburg ohnehin bei weitem. Nach Informationen unserer Zeitung steht im Finanzierungsantrag von 2007 ein Betrag von 1,5 Millionen Euro.
Der Antrag der Kirchenstiftung sei „in Abgleich mit vielen anderen, noch dringender erforderlichen, Vorhaben zurückgestellt“ worden, teilt das Ordinariat mit. „Derzeit wird eine Möglichkeit der höheren Priorisierung von St. Aegidius geprüft“, so die Pressestelle, die von Voruntersuchungen in den vergangenen Jahren berichtet. Fachleute haben Statik und Bodenstruktur analysiert, ein Wandrestaurator den Malereien einen „relativ guten Zustand bescheinigt“. Doch ob und wann die Sanierung kommt, dazu kann der Pressesprecher keine Angaben machen.