Waldkraiburg – Es kommt selten vor, dass Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) den Beschluss eines städtischen Gremiums kommentiert. Neulich im Bauausschuss konnte er sich nicht mehr zurückhalten. Grade war mit den Stimmen der CSU- und SPD-Mitglieder der Bau einer Calisthenics-Trimm-Dich-Anlage im Schulzentrum Süd abgelehnt worden. Da sei eine tolle Chance vertan worden, „um mit geringem Aufwand was für die Jugend zu machen“, bedauerte Pötzsch.
CSU: Anlage soll in anderen Stadtteil
Der Bau der Anlage war in der Oktober-Sitzung des Stadtrates bereits grundsätzlich mit dem städtischen Spielplatz-Programm gebilligt worden. Damals stand allerdings noch kein Standort fest.
Mittlerweile ist ein aus Sicht der Verwaltung machbarer Standort auf einer Grünfläche nicht weit vom Sportplatz an der Liszt-Straße gefunden, ein Zuschuss in Höhe von rund 30000 Euro aus europäischen Leader-Mitteln zugesagt.
UWG: Nähe zu Hallen und Schulen ideal
65000 Euro soll das Aufstellen der Fitness-Anlage im Freien kosten, die stark im Trend ist. Klimmzugstangen, Parallelbarren, Sprossenwände. Hangelstrecken, horizontale und vertikale Leitern und andere Geräte gehören zu dieser „Trimm-Dich“-Landschaft für Jugendliche und Erwachsene. Die Stadt müsste also rund 35000 Euro tragen und für den Unterhalt aufkommen. Für dieses Geld gibt es laut Carsten Schwunck, Leiter des Bauamts, eine „Mindestausstattung mit normalem Fallschutz, ohne Matten“.
Margit Roller (CSU) stellte nicht die Anlage an sich, sondern vielmehr den Standort in Waldkraiburg Süd in Frage. In diesem Viertel befindet sich schon der Mehrgenerationen-Spielplatz. Roller spricht sich deshalb dafür aus, den Geräte-Park in einem anderen Stadtteil aufzubauen. Das Projekt sollte nochmal zurückgestellt werden, bis ein geeigneter Platz gefunden ist, findet die Stadträtin. Dagegen erachtet der Bürgermeister den Standort als besonders geeignet, wegen der Nähe zu den weiterführenden Schulen und den Turnhallen, in denen die Sportvereine trainieren. Für die zeitnahe Errichtung der Anlage spricht laut Carsten Schwunck auch die Tatsache, „dass wir jetzt die Förderung kriegen“.
Alexander Will (SPD) pflichtet dagegen Roller bei: Die Calisthenics-Anlage solle „lieber in den Westen der Stadt“, wo 500 bis 1000 Wohneinheiten entstehen. „Ich find’s geil, dass wir das Ding jetzt machen“, meinte dagegen Christoph Vetter (UWG). „Junge Leute bewegen sich viel zu wenig.“ Der Standort sei ideal, findet auch Franz Belkot (UWG). Im Übrigen, so die beiden Stadträte, könne eine solche Anlage auch in anderen Stadtteilen entstehen, wenn sie sich im Süden bewährt.
SPD: Lieber
in den Westen
Mit knapper Mehrheit wurde das Vorhaben in der Franz-Liszt-Straße dennoch abgelehnt: die drei UWG-Stadträte und der Bürgermeister stimmten dafür, die drei CSU- und zwei SPD-Stadträte dagegen.
In einer Podiumsdiskussion des Jugendparlaments (siehe Bericht auf Seite 16) erneuerte Pötzsch seine Kritik an CSU und SPD, die den Calisthenics-Park, der auf einen Vorschlag von Jugendlichen zurückgehe, aus politischen Gründen abgelehnt hätten. In drei Monaten hätte die Anlage stehen können, glaubt er. Stadträtin Charlotte Konrad (CSU) bemängelte, dass in die Standortsuche weder sie als Jugendreferentin noch das Jugendparlament eingebunden worden sei.