Aschau feiert die Hochzeit des Jahres

von Redaktion

Faschingsbrauch: Trachtler und Musikverein organisieren Zeremonie auf Misthaufen

Aschau – Endlich war es soweit. Aschau feierte die Hochzeit des Jahres. Die holde Ludmilla, Blechblosnbiaga Kutschen-Schätzers-Tochter vo da Revoluzzer Wiesn z’Stoabach, und der schmächtige Euphemius Griffeschwinger, Großbauers Bua im uralten Asbach dahergschwoabt, schlossen den Bund fürs Faschingsleben.

So eine Hochzeit wie diese gibt es nur alle fünf Jahre und das schon seit 1990. Heuer zelebrierten der Trachtenverein d’Stoabacher und der Musikverein zum sechsten Mal zusammen die Aschauer Faschingshochzeit. Der fesche Bräutigam (Hanna Langwieder aus Sankt Erasmus), Mitglied im Trachtenverein und seine schöne Braut (Lukas Wimmer aus Aschau), Mitglied im Musikverein, hatten dank Partnervermittlung durch den Schmuser Stoffehammer Naz eine Woche zuvor zueinandergefunden (wir berichteten). Auch Petrus hatte es mit den Feierwütigen gut gemeint, denn es gab Sonne satt. Die Hochzeitsgäste hatten sich ordentlich in Schale geworfen. Anmutige Schönheiten, grell geschminkt mit blutrotem Lippenstift und rosigen Wangen in fesche Dirndl gekleidet, sowie g’standene Mannsbilder im feinen Sonntagsanzug, so mancher sogar mit Hut, freuten sich mit dem Brautpaar. Unter die etwa 280 Gäste hatten sich auch Mitglieder sämtlicher Aschauer Vereine, Freunde, Verwandte und natürlich die stolzen Eltern und Großeltern des Brautpaares gemischt.

Kaum war das Paar mit der Kutsche vorgefahren, ging es munter los mit Blasmusik und Weißwurstfrühstück im Bräustüberl. Frisch gestärkt zog die Hochzeitsgesellschaft, angeführt vom Aschauer Musikverein mit Pauken und Trompeten, durch den Ort. Dann kam der große Moment, an dem die Beiden sich das Ehegelübde geben sollten. Auf einem dampfenden Misthaufen, wie es sich für eine Faschingshochzeit gehört. Auf einer Leiter mussten Pfarrer, Brautpaar, Trauzeugen und Ministranten hinauf kraxeln. Musiker und Gäste versammelten sich in großem Bogen um die Trauungszeremonie.

„Willst du deine Braut, die du ausgewählt hast aufgrund ihrer Grundstücke und Erbschaften, stets lieben und ehren. Willst du dich dem Willen deiner Frau stets unterwerfen und die Belehrungen deiner Schwiegermutter stets genau befolgen“, wollte Merkwürden Bertinus, der im richtigen Leben Bert Brunner heißt und von der ersten Hochzeit an dabei ist, vom Bräutigam wissen. Und als Bertinus auch die Braut fragte, zischte diese: „Ja, jetzt her auf zu redn, der mog mi am Schluss sonst nimma.“

Nach der Trauung ging die Feier am Bräustadl des Gasthauses Ametsbichler munter weiter. Mit Tanz, Musik, dem perfekten Hochzeitsschmaus und Geschenken für das Brautpaar war die traditionelle bayerische Faschingshochzeit perfekt. Mit Ehrentänzen und einigen lustigen Aufführungen.

Nicht nur das Brautpaar hatte eine Mordsgaudi, sondern auch die Schwiegereltern, die froh darüber waren, dass ihre Kinder endlich unter der Haube waren. Hätte der Schmuser Stoffehammer Naz nicht fleißig nachgeholfen, wären Ludmilla und Euphemius wohl ewig Jungfrau und Junggeselle geblieben.

Dass so eine Hochzeit auch mit vielen Vorbereitungen verbunden ist, bestätigten Christian Mayerhofer, Vorsitzender des Trachtenvereins d´Stoabacher, Wolfgang Duschek, Vorstand des Musikvereins. Sie waren heuer die Organisatoren der munteren Veranstaltung.

Artikel 3 von 11